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Skandal: Massiver Betrug an Publishern bei Google AdSense?

[UPDATE: Statement von Google] Ein Ex-Google Mitarbeiter berichtet über massiven Betrug an AdSense Publishern. Ein handfester Skandal.

© zagandesign - Fotolia.com

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Ehemaliger Google AdSense Mitarbeiter berichtet

Es könnte der bisher größte Skandal in der Unternehmensgeschichte von Google sein: Wie ein ehemaliger Google Mitarbeiter bei pastebin.com berichtet, soll der Suchmaschinenriese seit 2009 in seinem Display Advertising Programm Google AdSense gezielt die Accounts von Publishern bannen, die kurz vor ihrer nächsten, besonders hohen Auszahlung stehen.

Der Ex-Mitarbeiter stellt die Informationen auf pastebin.com offenbar aus allererster Hand zur Verfügung:

Anzeige:

My position was to deal with AdSense accounts, more specifically the accounts of publishers (not advertisers). I was employed at Google for a period of several years in this capacity.

Gezieltes Sperren von umsatzstarken Accounts vor Auszahlung

Begonnen haben sollen die gezielten Sperrungen als eine Maßnahme, um die scheinbar doch weniger rosige finanzielle Situation des Konzern aufzuhübschen. In einem langen Meeting im ersten Quartal 2009 wurde verkündet, von nun an extreme Qualitätssicherung bei AdSense Publishern durchzuführen:

So they were going to (in their words) „carry out extreme quality control on AdSense publishers“.

Die erste große Ban Welle soll bereits im März 2009 durchgeführt worden sein, wobei laut dem ehemaligen Mitarbeiter nicht einfach nur Publisher Accounts mit besonders hohen Umsätzen, sondern die Accounts erst kurz vor dem nächsten Auszahlungstermin gesperrt wurden, um die Werbung auszuspielen, also die Gebühren dafür kassiert zu haben, nun aber eben die entsprechende Entlohnung zu umgehen. Als Grenze für relevante Accounts werden 5.000 US Dollar genannt:

We were told to go and look into the publishers accounts, and if any publisher had accumulated earnings exceeding $5000 and was near a payout or in the process of a payout, we were to ban the account right away and reverse the earnings back.

Einführung sogenannter „Qualitätssicherung“ zur Rechtfertigung

Über die Jahre soll so eine systematische Qualitätssicherung entstanden sein, um noch effektiver zu sparen: Die Publisher Accounts seien dazu in eine rote, eine gelbe, eine blaue und eine grüne Gruppe unterteilt und so priorisiert worden.

So sind Publisher Accounts mit mehr als 10.000 US Dollar zum Beispiel in die rote Gruppe sortiert worden, wobei „urgent attention required“ erforderlich sei. Konkret heißt das laut dem Ex-Mitarbeiter, dass sofort nach irgendwelchen Gründen für eine Sperrung des Accounts zu suchen und diese durchzuführen sei, allerdings dem Publisher in der Regel nicht mitgeteilt werden muss.

Die grüne Gruppe wird mit „VIP Status“ beschrieben: Ihr würden Accounts von Firmen und Personen zugeordnet, die als unantastbar unter den Mitarbeiter gelten, da sie Google durch Wissen oder Rechtsschritte erheblichen Schaden hinzufügen könnten.

Update: Leider lässt sich nicht feststellen, ob der Initiator des Skandals wirklich ein ehemaliger Google-Mitarbeiter ist oder nur ein enttäuschter Adsense-Publisher. Sicher ist der Vorwurf stark übertrieben und kann nicht als generelle Strategie von Google Adsense angesehen werden. Dennoch lässt sich feststellen, dass Google in den letzten Jahren immer härter gegen Adsense-Publisher vorgegangen ist, die qualitativ schwachen Traffic liefern. Das ist nicht zuletzt auch im Sinne der Advertiser vernünftig. Und mit dieser Strategie würde Google auch kaum Umsätze langfristig verlieren, da die meisten gesperrten Publisher sehr bald nach ihrer Sperrung mit verbesserter Qualität zurück zum Quasi-Monopolisten Google gekrochen kommen.

