Social Media Marketing

Warum Twitter jetzt Tweets mit 280 Zeichen einführen möchte

Twitter testet derzeit, ob Tweets mit 280 Zeichen zu mehr Engagement führen, da man sich kaum einschränken muss. User sehen jedoch ganz andere Baustellen.

Screenshot YouTube, © Twitter

140 Zeichen, das ist das Markenzeichen von Twitter. Doch es wackelt. Wie die Plattform berichtet, wird nun mit 280 Zeichen experimentiert, um mehr User zum Tweet zu animieren. Erste Reaktionen zeugen jedoch von wenig Begeisterung.

280 Zeichen: Warum Twitter an längere Tweets glaubt

Es könnte ein richtiggehender Paradigmenwechsel werden. Twitter steht für die kurze Mitteilung der User, nicht länger als 140 Zeichen. Doch jetzt testet das Soziale Netzwerk mit einer kleinen Gruppe, das Zeichenlimit zu ändern. 280 Zeichen dürfen die Test-User für ihre Tweets nutzen.

Dabei ist der Grund für das Experiment denkbar einfach. Im Blogbeitrag erklärt Produktmanagerin Aliza Rosen, dass gerade bei Sprachen wie Englisch, Französisch, Deutsch etc. das Limit von 140 Zeichen schnell erreicht ist. Sodass der User oftmals seine geplanten Mitteilungen kürzen muss oder diese gar ganz unter den Tisch fallen lässt.

Belegt wird die Annahme mit einer Grafik, nach der neun Prozent der englischen Tweets das Limit voll ausnutzen.

Tweets am 140-Zeichen-Limit, © Twitter

Hierbei wird auch darüber informiert, dass dieses Phänomen nur bei 0,4 Prozent der Tweets auf Japanisch auftritt. Daher werden das Japanische, Koreanische und Chinesische nicht in den Test miteinbezogen. Immerhin hat das Japanische etwa eine Silbenschrift, verglichen mit der deutschen Alphabetschrift.

Unterschiedlich lange Tweets mit gleichem Inhalt. Die Sprache ist ausschlaggebend, © Twitter

Wie die 280-Zeichen Tweets aussehen können, zeigt Rosen beispielhaft auf.

Tweet Rosens mit 140 und mit 280 Zeichen, © Twitter

Obwohl auch sie weiß, dass die Marke von 140 Zeichen für viele User als Aushängeschild oder sogar emotionaler Anker für Twitter gilt, geht das Unternehmen davon aus, dass auch 280 Zeichen noch die Kürze, die angestrebt wird, abbildet. Während Twitter den Test bekannt macht, wird betont, dass sich erst zeigen muss, ob die Option künftig für alle User ausgerollt wird.

Weitere Ursachen für die Neuerung

Die Argumentation der neun Prozent englischer Tweets, die das Zeichenlimit erreichen, wirkt dünn, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Zeichenanzahl englischsprachiger Tweets bei etwa 34 liegt, wie der Blog selbst offenlegt.

Tatsächlich hat Twitter jedoch mit Stagnation bei der Userzahl zu kämpfen. Im ersten und zweiten Quartal 2017 gab es keine Veränderung der weltweiten Userzahl von 328 Millionen. Das zeigt eine Grafik Statistas.

Twitters globale Userbase, © Statista

Dazu kommt, dass in den USA im Juli sogar rückläufige Userzahlen verzeichnet wurden, worüber CNN informierte. Daraufhin hatte der Mikroblogging-Dienst in diesem Jahr bereits mit der Lockerung des Zeichenlimits begonnen. Denn Links und Bilder waren von der Zählung ausgenommen worden, wie unter anderem die FAZ berichtete.

Mit diesem Zug hatte das Unternehmen wohl auf einen neuen Anstieg von Usern gehofft. Diese Hoffnung liegt auch dem Test mit 280 Zeichen zugrunde. Allerdings hatten schon auf die erste Aufweichung der bekannten Twitter-Regeln viele User eher mit Empörung denn Freude reagiert und etwas übertrieben das Ende von Twitter prophezeit. Das Ende von Twitter, wie man es kennt, könnte mit der 280-Zeichen-Regel näher rücken. Und auch auf diese Neuigkeit reagieren die User wenig glücklich; sie haben vielmehr andere Vorschläge, wie sich die Plattform besser positionieren könnte.

Die Reaktionen der User machen das Update unwahrscheinlich

Die Reaktionen auf die 280 Zeichen, die Twitter in den Raum stellt, sind nicht durchweg negativ. Doch größtenteils herrscht eine Meinung vor.

Die Abkehr von 140 Zeichen scheint einigen gar nicht zu gefallen.

Zudem wird angemerkt, dass die 280 Zeichen auf kleinen Smartphones zu Unübersichtlichkeit führen könnten oder dass Twitter zu einer belanglosen Plattform verkommt. Auch der User swissbixs stimmt zu.

Vorschläge, wie man sich als Plattform effektiv verbessern kann, bringen die User dabei auch. Einige User wünschen sich einen Edit-Button. Andere wiederum plädieren dafür, zuallererst Rassisten, Nazis und Extremisten allgemein flächendeckend vom Dienst auszuschließen.

Womöglich könnte Twitter auf diesem Wege eher neue User gewinnen, als mit der Einführung von 280 Zeichen. Denn selbst, wenn dieser Zug einige neugierige neue User anziehen sollte, dürfte eine Reihe der jetzigen Nutzer sich verabschieden. Probleme mit dem Verbannen von Rassisten etc. dürfte die Plattform jedoch solange haben, wie ihrem wohl berühmtesten Nutzer gestattet wird, sich unangemessen zu äußern.

Während die kreativen Vorschläge, Tweets etwa in Haikus zu verfassen, als Spaß angesehen werden können, sollte Twitter auf die Reaktionen der User achten und seine Strategie überdenken.

Wer den Test mit 280 Zeichen selbst machen möchte, hat jedoch scheinbar eine Möglichkeit dazu. Bei The Verge zeigt Tom Warren auf, wie auch User, die nicht zur Testgruppe gehören, einen Tweet mit 280 Zeichen absetzen können.

Was Twitter besonders macht, sind die 140 Zeichen. Ohne die Beschränkung scheint der Dienst in Zukunft eine Parodie seiner selbst zu werden.

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