Technologie

Stadia: Googles neuer Streamingdienst für Games könnte die Spielewelt verändern

Mit Stadia hat Google einen Streamingdienst für Games vorgestellt, bei dem an einem Ort alle Spiele mit jeglichem Gerät gespielt werden können.

Phil Harrisson beim Launch von Stadia, © Google

Google selbst erklärte sein Ziel in Sachen Gaming auf der Game Developers Conference (GDC) in San Francisco. Man möchte mit Stadia einen Raum für alle Spieleerfahrungen schaffen. Der Streamingdienst für jegliche Spiele soll 2019 starten und unsere Vorstellung vom Gaming revolutionieren. Keine Konsolen, keine Updates oder Downloads. Selbst auf einigen Smartphones soll gezockt werden können – und das in beeindruckender Grafik. Die Kooperation mit YouTube dürfte für Gamer ganz besonders interessant sein.

Google Stadia: Ein neuer Blick auf das Gaming

Ob es Filme sind oder Musik, diese zwei großen gesellschaftlichen Komplexe sind im digitalen Zeitalter längst auf populäre Streamingplattformen übertragen worden. Physische Träger wie CDs und DVDs haben zum großen Teil ausgedient, Spotify, Deezer, Netflix, Amazon Prime Video und dergleichen mehr haben den Zugriff für die User erleichtert. Und so alt wie die Musik und das Erzählen von Geschichten ist, die uns medial aufbereitet werden, so alt ist auch das Gaming. Das demonstriert Google in einem euphorischen Trailer für seinen neuen Streamingdienst für Spiele, Stadia.

Dieser soll ein Ort sein, wo jeder spielen kann und das auf einem ganz neuen Level. Stadia soll schon bald ausgerollt werden – bisher ist 2019 aber die einzige konkrete Angabe –, zunächst in den USA, Kanada, Großbritannien und in den meisten Teilen Europas.

Das Konzept von Stadia ist simpel. Spiele anzusehen und zu spielen soll miteinander vereint werden, dabei wird Googles ganzes Know-how herangezogen. Das erklärt Phil Harrisson, VP und General Manager bei Google, auf der GDC.

Harrisson betont in Bezug auf Stadia:

It’s focused on gamers, inspired by developers and amplified by YouTube creators.

Mehr als zwei Milliarden Spieler auf dem ganzen Planeten sollen sich durch Stadia angesprochen fühlen. Es gebe allerdings zwei Universen, auf der einen Seite die Menschen, die es lieben zu spielen, auf der anderen Seite jene, die es lieben, Spiele anzuschauen; wenngleich es hierbei natürlich zahlreiche Überschneidungen gibt.

Our vision is to bring those worlds closer together, to connect game developers with players and YouTube creators in a way that only Google can. Creating a richer and more vibrant gaming community for everyone to enjoy.

Was macht Stadia so besonders?

Zuallererst ist eine so groß angekündigte Plattform von einem so mächtigen Unternehmen dafür prädestiniert, für Furore zu sorgen. Doch worin liegen die innovativen Gesichtspunkte von Stadia? Anders als Twitch, das vorrangig für Livestreaming von Gaming genutzt wird, soll Googles neues Projekt umfassender sein und deutlich mehr Leute ansprechen. Die cloudbasierte Plattform soll es ermöglichen, jegliche AAA Games unmittelbar über das vorhandene Gerät zu spielen, mit dem auf Stadia zugegriffen wird.

Google möchte dabei den Spieleentwicklern die Macht des eigenen Datencenters zukommen lassen, sodass diese neue Spielewelten für alle erschaffen. Im Oktober 2018 testete Google mit Project Stream das Streaming von AAA Games in hoher Auflösung über ihre eigenen Datencenter und das Internet in einem Chrome Browser. Das Feedback war daraufhin äußerst positiv, meint Harrisson.

Die hervorstechenden Merkmale der Plattform werden auch auf der Website präsentiert. Die Zukunft des Gamings ist demnach keine Box, sondern ein Ort – der mit einem Klick erreicht werden kann. Dort, bei Stadia, geraten Konsolen in Vergessenheit, wenn Spiele mit bis zu 4k HDR bei 60 fps gezockt werden können, auf verschiedenen Geräten wie Laptops oder sogar ausgewählten Tablets und Smartphones. Natürlich braucht es jedoch für das AAA Game-Erlebnis eine Highspeed-Internetverbindung. Weitere Vorteile für die Spieler sind der sofortige Einstieg, der nicht von Updates oder Downloads verzögert wird und die stetige Weiterentwicklung aufgrund der Cloud-Struktur.

