Social Media Marketing

Werbung für Follower-Käufe: Instagram verkaufte Ads an Spammer

Bei Instagram werden unlautere Praktiken wie der Verkauf von Followern nicht geduldet. Dennoch wurden genau solchen Services Ads verkauft.

Instagram verkaufte auch Ads an fragwürdige Anbieter, © Luke van Zyl - Unsplash

Die Popularität Instagrams als Medium für Werbetreibende, Marken und Influencer nimmt immer mehr zu. Da ist es nur natürlich, dass einzelne Accounts dubiose Services wie das Kaufen von Followern oder eine Verifizierung durch die Plattform anbieten. Diese Accounts verstoßen offen gegen Instagram-Richtlinien. Trotzdem haben einige auf der Plattform erfolgreich Werbung schalten können. Somit hat das Netzwerk an ihnen Geld verdient, aber an Integrität eingebüßt.

Eine Untersuchung bringt Ads der fragwürdigen Services hervor

TechCrunchs Josh Constine hat eigens eine Untersuchung bei Instagram durchgeführt, um zu prüfen, ob mehrere Accounts, die Follower verkaufen oder unrechtmäßig generiertes Engagement anbieten, auch Werbung auf der Plattform schalten. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass (mindestens) 17 Services Ads ausspielten, die Follower-Käufe ermöglichen oder die Benachrichtigungen, die als Spam einzustufen sind, bewerben. Grundsätzlich widersprechen diese Werbetreibenden den Gemeinschaftsstandards bei Instagram sowie den Werberichtlinien Facebooks. Zum einen, weil es sich um irreführende, vermutlich zuweilen illegale Dienstleistungen oder Produkte handelt. Zum anderen gilt nach Facebook:

Werbeanzeigen dürfen keine Befürwortung durch Facebook oder Instagram, keine irgendwie geartete Partnerschaft und keine Befürwortung durch ein anderes Facebook-Unternehmen implizieren.

Außerdem fordert Instagram in seinen Richtlinien ausdrücklich:

Hilf uns dabei, frei von Spam zu bleiben, indem du nicht versuchst, künstlich „Gefällt mir“-Angaben, Abonnenten oder geteilte Inhalte zu sammeln, nicht wiederholt dieselben Kommentare oder Inhalte postest und Menschen nicht wiederholt zu kommerziellen Zwecken ohne ihre Zustimmung kontaktierst.

Constine hatte zunächst Werbung in Stories von GramGorilla ausgemacht, die im Gegenzug für 126 US-Dollar im Monat 2.500 Follower verspricht.

Werbung von GramGorilla, Quelle: Josh Constine, TechCrunch

Anders als mancher Fake Account, der „einfach nur“ Follower verkauft, setzen Accounts wie diese auf eine Taktik von Benachrichtigungen, die zum „Erfolg“ führen soll. Dabei nehmen sie die Kontoinformationen der Kunden zur Kenntnis und beginnen mit Follow/ Unfollow-Zügen, liken und kommentieren zahlreiche Inhalte und bauen auf die Benachrichtigungen, die die fremden Instagrammer erhalten. Die schiere Masse dieser Benachrichtigungen reicht oft, um das gesetzte Ziel zu erreichen, wenn die fremden Nutzer mit dem Folgen reagieren. Diese Art des Spams untergräbt die Seriosität der Plattform und verschlechtert zugleich die User Experience.


 

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Viele Accounts werben für ihre Dienste – trotz Verbot

Die Untersuchung brachte viele Anbieter hervor, die per se nicht zugelassene Services auf Instagram bewerben. Darunter befinden sich: Glamflare, Trendbee, We Grow Social, IG Wildfire und dergleichen mehr. Glamflare ist ein Anbieter, der bereits von entsprechender Werbung ausgeschlossen worden war, wie Instagram angab. Dennoch wurden – womöglich unwissentlich – offensichtlich Werbeplätze an Glamflare verkauft.

