Social Media Marketing

Wenn das Sharen von Content zum Ausschluss führt – Sind wir zu deutsch für Social Media?

Content teilen verboten – offenbar ist der Umgang mit sozialen Netzwerken in Deutschland hier und da noch ein wenig krautig und lässt einiges an Luft nach oben.

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Social Media-Kanäle wie Facebook, Youtube und Co. schaffen es hierzulande beinah täglich auf die Titelblätter diverser Tageszeitungen sowie Zeitschriften und Facebook landete 2014 auf dem zweiten Platz der meistbesuchten Webseiten Deutschlands – direkt hinter Google. Nur am Verständnis scheint es noch etwas zu hapern. In den USA hat sich schon lange herumgesprochen, dass das Sharen von Content zu einer höheren Reichweite und somit zu gesteigerten Umsätzen führen kann. Die Unternehmen wollen, dass ihre Inhalte eine weite Verbreitung finden, weil sich dieses Konzept bereits als ein sehr erfolgreiches herausgestellt hat. In Deutschland wird man bei Facebook für das Teilen von Inhalten unter Umständen für Gruppen gesperrt.

Sharen ist nicht gleich kopieren

Susanna Gebauer, Gründerin der exploreB2B GmbH, schrieb im vergangenen Herbst auf The Social MS einen Artikel über die deutsche Sharing-Kultur, in dem sie den Deutschen eine überwiegende Missinterpretation von Social Media attestierte.

Sie berichtet dabei aus eigener Erfahrung und drückt ihr Unverständnis darüber aus, dass ein User für das Teilen von Inhalten aus Gruppen verbannt wird. Dabei ist doch der ganze Sinn von sozialen Netzwerken das Erreichen einer möglichst hohen Reichweite aufgrund der viralen Verbreitung von Content. Daher gibt es dutzende Leitfäden, die sich damit beschäftigen, Influencer zum Teilen von Inhalten zu bewegen und Unternehmen, die viel Arbeit und Mühe in Influencer Relations stecken. Auch um festzustellen, wie hoch die Interaktionsrate von Blog- oder Facebook-Posts ist, können Shares eine wichtige Metrik darstellen.

Eine andere Sache ist das Kopieren von Content mit einhergehender Urheberrechtsverletzung. Der Inhalt wird dann entweder als der eigene ausgegeben oder der Urheber nicht genannt – oder beides. Kritisch wird es spätestens, wenn mit geklauten Inhalten Geld verdient wird. Darum geht es aber beim Sharen überhaupt nicht.

Weite Verbreitung von Content ist Ziel sozialer Netzwerke

Wenn die Social Media-Kanäle eines Unternehmens wachsen und ein größeres Publikum erreichen sollen, dann sind sie auf eine weite Verbreitung ihrer Inhalte angewiesen, was durch das Teilen am einfachsten gewährleistet werden kann. Damit Inhalte geteilt werden können, sind die Unternehmen auf User angewiesen. Werden diese aber für das Sharen von Content abgestraft und aus Gruppen ausgeschlossen, scheint es fast, als habe der Fanseiten-Admin die Plattform nicht verstanden, auf der er selbst eine hohe Reichweite zu generieren versucht.

In Deutschland müssten sich die Rezeption gegenüber sozialen Netzwerken und sogar Unternehmenskulturen ändern. Sind wir Deutschen wirklich so kleinkariert und verschlossen gegenüber neuen Dingen, dass wir an jeder Ecke Verrat wittern? In den USA ist man über dieses ständige Konkurrenzdenken längst hinweg und setzt lieber auf Kollaborationen – nicht zuletzt weil es sich positiv auf Reputation sowie das Ranking auswirkt, in einem Zuge mit weiteren namhaften Unternehmen genannt zu werden.

Vor der Globalisierung war Amerika stets Vorreiter in allem, was insbesondere der Wirtschaft und Subkulturen als größtes Vorbild galt. Die Internationalisierung hat aber nicht dazu beigetragen, dass nun alle gleichauf sind. Die USA sind in der Adaption neuer Dinge noch immer schneller als der Rest der Welt und auch in Sachen Social Networks sind sie uns um Längen voraus. Nicht nur, dass sie uns soziale Netzwerke gebracht haben, sie haben sie auch sehr viel eher verstanden und nutzen ihre Möglichkeiten im besten Umfang aus.

