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Umsatz dank Bots: Jedes Unternehmen bald mit eigenem Chatbot im Facebook Messenger?

Ausgewählte Unternehmen entwickeln bereits jetzt eigene Chatbots, die die Kundenkommunikation und Verkäufe dank künstlicher Intelligenz via Messenger unterstützen.

© Flickr / Michael VH, CC BY 2.0

© Flickr / Michael VH, CC BY 2.0

Das Zuckerberg-Netzwerk stellt ausgewählten Partnern unter dem Radar ein Software Development Kit zur Verfügung, mit dessen Hilfe sie eigene, interaktive Bots für den Facebook Messenger entwickeln können. Die Chatbots sind einerseits eine vielversprechende Gelegenheit für das Marketing und eröffnen innovative Chancen für die Kundenkommunikation sowie den Vertrieb. Andererseits bindet Facebook damit die Unternehmen weiter eng an den eigenen Kosmos.

Künstliche Intelligenz für alle

Mark Zuckerberg investiert seit Jahren in AI und kündigte bereits auf der hauseigenen Developer Conference F8 im vergangenen Jahr an, dass der Messenger zukünftig zu einer dominanten Plattform ausgebaut werden soll, die mehr als nur die Kommunikation zwischen zwei Usern übernimmt. Weg von der reinen App, die Menschen auf sprachlicher Ebene miteinander verbindet, möchte Zuckerberg Raum für Unternehmen schaffen, denen völlig neue Möglichkeiten offen stehen. Dabei kommt hier der künstlichen Intelligenz eine besondere Rolle zu.

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Die Idee von interaktiven Bots, die im Chat kontaktiert werden und in Echtzeit antworten, wurde laut. Uber war einer der ersten Testpartner des großangelegten Projekts.

Uber on MessengerPosted by David Marcus on Mittwoch, 16. Dezember 2015

Josh Constine, Editor-At-Large für TechCrunch, hat nun dank Quellen direkt aus dem Projekt Einsicht in den Entwicklungsstand des Messengers und wartet mit interessanten Details auf. Unter der Oberfläche geht Facebook demnach weit über die künstliche Intelligenz „M“ hinaus, die im Messenger Anwendung findet und vom eingekauften Tech-Unternehmen Wit.ai stammt.

Die Entwickler haben ein Chat SDK entworfen, das Unternehmen in die Lage versetzt, sich ihren eigenen Bot zu kreieren. Dank der Tools feilen ausgewählte Partner derzeit an Programmen, die auf Nachrichten von Nutzern reagieren und Informationen, Bilder, Kaufangebote und ähnliches zurückschicken. Wie bei Uber sind die selbstprogrammierten Bots immer verfügbar und antworten in Echtzeit unter der Einbindung interaktiver Steuerelemente wie beispielsweise einer Karte oder bestimmter Keywords. So lassen sich zum Beispiel Preise erfragen, Zimmer reservieren, Waren bestellen oder Flüge kaufen, ohne dass ein Mensch ins Spiel kommt.

Die ambitionierten Pläne Zuckerbergs

Der Shift hin zum Ausbau des Messengers kommt nicht unerwartet. Mobile und Kommunikation sind naturbedingt eng miteinander verknüpft. Contantine schreibt dazu auf TechCrunch:

On the web, keyword search was the core of the experience. But on mobile, it’s become clear that chat is where people spend most of their time. That makes winning the messaging war both a requirement and an opportunity for Facebook.

Bislang übernehmen Apps der jeweiligen Firmen die Funktion, die der Messenger nun anstrebt. Eine „All-in-One-Lösung“ erscheint auf den ersten Blick aus User-Sicht praktisch.

Falls das Experiment funktioniert und das SDK für alle zugänglich wird, ist die Frage, welche Chancen und Gefahren dies mit sich bringt. Manche Unternehmen könnten auf die Entwicklung einer eigenen App verzichten, sparen so Entwicklungs- und Vermarktungsbudget und profitieren von dem Angebot. Anderen, die darauf verzichten, macht der Messenger eventuell ein Stück vom Kuchen streitig – nicht zuletzt auch Facebook selbst.

At first it might seem odd that Facebook would help developers build Messenger bots that might compete with its own hybrid human/AI assistant. But one of the big goals of M is to differentiate Messenger as a chat app with super powers, and make it what people want to use for everyday communication instead of SMS or other competitors.

Der Journalist David Rowan beschäftigte sich für das WIRED Magazin vor einiger Zeit ebenfalls ausgiebig mit dem Messenger Universum. Dabei kam auch Arthur Gerigk, Global CMO von Rocket Internet, zu Wort und machte seine Einschätzung zum Facebook Messenger deutlich:

In the past, people were spending their time on Facebook, on blogs, reading – now they’re in messaging apps. A company that wants to acquire customers has to be present. If you’re missing messaging apps, you’re missing a huge amount of reach. You have to understand that you don’t control things like you do on a website – you can’t simply show a banner or choose a keyword or spam people. You have to build up an audience.

Die Bots könnten dabei helfen, diese Zielgruppe aufzubauen. Julien Codorniou, Facebooks Director of Global Platform Partnerships, ist von Zuckerbergs Plänen mehr als überzeugt:

Messaging apps is a business where the daily retention is 50 to 60 per cent. Everybody wants to be in that business. […]  One day, there will be companies built on Messenger, and we are at the beginning of that ecosystem. We launched at F8 mainly with expression apps like Giffy, Boostr and Legend. But that’s the first generation. It’s going to touch companies in e-commerce, utilities, travel, dating – I’m interested in every app. Our ambition is to fuel the growth of these companies. Nobody pays for the clicks they get on Messenger.

Keiner zahlt für Klicks, doch Facebook hat sich sicherlich Gedanken über die Monetarisierung gemacht. Wir sind gespannt auf Neuigkeiten von Zuckerberg aus diesem Bereich.

Was sagt ihr zu dieser Entwicklung? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Quellen: TechCrunch, WIRED

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