Nicht zulässige Werbung von Glamflare auf Instagram, Quelle: Josh Constine, TechCrunch

EZ-Grows Mitgründer sprach mit Constine und gab an:

[Clients]  always need something new. At first it was follows and likes. Now we even watch Stories for them. Every new feature that Instagram has we take advantage of it to make more visibility for our clients.

Pro Tag setzt das Unternehmen 500 US-Dollar für Instagram Ads ein, um neue Kunden zu gewinnen. Und es funktioniert, während die Plattform das Geld von den Services einstreicht, die es grundsätzlich nicht anzeigen möchte. Dass abertausende Nutzer von den Spam-artigen Benachrichtigungen dieser Dienste betroffen sind, wird von den Anbietern einhellig legitimiert. Man stärke ja die Community. Man geht davon aus, dass die Nutzer solche Interaktionen wünschen. Dass diese Herangehensweise jedoch Spam gleichkommt, scheint ihnen nur bedingt klar zu sein.

Nun haben solche Anbieter gewissermaßen von der Nachlässigkeit der Plattform profitiert, während viele User von derlei Ads und Benachrichtigungen genervt sind. Instagram selbst hat zwar monetär ebenso profitieren können, dafür sorgen die Werbeeinnahmen, muss sich jetzt aber auch Kritik stellen.

Instagram äußert sich

Als Reaktion auf Constines Entdeckungen hat Instagram die Ads der entsprechenden Anbieter entfernt. Auch die Accounts wurden deaktiviert. Der Kampf gegen Spam gestalte sich sehr schwierig, dennoch müsse man dabei Fortschritte machen, gab ein Sprecher des Unternehmens gegenüber TechCrunch an:

Nobody likes receiving spammy follows, likes and comments. It’s really important to us that the interactions people have on Instagram are genuine, and we’re working hard to keep the community free from spammy behavior. Services that offer to boost an account’s popularity via inauthentic likes, comments and followers, as well as ads that promote these services, aren’t allowed on Instagram. We’ve taken action on the services raised in this article, including removing violating ads, disabling Pages and accounts, and stopping Pages from placing further ads. We have various systems in place that help us catch and remove these types of ads before anyone sees them, but given the number of ads uploaded to our platform every day, there are times when some still manage to slip through. We know we have more to do in this area and we’re committed to improving.

Die Plattform arbeitet mit Machine Learning, um das unauthentische Engagement aufzuheben, damit Nutzer keine Anreize haben, um auf die unlauteren Dienste zurückzugreifen. Bilder oder Captions werden automatisiert analysiert und dann von Moderatoren geprüft. Der Großteil der Ads, die gegen die Richtlinien verstoßen, wird so bereits herausgefiltert. Bei denen, die nicht entdeckt werden, hofft Instagram auf die Meldungen der Nutzer.

Sind die Systeme zur Entdeckung unerlaubter Ads und Inhalte ausgereift?

Da aber die von TechCrunch entdeckten Ads allesamt Phrasen wie „Get Followers“, „Get Verified“, „Real Followers“ usw. beinhalteten, bleibt fraglich, wie gut das System der Plattform tatsächlich funktioniert. Ein Problem der Tech-Szene bleibt, dass man auf Algorithmen vertraut, um Inhalte und Werbung zu entdecken, die gegen die Vorschriften der Netzwerke und Dienste verstoßen. Diese übersehen jedoch viele Fälle, die mit mehr menschlicher Prüfung entfernt werden könnten.

Mitunter ließe sich mutmaßen, dass manche Werbeanzeigen als Gewinnbringer ihren potentiellen negativen Einfluss überwiegen. Um sich gegen solche Eindrücke zu wehren, sollten Instagram, Facebook, WhatsApp und Co. sich darauf konzentrieren, ihre Strategien zur Durchsetzung von Unternehmensrichtlinien zu optimieren. Und im Zweifel mehr Personal dafür bereitzustellen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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