Human Resources
Wenn der Job zur Datenquelle wird: Wie Meta seine Mitarbeiter:innen überwacht
© Meta, sasha85ru (Getty Images), Änderungen vorgenommen via Canva

Wenn der Job zur Datenquelle wird: Wie Meta seine Mitarbeiter:innen überwacht

Marié Detlefsen | 24.04.26

Was, wenn dein Arbeitsalltag nicht nur erledigt, sondern gleichzeitig aufgezeichnet wird – bis ins kleinste Detail? Bei Meta wird genau das Realität, um eine neue Generation von KI-Agents zu erschaffen.

Beim Tech-Konzern Meta wird die Grenze zwischen Mensch und Maschine im Arbeitsalltag zunehmend unscharf. Was früher nach Science Fiction klang, wird nun offenbar zur Praxis – eine Künstliche Intelligenz, die Mitarbeiter:innen nicht nur unterstützt, sondern ihnen aktiv „über die Schulter schaut“.

Nach Informationen aus internen Memos an Beschäftigte von Meta setzt der Konzern zukünftig in den USA eine neue Software ein, die das Verhalten von Angestellten am Computer detailliert erfasst. Mausbewegungen, Klicks und Tastatureingaben werden registriert, also genau die kleinen, oft unbewussten Abläufe, die unseren Büroalltag ausmachen. Das Ziel dahinter ist klar: Diese Daten sollen genutzt werden, um KI-Systeme zu trainieren, die genau solche Tätigkeiten künftig eigenständig übernehmen können. Anders gesagt: Die tägliche Arbeit der Mitarbeiter:innen dient als Blaupause für automatisierte Prozesse. Dies erklärte auch Matt Navarra in einem Post auf Threads:

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Der Ansatz wirkt fast banal in seiner Logik – wenn Maschinen lernen sollen, wie Menschen arbeiten, müssen sie ihnen eben zusehen. Meta formuliert es intern sinngemäß so, dass jede:r Beschäftigte durch ganz normale Arbeit zur Verbesserung der Modelle beiträgt. Denn aktuelle KI-Agents stoßen noch häufig an ihre Grenzen. Dinge wie Tastenkombinationen oder das Navigieren durch Menüs sind für Menschen Routine, für Maschinen jedoch oft Stolpersteine. Genau hier setzt die neue Initiative an. Durch regelmäßige Screenshots und Interaktionsdaten soll die KI ein detailliertes Verständnis davon entwickeln, wie reale Nutzer:innen mit Software umgehen.

Will Meta Überwachung oder Effizienzgewinn?

Parallel treibt Meta die Integration solcher Systeme massiv voran. Unter Programmen wie der „Agent Transformation Accelerator“-Initiative wird intern daran gearbeitet, KI‑Agents immer stärker in Arbeitsprozesse einzubinden. Die Vision dahinter beschreibt Meta ziemlich deutlich: In Zukunft sollen die Agents den Großteil der Arbeit erledigen, während Menschen eher eine überwachende und steuernde Rolle einnehmen. Mitarbeiter:innen würden dann primär eingreifen, korrigieren und optimieren.

Gleichzeitig argumentiert das Unternehmen mit Effizienzsteigerung. KI-Agents sollen langfristig komplexe Aufgaben übernehmen können, vom Programmieren bis zur Datenanalyse. Dass diese Entwicklung wirtschaftliche Folgen hat, zeigt sich bereits jetzt, denn in der Branche wird immer häufiger und offener über Stellenabbau diskutiert. So hat unter anderem Amazon in den vergangenen Monaten ebenfalls 30.000 Mitarbeiter:innen abgebaut und damit etwa zehn Prozent der Belegschaft. Auch Meta plant, ab dem 20. Mai rund rund zehn Prozent der Belegschaft zu entlassen.

Der digitale Doppelgänger des Chefs

Besonders weit geht offenbar Mark Zuckerberg selbst. Laut der Financial Times arbeitet Meta sogar an einer Art digitalem Avatar des Gründers. Dieser soll mit Mitarbeiter:innen interagieren, seine Stimme und Mimik imitieren und sogar typische Argumentationsmuster übernehmen.

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Meta treibt die Entwicklung mit bemerkenswerter Konsequenz voran. Mitarbeiter:innen werden nicht nur von KI unterstützt, sondern gleichzeitig zu deren Lehrmeister:innen – oft ohne aktiv daran mitzuwirken. Die entscheidende Frage bleibt: Wo liegt die Grenze zwischen sinnvoller Optimierung und übergriffiger Kontrolle?


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