Human Resources
Mehr Home-Office-Tage als Lösung für das Tankdilemma

Mehr Home-Office-Tage als Lösung für das Tankdilemma

Selina Beck | 30.04.26

Viele Beschäftigte kämpfen mit der Kostenexplosion beim Tanken. Home-Office-Jobs könnten sie unterstützen und beim Einsparen von Kraftstoff allgemein helfen.

Krisen in der Wirtschaft und beim Wohlstand in Deutschland – und dazu noch die extrem hohen Tankkosten: Viele Arbeitnehmer:innen sind stark belastet. Vor allem Pendler:innen mit einem langen Arbeitsweg sind massiv betroffen.

Zwar hat die Regierung verschiedene Entlastungsmaßnahmen versprochen – wie den steuerfreien Bonus von 1.000 Euro und die Mineralölsteuersenkung von 17 Cent auf Benzin und Diesel ab dem 1. Mai, der sogenannte Tankrabatt. Doch für viele reichen diese Maßnahmen nicht aus. Zum einen ist weiterhin unklar, ob und wie viele Angestellte den 1.000-Euro-Krisenbonus von ihren Arbeitgeber:innen erhalten werden, da auch die Unternehmen über die Entlastungsprämie klagen, die sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit hohen Energiekosten alleine stemmen sollen. Zum anderen gilt die Erleichterung zunächst nur bis Ende Juni und es muss sich zeigen, ob die Vergünstigungen Menschen in dem Zeitraum stark entlasten können.

Knapp 19 Prozent des täglichen Verbrauchs an Kraftstoff sind einsparbar

Während 63 Prozent der befragten Beschäftigten laut einer aktuellen ARD-Studie den Vorschlag aus der Politik für Mehrarbeit zur Sicherung des Wohlstands ablehnen, präsentiert eine neue Studie der Universität Konstanz einen neuen Lösungsansatz, der Entlastung beim kostenintensiven Tanken schaffen soll. So könnte ein zusätzlicher Tag Home Office laut den Autoren Florian Kunze und Kilian Hampel rund 19 Prozent des täglichen Kraftstoffverbrauchs in Deutschland reduzieren – und damit rund 32 Millionen Liter Kraftstoff einsparen. Das würde Geld und Kraftstoff sparen, aber die Tankstellen und Kraftstoffunternehmen womöglich nicht erfreuen.

Viele Arbeitnehmer:innen stehen dieser Idee positiv gegenüber, da sie sich einen Tag mehr Home Office wünschen. Zeitgleich sprechen die Ergebnisse der Home-Office-Studie dafür, dass Unternehmen, die hybrides Arbeiten anbieten, dadurch Engagement und Produktivität steigern. Bei der repräsentativen Online-Befragung über Bilendi wurden über 1.000 Personen mit Bürojobs interviewt.

Angestellte plädieren für mehr Home-Office-Möglichkeiten

64 Prozent aller Angestellten, deren Arbeit auch im Home Office möglich wäre, pendeln zurzeit mit dem Auto zur Arbeit. Dabei wünscht sich die Mehrheit allerdings einen Tag mehr Home Office in der Woche. Studienleiter Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior, kommentiert die Ergebnisse wie folgt:

Wir haben hier ein seltenes Zusammentreffen von individuellen Wünschen, gesellschaftlichem Nutzen und betriebswirtschaftlichem Interesse. Aktuelle Studien zeigen, dass etwa drei Tage mobiles Arbeiten optimal für die objektive Produktivität in vielen Tätigkeiten wären – da gibt es also noch Optimierungspotenzial.

Home Office als Lösungsansatz in der Energiekrise

Generell würden 62 Prozent der befragten Teilnehmer:innen mehr Home-Office-Angebote wegen der gestiegenen Energiepreise für sinnvoll halten. Allerdings haben bisher nur 20 Prozent ihr Verhalten aufgrund der steigenden Energiekosten angepasst. Der Grund liegt laut den Autoren dabei in strukturellen Hürden – wie der Präsenzpflicht in Bürojobs. Home Office könnte hierbei ein potenzieller Schlüsselfaktor in der Energiekrise sein.

33 Prozent der Beschäftigten erklären, dass sie häufig ins Büro gehen, ohne dass dies überhaupt notwendig sei. 20 Prozent der Befragten haben hierbei sogar den Eindruck, dass die Zeit im Büro lediglich abgesessen wird. Ein weiterer Home-Office-Tag führt laut den Experten zu mehr Effizienz. Bereits vor zwei Monaten zeigte die ifo-Konjunkturumfrage, dass immer noch über 24 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise im Home Office arbeiteten.

Hybrides Arbeiten als Zukunftsmodell

Auch Arbeitgeber:innen scheinen einen Sinneswandel beim Thema mobiles und Home Office Arbeiten zu erleben. Denn der Anteil der befragten Unternehmenschef:innen, die eine stärkere Präsenzpflicht befürworten, ist von 33 Prozent im Jahr 2024 auf 22 Prozent gesunken. Die Bedenken bezüglich der Kommunikation haben sich in diesem Zeitraum sogar fast halbiert (von 43 auf 23 Prozent). Studienautor Kilian Hampel empfiehlt den Unternehmen:

Führungskräfte, die hybride Arbeit professionell gestalten, werden selbst zu Impulsgeber*innen einer modernen Arbeitskultur. Organisationen, die krampfhaft versuchen, ihre Mitarbeitenden durch Zwang ins Büro zurückzuholen, müssen sich langfristig Gedanken um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen.

Klare Regeln zu Home Office empfehlenswert

Wichtig sind beim Arbeitsplatz zu Hause laut den Autoren auch deutlich kommunizierte Regeln und Leitlinien. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass bei einem Drittel bis zur Hälfte der Unternehmen evidente Regeln fehlen. Jedoch sind diese wichtig, denn so entwickeln sich die Produktivität und die Team-Arbeit messbar positiv.

Wie sieht es bei dir aus? Arbeitest du im Home Office? Ist es bei deiner Arbeit möglich und/oder erwünscht? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!


Home Office trotzt der Bürorückkehr und gehört für ein Viertel aller Arbeitnehmer:innen bereits zum Alltag

Ein Mann sitzt zu Hause und arbeitet
© Tima Miroshnichenko – Pexels

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