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Integrität retten? X führt Paid Label ein
© Viralyft - Unsplash (Änderungen wurden vorgenommen via Canva)

Integrität retten? X führt Paid Label ein

Larissa Ceccio | 02.03.26

X will plötzlich Transparenz und führt Pflicht-Labels für bezahlte Posts ein. Doch nach Grok-Skandalen, politischen Kursentscheidungen und Vertrauensverlust wirkt der Integritätsanspruch wie Schadensbegrenzung.

Wer auf X Geld mit Posts verdient, soll das künftig offenlegen. Nikita Bier, Head of Product bei X, kündigt neue Paid Partnership Labels an.

X’s core value is providing an authentic pulse on humanity,

schreibt Bier. Man wolle Menschen zwar weiterhin ermutigen, ihre Geschäfte auf X aufzubauen. Doch versteckte Werbung habe zuletzt „überhandgenommen“, schade der Integrität des Produkts und untergrabe das Vertrauen in Inhalte auf der Plattform. Die neuen Labels sollen dieser Entwicklung entgegenwirken.

Von „Integrität“ zu sprechen, wirkt angesichts der wiederholten Skandale rund um die Plattform mindestens bemerkenswert. Das Vertrauensproblem von X speiste sich zuletzt nicht in erster Linie aus versteckter Werbung, sondern aus grundlegenden Plattformentscheidungen. Änderungen am Algorithmus, durch die bestimmte Inhalte mehr Reichweite bekamen als andere, eine zunehmend politisierte Plattformstrategie unter Elon Musk und die wiederholten Kontroversen rund um den KI-Chatbot Grok haben die Glaubwürdigkeit der Plattform deutlich erschüttert. Einer der größten jüngeren Vorfälle war der Grok-Nacktbild-Skandal Anfang 2026: Die KI Grok hat User sexualisierte Deepfakes von Frauen und Minderjährigen erstellen lassen und sich halbherzig entschuldigt.



Grok:
Nacktbild-Skandal und Top-Platzierung im App Store

Grok Imagine-Startseite
© Grok, xAI


Paid Labels auf X: Transparenz-Update oder PR-Maßnahme?

Konkret bezieht sich das Paid Labels Update laut Nikita Bier zunächst auf klassische Pay-per-Post Deals. Investor:innen, die etwa Beteiligungen an Startups teilen, müssten dagegen nicht zwingend jedes Posting labeln, oft geschehe die Offenlegung laut Bier bereits im Text.

Die Community reagiert gemischt. Während einige das Feature als überfälligen Schritt gegen versteckte Werbung feiern, fragen andere nach Durchsetzung und Sanktionen. Laut Bier sollen Nutzer:innen verdächtige Inhalte melden können; entsprechende Reporting-Funktionen direkt unter Posts sind angekündigt.

Spannend wurde es in der Diskussion um freiwillige Krypto-Promotions. Eine Creatorin erklärte, sie werde nicht bezahlt, poste aber regelmäßig Inhalte zu einem bestimmten Projekt. Sie gehört nicht offiziell zum Unternehmen, steht aber in engem Austausch mit dem Kern-Team und bekommt etwa besondere Rollen in der Community (zum Beispiel auf Discord), erhält frühe Informationen oder unterstützt Produkt-Launches. Auf die Frage, ob solche Posts trotzdem als Werbung gelten, reagierte Bier mit:

Yes, every post on your profile is a very obvious ad.

Ob das neue Label tatsächlich Vertrauen zurückbringt oder nur neue Grauzonen schafft, entscheidet sich an der Umsetzung. Ohne klare Regeln und sichtbare Sanktionen bleibt es ein Symbol ohne Wirkung. Zugleich wächst der Wettbewerbsdruck: Während X regelmäßig durch Kontroversen auffällt, verschiebt sich die Nutzung zu anderen Plattformen. Threads ist auf vielen Smartphones bereits präsenter als X, und auch Bluesky verzeichnet immer mehr Zulauf.



Hier hat Threads X überholt:
Daten zeigen Power Shift

Threads und X auf dem Smartphone
© Panos Sakalakis – Unsplash

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