Datenschutz

Studie: Konsumenten haben von Datenschutz keine Ahnung

Nutzer wollen mehr Datenschutz. Doch kaum einer setzt sich ernsthaft mit dem Schutz seiner Daten auseinander – eine erschütternde Studie.

Image courtesy of Stuart Miles / FreeDigitalPhotos.net

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Konsumenten über Nutzung persönlicher Daten besorgt

Eine aktuelle Studie der Firma SDL, spezialisiert auf Analyse Software im Bereich Marketing, zeigt auf Basis einer umfassenden Umfrage unter 4.000 Konsumenten in den USA, Großbritannien und Australien die Sensibilität – aber auch eine gewisse Unkenntnis – von Konsumenten beim Thema Datenschutz auf.

So sind rund 62 Prozent besorgt, dass ihre persönlichen Daten für Marketing-Zwecke genutzt werden, wobei sogar 74 Prozent von Verbraucherschützern erwarten, dass diese die Überwachung der Unternehmen hinsichtlich der Verwendung von Nutzer- und Kundendaten übernehmen. Dabei völlig vergessen wird offenbar…

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  1. dass jeder Konsument im Alltag ständig einwilligt, dass seine Daten verwendet werden,
  2. dass jeder Konsument für Marketer nur aufgrund des Profils, aber nicht aufgrund der Person selbst interessant ist,
  3. dass kaum ein Konsument eine Vorstellung davon hat, was wirklich gemeint ist, wenn man von der Verwendung persönlicher Daten für Marketing-Zwecke spricht.

Doch was tun die Nutzer für ihren eigenen Datenschutz? Offenbar wenig: 72 Prozent der Nutzer verwenden keine “Do not Track”- oder Inkognito-Features – über die Gründe, Gleichgültigkeit oder Unkenntnis, darf gerne spekuliert werden. Dazu später mehr.

In der Koexistenz mit Unternehmen – keine Nutzung erwünscht

Ebenfalls kritisch sehen Konsumenten die Verwendung von WiFi-basiertem Instore Tracking durch Händler. Hier geben 76 Prozent an, sich dabei nicht wohl zu fühlen – laut Studie zumeist, weil ihnen der Nutzen des Ganzen nicht klar ist. Auch hier schimmert wieder durch: Offenbar ist es weniger die eigentliche Erhebung und Nutzung von Daten, sondern vielmehr die Unkenntnis darüber, wieso und wofür diese Daten erhoben werden, die den Nutzer wirklich stört.

Auch sind 55 Prozent der Nutzer nicht damit einverstanden, auf Basis vorangegangener Käufe in der Zukunft daraufhin Empfehlungen zu erhalten. Dass erstens der Erfolg den Marketern an dieser Stelle recht gibt und zweitens alleinstehende Männer in einer Ein-Zimmer-Wohnung im Alter von Anfang 20 nach dem Kauf von drei Ego-Shootern wohl eher keine Empfehlungen für Baby-Bekleidung wünschen, sei hier mal nur am Rande bemerkt.

Doch welche Daten sind Nutzer denn überhaupt bereit, von sich preiszugeben? Besonders populär: Geschlecht, Geburtsdatum und Beziehungsstatus. Interessant: Die Briten geben ihre Daten grundsätzlich ungerne bekannt.

Doch was passiert eigentlich mit den persönlichen Daten? Wie lange werden sie gespeichert und wo? Wofür werden sie verwendet? Fragen, die eine Datenschutzerklärung erklären könnte – 65 Prozent der Befragten interessieren sich allerdings auch unmittelbar vor einem Online-Einkauf nicht dafür.

Zusammengefasst: Gleichgültigkeit, Desinteresse, Unkenntnis

Doch wie stehen Verbraucher nun zur Thematik? Grundsätzlich sind sie erstmal gegen die Erhebung und Nutzung ihrer persönlichen Daten, lassen sich diese allerdings gerne gegen entsprechende Mehrwerte entlocken. Obwohl gerade im Zusammenhang mit der NSA-Affäre die Rufe nach (noch) mehr Datenschutz immer lauter werden, hat dies nicht dazu geführt, dass Nutzer ihre persönlichen Daten auch nur im Ansatz zu schützen bemüht sind.

Die komplette Studie kann hier nachgelesen werden.

Was ist für euch die “Verwendung persönlicher Daten für Marketing-Zwecke”? Die E-Mail nach dem Warenkorbabbruch? Oder auch schon die Feststellung, dass 20 Prozent der Kunden aus dem Raum Berlin kommen? Und welche Erfahrung habt ihr mit Nutzern gemacht, die immer mehr Datenschutz wollen, aber eigentlich keine Ahnung davon haben?

Über Atilla Wohllebe

Atilla Wohllebe

Atilla Wohllebe berichtet für OnlineMarketing.de über aktuelle Entwicklungen der Branche mit Fokus auf Webanalyse, SEO und Datenschutz. Parallel zu seinem Studium zum Master of Science in E-Commerce an der FH Wedel ist er im Bereich E-Mail Marketing Consulting tätig.

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