Der komplette Leak kann hier nachgelesen werden.

***Update*** Google bestreitet die Vorwürfe vehement

Als „complete fiction“ bezeichnet Google die Ausführungen des mutmaßlichen Ex-Mitarbeiters laut The Next Web. Die verschiedenen Farbcodes seien nicht existent und auch die „extreme Qualitätssicherung“ nur ein Hirngespinst. Das Team von AdSense arbeite wie die automatischen Systeme rund um die Uhr, um Publisher, Advertiser und Nutzer zu beschützen.

Google verweist weiterhin auf die Nutzungsbedingungen und Policies von AdSense, die entsprechende Account-Sperrungen der Publisher legitimieren und bei Verletzungen der Regeln auch notwendig machen. In diesen Fällen erfordere es eine schnelle Reaktion seitens des Teams – die Kosten der Advertiser erstatte der Konzern.

Wurde euer AdSense Publisher Account ebenfalls schon mal gesperrt – und wenn ja, vor allem, wann, warum und wie viel Geld habt ihr dadurch verloren? Überrascht euch das Vorgehen von Google?

20 Gedanken zu „Skandal: Massiver Betrug an Publishern bei Google AdSense?

  1. Marcel.k

    Hallo leider wurde ich von adsense gesperrt kurz vor meine Auszahlung 5300€ letzten Monat sollte diesen Monat am 21.11.14 überwiesen werden so am 19.11 bekamm ich ein mail ihr adsense Konto wurde deaktiviert begründung nichts konkretes s“Leider können wir Ihnen nur beschränkt Informationen zu Ihrem Verstoß gegen die Richtlinien mitteilen. Möglicherweise wünschen Sie weitere Informationen über Ihre Kontoaktivitäten. Zum Schutz unserer firmeneigenen Erkennungssysteme können wir jedoch keine weiteren Angaben in dieserHinsicht machen.“ so jetzt sind 5300€ weg plus 3000€ diesen Monat 8300€ Tschüß haha was sagt ihr dazu?

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  2. Matthias

    Ich kann dazu nur sagen, das Google AdSense zu einem Massenanbieter geworden ist, den man kaum noch kontrollieren kann. Ich hatte früher einen Account, der wegen Unstimmigkeiten gesperrt wurde. Diese angeblich „falschen“ Klicks wurden jedoch von einem Dritten verursacht, über den ich Traffic bezog und von dem ich mich folglich trennte.

    Sowas kann passieren. Und das wirklich dumme an der Sache war, das man den AdSense-Support nicht erreichen konnte. Telefonisch unmöglich und E-Mails wurden einfach ignoriert. Diese absolut fehlende Bereitschaft, bei Problemen eine Lösung zu finden, ist meiner Meinung nach einfach nur dumm. So vergrault man vermutlich viele Kunden. Ich jedenfalls habe jetzt woanders sehr viel besseren Service und bin auf AdSense nicht angewiesen :)

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  3. Micha

    Dass Google immer härter gegen (scheinbar) ungültige Klicks vorgeht ist doch auch nachvollziehbar – schließlich gibt es immer wieder Publisher, die versuchen, das System zu hintergehen und zum eigenen Vorteil auszutricksen. Bei der Menge an Publishern kann ich mir gut vorstellen, dass es da auch einige Kollateralschäden gibt.

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  4. Marko

    Google hat absolut kein Interesse Publisher zu sperren. Wenn Google wirklich in dem Bereich sparen will, können sie einfach die Provisionierung runterschrauben. Soviel ich weiss zahlt Google über AdSense von Anfang an 50% an den Publisher. Die können hier auf 40% runtergehen ohne Angst zuhaben das man abspringt, weil nicht wirklich grosse Konkurrenz da ist.

    @jens „Eine Reduzierung des Fremdinventars führt zu vermehrten Buchungen auf google-eigenen Properties.“
    Diese Aussage ist sowas von verkehrt! :)
    Sagen wir mal Google besitzt 99% des Internets und ich besitze 1% und lasse Google auf meinen Seiten auch Werben. Das ist definitiv ein Mehrwert für Google. Google ist sich das bestens bewusst und vergütet die AdSense Publisher dementsprechend gut.

