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TikTok: Versagt die Plattform im Kampf gegen Kindesmissbrauch?
© Solen Feyissa

TikTok: Versagt die Plattform im Kampf gegen Kindesmissbrauch?

Caroline Immer | 02.11.20

TikToks Zero Tolerance Policy gegen Grooming und Sexualstraftäter scheint in der Praxis nicht immer zu greifen. Dies beweist der Fall einer Journalistin, welche sich auf der App als 14-Jährige ausgegeben hatte, um Straftätern auf die Schliche zu kommen.

TikTok zieht vor allem junge Zielgruppen an – dazu gehören auch Minderjährige. Doch wie sicher ist die App für Kinder und Jugendliche? Eine Nachforschung von Panorama, einem Dokumentarfilmprogramm der BBC, zeigt nun auf, dass die Plattform in puncto Sicherheit und Kindesschutz noch deutlichen Nachholbedarf hat. Im Rahmen der Untersuchung gab sich eine 23-jährige Journalistin als 14-jährige Schülerin aus und postete Videos von sich selbst auf der App, in denen sie tanzte oder andere populäre Trends nachmachte.

Trotz der expliziten Altersangabe von 14 Jahren im Profil folgten dem Account bald eine Reihe älterer Männer. Darüber hinaus erhielt die Journalistin sexuell anzügliche Nachrichten eines 34-jährigen Mannes. Trotz ihrer Meldung des Accounts sowie der Weiterleitung der besagten Nachrichten an TikTok war das Konto des Mannes auch nach drei Tagen noch nicht gelöscht. Erst nachdem Panorama die Plattform abermals kontaktierte, wurde der Account von der Plattform verbannt.

Sicherheitsmaßnahmen bieten keinen ausreichenden Schutz

Laut TikTok tue die Plattform alles in ihrer Macht stehende, um die App so sicher wie möglich zu halten. So sagt ein Sprecher von TikTok:

We have a dedicated and ever-growing expert team of over 10,000 people in 20 countries, covering 57 languages, who review and take action against content and accounts that violate our policies.

Dennoch scheinen die Maßnahmen nicht immer ausreichend zu sein. Zwar können User, welche angeben, unter 16 Jahre alt zu sein, keine Direktnachrichten empfangen oder versenden. Doch viele der jungen Nutzenden geben ein falsches Alter an, um dies zu umgehen. Auch der automatische Vorschlag an minderjährige User, einzuschränken, wer ihre Videos sehen kann, wird oftmals ignoriert. Zwar können Eltern die App mithilfe des begleiteten oder eingeschränkten Modus etwas sicherer für ihre Kinder gestalten. Dennoch ist es erschreckend, wie wenig die Maßnahmen der Plattform zu greifen scheinen, und dass auf Meldungen wie jene von Panorama derart verzögert reagiert wird.