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„We want it all” – das Ende des Datenschutz-Paradoxons

„We want it all” – das Ende des Datenschutz-Paradoxons

Ein Gastbeitrag von Kolja Brosche | 22.11.21

Dass der digitale Werbemarkt vor einem bedeutenden Umbruch steht, ist allseits bekannt. Wie durchschlagend die Auswirkungen sein werden, wissen allerdings die wenigsten.

Im Großen und Ganzen basiert das Wirtschaftsmodell des Internets und der mobilen Anwendungen bisher auf einem stillschweigenden Austausch von Werten zwischen Anbieter:in und Nutzer:in. Dieses Modell hat zahlreiche kostenlose und werbefinanzierte Inhalte und Dienste ermöglicht. Jetzt wird es allerdings zunehmend in Frage gestellt und fällt seiner Doppeldeutigkeit zum Schicksal. Verschiedene Beobachter:innen hatten bereits auf das „We want it all“-Paradoxon in Bezug auf den Datenschutz hingewiesen, bei dem die User einerseits an den kostenlosen Inhalten hängen, andererseits aber auf ihre Privatsphäre bestehen. In einer Ende 2019 veröffentlichten Studie des Pew Research Center gaben 81 Prozent der Befragten an, dass die mit der Datenerfassung verbundenen Risiken die Vorteile überwiegen. Mit anderen Worten: Der Austausch von Werten, der den Ursprung des Wirtschaftsmodells und die weitere Entwicklung des Internets ausmacht, hat seine Gültigkeit verloren.

Zumindest legen dies die unlängst getätigten Ankündigungen einiger der renommiertesten Digital Player nahe – zum Beispiel in Bezug auf das Aus der Third Party Cookies oder das Thema App-Tracking-Transparenz. Ebenso haben laut einer Studie von Flurry Analytics seit der Aktualisierung auf iOS 14.5 im Frühjahr 2021 rund 88 Prozent der iPhone-Nutzer:innen weltweit das Tracking von Anwendungen blockiert. Die aktuelle Entwicklung beseitigt demnach den Graubereich, in dem sich die Nutzer:innen mehr oder weniger bewusst versteckt haben: Jetzt können sie nicht mehr behaupten, sie wüssten nichts von ihrer Datenauswertung, da Apple sie ausdrücklich um ihre Zustimmung bittet.

Zwei Möglichkeiten stehen zur Wahl – die Zeit zu handeln ist jetzt

Folglich gibt es für die Produzent:innen von Internetinhalten und die Entwickler:innen mobiler Anwendungen zwei Möglichkeiten. Die erste besteht darin, zu kostenpflichtigen Modellen überzugehen. User würden in diesem Fall die Kosten für die Dienste und die verweigerte Datennutzung tragen. Dieses Modell hat den Vorteil, dass es eine klare Bemessungsgrundlage für die Bereitstellung schafft: Entweder die Nutzer:innen messen der angebotenen Leistung den entsprechenden Wert zu und zahlen oder eben nicht. Hier ist jedoch offensichtlich, dass dadurch zahlreiche Inhalte verschwinden würden, weil viele User nicht bereit sind, morgen für etwas zu zahlen, das sie heute scheinbar noch umsonst bekommen.

Der zweite Lösungsansatz wäre die Nutzer:innen so in die Wertschöpfung einzubeziehen, dass kostenlose Dienste erhalten bleiben und gleichzeitig der Datenschutz gesichert ist. Dies setzt voraus, dass ein deutlich transparenterer Austausch von Daten zwischen den Anbieter:innen von Inhalten und den Nutzer:innen erfolgt.

Letztlich ist es also möglich, ein durch digitale Werbung finanziertes Wirtschaftsmodell aufrechtzuerhalten – sofern Transparenz und Achtung der Privatsphäre absolute Priorität genießen. So können mehrere Modelle gleichzeitig existieren, wobei es dem Internet User am Ende überlassen bleibt, wie er die eigenen Daten nutzt oder welchen Preis er für den Zugang zu Diensten und Informationen zu zahlen bereit ist. Der derzeit ungewisse Status quo stellt jedenfalls keine Option dar. Anbieter:innen von Inhalten müssen sich folglich baldmöglichst entscheiden, ob sie ihr Modell in die eine oder andere Richtung weiterentwickeln möchten.


Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit LiveRamp entstanden und wurde vom Unternehmen selbst angefertigt.

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