Social Media Marketing

„Zombie Apocalypse“: Tausende Instagrammer überrennen Sonnenblumenfarm

Nachdem Fotos der Felder viral gingen, stürmten Hobbyfotografen die Farm und lösten Chaos aus. Erst Polizei und Straßensperrungen brachten Ruhe.

Quelle: Instagram, © mylessexton & niccahh

Die Jagd nach dem perfekten Selfie für Instagram hat eine kanadische Sonnenblumenfarm dazu veranlasst, ihre Felder von der Außenwelt abzuschirmen. Das Familienunternehmen glaubte als Fotokulisse einen kleinen Nebenverdienst aufbauen zu können – hat aber die Zugkraft der sozialen Medien arg unterschätzt.

Eine kleine Geschäftsidee mit Folgen

1,4 Millionen Sonnenblumen wachsen auf Bogle Seeds, einer Farm in Familienhand im kanadischen Millgrove, Ontario. Die gelb stahlenden Felder sind seit jeher ein beliebtes Fotomotiv und die Bogles witterten eine Geschäftsidee, als sie vor drei Jahren damit anfingen, Eintritt von den Hobbyfotografen zu nehmen. Der Besuch der Farm wurde bislang in kleineren Guides als Geheimtipp gehandelt, doch dieses Jahr sollte es größer werden. Dafür hat die Familie 300 Parkplätze geschaffen, eine handvoll mobile Toiletten gemietet und zusätzliches Personal angeheuert. Seit dem 20. Juli bekamen Besucher dann gegen eine Gebühr von 7,50 US-Dollar beschränkten Zugang zu den Blumen.

Es begann vielversprechend. Sogar internationale Gäste aus Dubai kamen vorbei, wie die Bogles The Globe and Mail verrieten. Am Samstag, eine Woche nach dem Start, geriet die Situation jedoch außer Kontrolle.

„Zombie Apocalypse“ dank Instagram löst Polizeieinsatz aus

Einige Instagram-Fotos gingen viral, welche genau ist nicht mehr nachzuvollziehen. Unter dem Hashtag #bogleseeds oder der Location Bogle Seeds finden sich zumindest einige Bilder mit mehreren Tausend Likes. Die Popularität in Social Media führte dazu, dass die ersten Besucher schon am Samstagmorgen vor 6.00 Uhr auftauchten. Es blieb jedoch nicht wie zuvor dabei, dass sich der Parkplatz etwa zu einem Drittel füllte – der reichte schon bald nicht mehr aus. „Then all of Toronto showed up,“ meint Vater Barry Bogle. Es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Die von der Familie eingeschaltete Polizei ging von etwa 7.000 Autos aus, die sämtliche Zufahrtswege verstopften.

The sunflowers were gorgeous 🌻

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Die Menschen strömten auf die Felder und ignorierten die Kassierer. Die Bogles versuchten sie aufzuhalten – ohne Erfolg. „We asked one guy to leave, and he said, ‘Make me’ and wanted to fight,” sagt der junge Brad Bogle. Die Selfie-Jäger wanderten in rauen Massen in den Feldern umher. Mittags wurde dann die Reißleine gezogen. Mithilfe der Polizei und Straßensperrungen konnten weitere Besucher abgewiesen werden. Der Familie drohen jetzt Bußgelder wegen der Aktion.

Reach for the sun ☀️🌻

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Das Chaos veranlasste die Bogles dazu, ihre Geschäftsidee auf Eis zu legen. Auf der Website des Unternehmens heißt es:

Unfortunately, with the POLICE involved, we have had to close the photo opportunities due to the traffic jam which occurred on Saturday July 28! PLEASE NOTE: Although photo opportunities have ceased on the farm, we are still open for bird seed and other product sales during our REGULAR hours.

Trotz der entsprechenden Warnungen und Schilder verschwanden in den folgenden Tagen immer wieder Menschen mit Selfiesticks in den Feldern. Zu einer erneuten „Zombie Apocalypse“, wie die Bogles es nennen, kam es aber nicht. Auch aus dem Grund, dass sie Straßenposten einrichteten, um alle potentiellen Besucher umzuleiten.

Die Schäden, die der Massentourismus bei den Sonnenblumen angerichtet hat, sind erst bei der Ernte abzusehen. In diesen Zeiten kann man allen Farmern nur wünschen, dass ihre Produkte nicht als neues Fotoziel auserkoren werden. Eine wichtige Lehre für Marketer bietet der Fall jedoch auch: Du solltest niemals die Macht der Social Media unterschätzen.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien, Conversion Optimierung und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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