Bei der GDC war nun auch Spielehersteller Ubisoft vertreten, ein Partner Googles bei der Entwicklung von Stadia. Zusammen mit der Marke stellte Harrisson dar, wie die Rezeption von Spielen über YouTube und das Spielen selbst unkompliziert verschmelzen.

Der Traum vieler Gamer: Von der Spielevorschau direkt ins Game eintauchen

Heutzutage werden uns zahlreiche eindrucksvolle Spieletitel vorgeschlagen, die unser Interesse wecken könnten. Dabei werden insbesondere bei YouTube extrem häufig Trailer für diese Spiele angeschaut. Außerdem ist die Rezeption von Gaming-Situationen auf der Videoplattform sehr populär. Sadia erlaubt es Viewern bei YouTube nun, vom rezipierten Video direkt zum entsprechenden Spiel zu springen. Im Beispiel referiert Harrisson auf Ubisofts Assassin’s Creed: Oddyssey. Beim Trailer auf YouTube können User am Ende auf den Play Now Button von Stadia klicken; und innerhalb von fünf Sekunden sind sie im Spiel, direkt im Browser.

Der Play Now Button für ein Game beim entsprechenden YouTube Trailer, © Google

Demnach soll Stadia Wartezeiten, die vielen Usern durch immer schnellere und einfachere Zugriffe auch in anderen Mediensegementen immer untragbarer gemacht werden, verschwinden lassen. Auch so wird das Gaming revolutioniert. Zudem stellt das Datencenter Googles die neue „Konsole“, ja die Plattform dar. Damit werden die kreativen Ideen von Entwicklern auch kaum noch limitiert. Das Spannende am Streamingaspekt ist, dass der Spieler sein Game im Browser auf dem Laptop starten und beispielsweise auf einem modernen Pixel 3 XL Smartphone ab genau der gleichen Stelle weiterspielen kann. Auf dem Desktop spielt nicht einmal die Hardware-Qualität eine Rolle, die hochauflösende Erfahrung soll gewahrt werden. Selbst auf dem Fernseher lässt sich mit Stadia ohne Konsole zocken, wenn über einen Chromecast Ultra HDMI Streamer darauf zugegriffen wird.

Eigener Controller für Stadia

Obwohl er nicht obligatorisch für die Gamer sein wird, hat Google einen Controller entwickelt, der für Stadia optimal ist. Er besticht dadurch, dass er per WiFi direkt mit dem aktuellen Spiel verbunden wird. Ein absolutes Special ist dabei der Capture Button, mit dem Erfahrungen im Spiel gespeichert und direkt bei YouTube geteilt werden können. Der Google Assistant Button hingegen erlaubt Spielern Hilfe vom integrierten Assistant für ingame Features in Anspruch zu nehmen.

So sehen die Google Stadia Controller aus, © Google

Die zahlreichen Möglichkeiten von Stadia werden das Gaming aller Voraussicht nach tatsächlich auf den Kopf stellen und Gamern, Viewern und Entwicklern ganz neue Möglichkeiten bieten. Wer mehr über Stadia erfahren möchte, kann den umfassenden Vortrag von Phil Harrisson und seinen Kollegen und Partnern nachvollziehen oder die Webiste besuchen. Im Sommer sollen nähere Infos – womöglich auch ein konkreter Starttermin – bereitgestellt werden.

Wie gut Stadia in der Praxis funktioniert, können wir erst dann bewerten. Es wird je nach Internetverbindung eine variable Erfahrung bieten und könnte noch auf technologische Hindernisse stoßen. Google hat jedoch die Technologie und die Mittel, um diese zu überwinden. Dann wird Stadia Sony und Microsoft mit ihren marktführenden Konsolen mächtig Konkurrenz machen. Das Konzept der Konsolen könnte in naher Zukunft sogar auslaufen. Stadia, die Streamingplattform, die alles vereint, ist verheißungsvoll; besonders in ihrer Verbindung zu YouTube. Wir erwarten den Start mit Spannung. „Gather Around“, so ist die Vorgabe von Stadia; und dieser wird sich mit Sicherheit nachgekommen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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