Gesucht „Volontär/in – Head of Social Media“

Solang es in Deutschland noch Unternehmen oder Künstler gibt, die sich weigern soziale Medien zu nutzen, weil sie denken, ihre Ideen könnten kopiert werden, ist Social Media hier noch nicht angekommen. Und leider gibt es allerdings auch heute offenbar noch Unternehmen, die den sozialen Medien keinen ausreichenden Wert beimessen und haarsträubende Stellen wie „Volontär/in – Head of Social Media“ ausschreiben.

Es wird Zeit, dass auch in unseren Köpfen vollends ankommt, welche Macht Social Media besitzt. Etabliert sich ein solcher Umgang mit Usern, wie in dem geschilderten Fall, wird der Sinn hinter den Plattformen ad absurdum geführt. Es ist allerdings nicht davon auszugehen – wir können nur hoffen, dass das Verständnis aus Amerika hier auch bald ankommt und der Nutzen sozialer Netzwerke zu schätzen gelernt wird.

Wie seht ihr das: Werden die Möglichkeiten der Social Media-Kanäle vollumfänglich ausgeschöpft, oder gibt es in Deutschland tatsächlich noch jede Menge Nachholbedarf?

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

4 Gedanken zu „Wenn das Sharen von Content zum Ausschluss führt – Sind wir zu deutsch für Social Media?

  1. rewow

    Wir Deutschen gehen gebückt. Das ist alles. Der Sinn von sozialen Netzwerken ist auch nicht, entgegen ihrer These, dass Content viral geht, sondern dass die Freude (oder sonstige Reaktion) über etwas ausgedrückt wird. Man schmückt sich auch etwas mit dem Geteilten, positioniert sich. In Deutschland ist in weiten Teilen jedoch weder Freude zu spüren, noch fühlt man sich als Teil etwas neuem. Deutschland ist eben nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern depressiver als die Wirtschaft glauben lässt. Hier ist die Rolle eines jeden schon vorprogrammiert. Alles ist gesichert, nichts kann sich entwickeln. So erlebte ich das meinen Lebtag. Ich stamme aus dem Ruhrpott. Wo ist noch gleich Uber in Deutschland? Jeden Tag Berichte über Tinder, kein Wort über die deutschen Marktführer. Der mediale Kopf schaut auf die Usa, wir vor die Mauer in Deutschland. Witzig.

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  2. RankHero

    Ein wirklich interessanter Artikel, der leider viel Wahres in sich birgt. Es ist wirklich schade, dass viele Unternehmen noch nicht verstanden haben wie wichtig es ist auch auf den sozialen Netzwerken ihren Content mit Usern zu teilen. Dass sollte dringend überdacht werden, da nur Seiten auf denen regelmäßig Neues passiert auch zu einem besseren Rankingergebnis bei Google führen.

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  3. Daniel

    Ich will gar nicht bestreiten, das viele Unternehmen die sozialen Medien noch nicht oder vielfach auch falsch nutzen oder auch noch nicht „richtig“ verstanden haben (siehe Beispiel Stellenanzeige).

    Ich halte es aber für grundsätzlich falsch „den“ Deutschen mangelndes Verständnis oder gar eine überwiegende Missinterpretation von Social Media zu attestieren. Für mich ist das ein Zeichen von Arroganz und Ignoranz gegenüber den Usern. Wenn, bsw. in Deutschland, die Mitglieder in sozialen Netzwerken diese in anderer Art und weise Nutzen als in den USA oder anderswo auf der Welt, dann ist das erstmal so und die Unternehmen, die letztlich diese Menschen als Kunden sehen – und um nichts anderes geht es am Ende des Tages: Es soll Geld verdient werden – diese Unternehmen müssen darauf entsprechend reagieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass es sich immer auszahlt, den Kunden da abzuholen wo er ist und nicht sich anzumaßen in umerziehen zu können und müssen.

    Das heißt nicht, dass das Teilen von Inhalten über die Netzwerke noch nicht und vielfach auch falsch (eben durch kopieren ohne Quellenangabe) eingesetzt wird. Das ist unbestritten so.

    Die Macht besitzen sozial Netzwerke nur, wenn Kunden das wollen. Sind wir kleinkariert? Ich weiß nicht, irgendetwas in unserer Geschichte und Kultur lässt uns nun mal einfach anderes mit diesen Dingen umgehen. Ich denke, man kann dass feststellen, aber man sollte es nicht moralisch bewerten. Für die Unternehmen heißt das meiner Ansicht nach, aufmerksam beobachten, wie der Umgang mit den sozialen Medien sich entwickelt und entsprechend reagieren. Das allerdings ist noch nicht bei allen angekommen, da gebe ich Ihnen vollkommen recht.

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