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Das Netflix-Budget: Tötet Geld die Kreativität?

Das Netflix-Budget: Tötet Geld die Kreativität?

Toni Gau | 02.01.20

Mit Disney+ auf dem Vormarsch muss Netflix einige Sparmaßnahmen vollziehen. Bedeutet dies das Ende von kreativem Content?

Bisher dominierte Netflix gnadenlos den Markt der Streaming Services, doch mit vielversprechenden Alternativen wie Disney+, hat der Video on Demand-Titan nun erstmalig wirklich zu kämpfen. Dabei muss dieser sich Folgendes eingestehen: Eventuell war man zu großzügig mit den Ausgaben, weshalb Netflix nun einen Sparkurs anvisiert, wie auch The Information berichtet. Eine grundsätzlich sinnvolle Maßnahme, welche nun allerdings einige Fans diverser Serien sehr bedrückt hinterlassen wird. Doch woran liegt das und was hat der Streaming Service vor?

Vorsicht mit dem Budget

Die Meldung, dass Netflix sparsamer sein möchte, ist schon länger bekannt. Bereits im Juni mahnte Content Chief Ted Sarandos, der Streaming-Dienst müsse nun bewusster mit seinem Einkommen umgehen. Kommende Konkurrenten würden mit großartigen Angeboten auf sich warten lassen – und diese sollte man nun nicht unterschätzen. Schließlich darf Disney+ das gesamte Marvel-Universum, Star Wars, jegliche Disney-Filme oder auch die Simpsons in seinem Repertoire vereinen, um ein paar Beispiele zu nennen. Exklusiver Content, auf den Netflix keinen Zugriff mehr hat. Was ist hierauf die beste Antwort? Genau, exklusiver Content – und um diesen mit einer bestimmten Konstanz zu produzieren, bedarf es einer regulären Produktion von diesem. Ein Prozess, bei dem kein Raum für exzessive Ausgaben ist.

Sarandos zufolge müsse eine Serie oder ein Film im Opftimalfall kosteneffektiv sein. Sprich sollte eine hauseigene Netflix-Produktion sich selbstständig rentieren; wenn diese keine Vielzahl an Zuschauern lockt, wird sie dementsprechend schlichtweg nicht produziert. Das ist für sich erst einmal keine unübliche Praxis – in Hollywood greift dieses System schon seit Jahren. Doch war Netflix bis dato so unangefochten an der Spitze, dass es durchaus toleriert wurde, wenn ein Film oder eine Serie keine entsprechenden Ergebnisse darbot. War nicht lange Zeit eine Mnemonik seitens Netflix: „Hollywood is broken and we are going to fix it“? Einfach gesagt: Man konnte sich es leisten – doch ist das nun vorbei, wenn man weitergehend mithalten möchte.

Zwei Staffeln und Ende

Eine Praxis der Kosteneffizienz, auf welche Netflix nun als Sparmaßnahme zurückgreifen möchte, wird diverse Fans von einer Vielzahl an Serien allerdings überaus enttäuscht zurücklassen. In der Regel rentiert es sich nämlich nicht, eine Serie über die zweite Staffel hinaus zu produzieren. Ab diesem Zeitpunkt lockt diese nämlich kaum neue Zuschauer und Showrunner verlangen im Schnitt nach zwei Jahren eine Gehaltserhöhung. Nur wenige gigantische Erfolge des Streaming Services dürfen sich hierbei über Ausnahmen freuen, nicht umsonst geht Stranger Things nun in die vierte Staffel, doch ist es schlichtweg lohnenswerter, eine Serie nach zweien zu beenden und neue Projekte zu starten. Dementsprechend viele fragen sich nun, ob Geld die Kunst einzuschränken vermag.

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Gleichermaßen muss man hierbei insofern relativieren, dass zwar weniger Staffeln zu einzelnen Serien kommen, doch mehr Serien insgesamt. Das Grundkonzept scheint hierbei auch zu funktionieren – so darf Netflix sich aktuell wieder über einen kleinen Hype freuen aufgrund der neuerschienenden Serie „The Witcher“. Allgemein hat Netflix dieses Jahr beeindruckenden Content dargeboten: Stranger Things, Umbrella Academy, Klaus, Haus des Geldes und auch The Chilling Adventures of Sabrina. Alles hervorragende Serien, doch wäre es nicht schade, wenn all diese nach der zweiten Staffel bereits ihr Ende fänden? Natürlich hinterlässt dies einen sauren Beigeschmack bei Fans eben dieser. Genauso besteht hierbei das Problem, dass nicht alle Serien Netflixs so hochwertig sind wie die oben genannten. Zu oft kommen hierbei mittelmäßige Produkte zustande, die man sich vielleicht an einem Freitagabend anschaut, um etwas Zeit totzuschlagen und diese letzten Endes zu vergessen. Damit konkurriert man nicht.

Eine sinnvolle Maßnahme?

Natürlich ist die Grundidee des Streaming-Giganten plausibel. Wenn dieser exklusiven Content mit exklusivem Content bekämpfen möchte, muss dieser wie gesagt allerdings auch qualitativ hochwertig sein. Um einen Freund von mir zu zitieren: „Es gibt nichts Schlimmeres als einen mittelmäßigen Film. Über einen schlechten kann man immerhin noch lachen“. Das ist ein Problem, welchem Netflix sich eventuell stellen muss, denn sofern zwar exklusiver Content folgt, dieser allerdings konsequent weder besonders gut noch schlecht ist – und wenn man einen Blick auf die Historie diverser Streaming-Dienste wirft, darf man feststellen, dass dies zurzeit durchaus der Fall ist – dann kann man auch nicht anständig konkurrieren. Wenn die Serien zusätzlich kein adäquates Ende darbieten, da sie nach zwei Staffeln abrupt eben dieses finden, kann das gleichermaßen an der Reputation des Streaming Services nagen, da man sich nun sagt: „Warum sollte ich mir Netflix Content anschauen? Der taugt nichts!“. Quantität greift hier keineswegs über Qualität – und das muss Netflix im Hinterkopf behalten. Eine Balance zwischen Sparmaßnahme und hochqualitativen Content ist hierbei von höchster Wichtigkeit, denn dass der Streaming Service kein Geld im Exzess verschwenden möchte, ist durchaus nachvollziehbar. Netflix hat nun einen ernsthaften Konkurrenten und das erfordert einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Kapital. Es handelt sich hierbei sicherlich nicht um das Ende der Kreativität, doch florieren wird sie in diesem System wohl ebenso wenig.

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