    Ausserdem wär ich mit einem Test-Projekt letztes Jahr, nach dieser Theorie in einer (Dunkel-)Roten Gruppe. Die hatten x Gründe gehabt mich da rauszuschmeissen und haben es nicht gemacht. Deshalb halte ich das Ganze für Schwachsinn… ist meine Meinung.

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  5. Benjamin

    Ehrlich gesagt bezweifle ich auch sehr stark das an der These etwas dran ist. Gerade weil eben die Großverdiener bei Adsense, sowohl für Google als auch für die Advertiser ja bares Geld bedeuten. Und die eingebauten Filter seitens Google filtern so wieso automatisch schon „klickbetrug“ und „ungültige Klicks“ raus. Wegen ein paar derartigen Klicks wird noch keiner gesperrt, da bin ich mir sicher. Mir ist es selber ab und an passiert, dass ich auf die Werbung bei mir geklickt habe, aber habe dann immer direkt ne Mail an Adsense geschickt mit ner „Selbstanzeige“ quasi und das wurde immer gern gesehen, vermutlich hab ich einen dieser grünen Accounts ;)

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  6. Jens

    > inerseits hat Google tatsächlich wenig davon, große Publisher zu sperren,
    > die Monat für Monat gute Umsätzen (und damit auch Gewinne bringen).

    Doch! Eine Reduzierung des Fremdinventars führt zu vermehrten Buchungen auf google-eigenen Properties. Außerdem bremst man damit den Verfall der CPCs. Der Flaschenhals sind ja nicht die Publisher, sondern die Advertiser.

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  7. AS

    Die meisten Publisher melden sich doch wieder an. Mit anderem Konto usw.
    Selber gemacht, mit der selben Domain.
    Komischerweise wird dann nichts mehr gesperrt.

    Da ich auch ein Kunden AdWords Konto betreue, hatte ich bis 2012 noch nie eine Zurückzahlung erhalten. Erst seit ein paar Monaten wird ab und zu kleine Beträge gutgeschrieben.

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  8. OnpageDoc

    Wenn die Google-Konten dann dauerhaft geschlossen bleiben, hätte doch Google rein gar nichts davon, da sie doch im nächsten Monat wieder daran verdient hätten. Es ist doch davon auszugehen, dass jeder, dem der Account gesperrt wird, Adsense auf seiner Seite entfernt.
    Ob Google wirklich das Risiko eines möglichen Mega-Shitstorms eingeht, nur um einmalig abzukassieren, wage ich zu bezweifeln. Wirtschaftlich gesehen hätten sie doch langfristig auch nicht wirklich viel davon. Wahrscheinlich ist das einfach nur ein verärgerte Ex-Mitarbeiter.
    Das bei Alexander Faßbender in dem oberen Kommentar, könnte ich mir schon eher vorstellen. Das wäre allerdings ne harte Nummer.

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  9. Ronny

    Kommt mir alles bekannt vor. Also auch aus den Kommentaren. Vor circa 3 Jahren hatte ich das selbe Problem mit einem Projekt und da ging es auch „nur“ um ca. 120 Euro, die kurz vor der Auszahlung als Betrug deklariert wurden. Konto gesperrt, Standard-Antwort als Rechtfertigung. Und Schluß. Aktuell teste ich Adsene mit einem anderen Projekt wieder. Interessant hier: die aktuellen Tageseinahmen werden binnen Stunden manchmal auch wieder nach unten korrigiert. Ich hatte bspw. zu einem Zeitpunkt erst 1,35€ und eine Stunde später plötzlich wieder 0,90€ Einnahmen. Natürlich habe ich nicht auf meine Anzeigen geklickt und daher stellt sich mir die Frage, was Google da „korrigiert“ ;-)

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  10. CBS

    Irgendwie passt die Überschrift nicht zum Beitrag. Wer betrügt hier also wen? Es klingt im Beitrag eher so, als würde Google mehr oder weniger grundlos Publisher um ihre Auszahlung zu prellen, als dass die Publisher massiv Klickbetrug begingen. Insgesamt finde ich, dass ihr das Thema hier etwas zu sehr aufbauscht. Klickbetrug an sich ist ein permanentes Problem seit Jahren in allen PPC-Channels. Dass die Anbieter / Vermarkter / Agenturen davon (kurzfristig) profitieren und die Advertiser oft auf dem Schaden sitzen bleiben, ist auch keine Neuigkeit. Außerdem stimme ich Bastian Ebert zu, die Story hat doch noch einige Lücken. Eine tiefere Recherche wäre sinnvoll gewesen, statt wieder nur aus einer US-Quelle abzuschreiben.

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  11. AS

    Hallo Bastian,
    ich glaube kaum, dass Google diese Beträge wieder zurückbezahlt.
    Erstelle mal eine Kampanage auf ein Fanatsie Keyword.
    Melde dich unabhänig als Publisher für dieses Keywords an (Anderer Account). Klicke so oft drauf, dass du gesperrt wirst. Schaue, ob du als Kunde das Geld je zurück bekommst.
    Was meinste wohl was passiert?

    Die Ganze Thematik hatte ich bereits im Jahr 2007.

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  12. tom

    PFFF..Das ewige Spiel der click2maten ./. clickautomaten. Gewinner: Google! Alles völig normal und mit den „Schiri“ Regeln gedeckt :-)

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  13. Nick

    Bei mir war es vor 3 Jahren …
    Begründung: Klickbetrug!

    Ich habe Anzeige gegen unbekannt erstattet und Google das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Dann ging alles ganz schnell. Account wurde wieder geöffnet und Geld ausgezahlt.

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  14. Wieser Franz

    es ging um 70 Euro summe, vor ca 2 Jahren (und ich war auch damals nicht der einzige fall) aber auch das wurde durch klicks verdient, und das argument war für das letzte Monat es wird klickverfäschlung vermuttet, da die klick gegenüber vormonat um 25 % gestiegen sind, ja von 7 auf 9, das ich durch log mehr klicks überhaupt registriert hatte als berechnet wurde, ärgert schon lange damals nicht mehr, was sollte man da tun und durch die sperre war auch keine emial mehr an google support möglich, es waren nur 70 euro, aber für unsere Vereinidee war selbst diese Beitrag sehr viel wert.

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    1. Alex

      Stimmt. Ich stand auch vor der Summe mit 70€ (genau 68,xx) und mein Account war seit drei Monaten nicht aktiv, danach die Meldung per Mail. Ich habe es erst für Witz(Spam) gehalten, da die Mail unformatiert ankam..

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  15. mafu

    Wurde auch 2 Tage vor der Auszahlung gesperrt … ebenfalls auf Nachfrage nur eine Basic-Antwort „Wir haben das geprüft, Sperrung war richtig“

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  16. Bastian Ebert

    Wie plausibel ist die Meldung?

    – einerseits hat Google tatsächlich wenig davon, große Publisher zu sperren, die Monat für Monat gute Umsätzen (und damit auch Gewinne bringen). Selbst ein Einmaleffekt aus einem Monat zurückgehaltenere Auszahlung dürfte den Effekt von mehreren Monaten kontinuierlichen Einnahmen nicht wett machen.

    – behält Google in der Regel die Gebühren aus solchen Sperrungen nicht ein sondern zahlt sie an die Werbetreibenen zurück (Gutschrift für ungültige Aktivitäten)

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  17. AS

    Ja, ja, die lieben Google Leute.
    Und die tolle Firma hält sich nicht einmal an ihre eigene Richtlinien.
    Tue nichts böses.
    Habe es eigentlich nie anders erwartet.

    Jeder sollte einmal ungültige Klicks auf Google Anzeigen wie AdWords klicken.
    Mal schauen, ob Google sich dann selber sperrt?

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  18. Volker Schimo

    Mich haben sie auch mit falschen Unterstellungen gesperrt. Auf Nachfrage weshalb, wurde nie persönlich geantwortet!

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