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Sperrung nach China-Kritik: TikTok bestreitet Zensurvorwürfe

Nachdem der Fall einer US-Teenagerin viral ging, hebt die Plattform den Ban ihres Accounts auf – das umstrittene Video wurde jedoch gelöscht.

Screenshot

Neben kreativer Unterhaltung und Fremdschammomenten finden sich auf TikTok auch immer wieder politische Statements. Der Fall der 17-jährigen Feroza Aziz wirft nun jedoch die Frage auf, wie sehr das in China sitzende Unternehmen von der dortigen Regierung beeinflusst wird.

Zensur außerhalb der chinesischen Grenzen?

Dass das chinesische Internet strikten Kontrollen unterzogen und zensiert wird, ist nichts Neues. Doch wie verhält es sich mit einer App, die weltweit genutzt wird, ihren Hauptsitz aber in Peking hat? Feroza Aziz wirft TikTok bewusste Zensur vor. Grund dafür war die Blockierung ihres Accounts nach dem Posten eines Videos. In diesem, verpackt als Make-Up-Tutorial, kritisierte sie den Umgang der chinesischen Regierung mit den Uiguren. Aziz glaubt, ihre Kritik wäre bewusst von TikTok zensiert worden. Das Unternehmen selbst bestreitet dies jedoch. Hier der kurze, umstrittene Clip:

TikTok bezieht sich auf Richtlinien

Eric Han, TikToks Head of Safety im Gebiet USA, erklärt das Ganze anders. Das Problem sei Aziz vorheriges Verhalten auf der Plattform gewesen. Auf ihrem ersten Account habe sie ein satirisches Video gepostet und dabei das Gesicht von Osama Bin Laden gezeigt. Auch wenn es sich um Satire handle, habe die Plattform diesbezüglich Regeln. Und so erhielt dieser Account einen Bann. Aziz erstellte sich daraufhin einen neuen Account und postete darauf auch das besagte Video. Laut Han sei es bei TikTok aber so, dass die App eine Funktion habe, die verhindert, dass gebannte Personen sich einfach einen neuen Account auf demselben Gerät erstellen.

TikTok habe eine plattformweite Säuberung durchgeführt und dabei eben solche Accounts gesperrt. Darunter eben auch den von Aziz. Das Video über die Uiguren habe damit rein gar nichts zu tun gehabt. Erik Han sagt:

Because the user’s banned account (@getmefamousplzsir) was associated with the same device as her second account (@getmefamouspartthree), this had the effect of locking her out of being able to access her second, active account from that device. However, the account itself remained active and accessible, with its videos continuing to receive views.

Zensur von China-Kritik wäre ein Skandal

Und trotz dieser Aussage wurde das Video mit seinen über 9 Millionen Views von der Plattform gelöscht. Han beschreibt diesen Prozess als menschliches Versagen und einen Moderationsfehler. Laut ihm gäbe es keine Richtlinie bei TikTok, die ein solch kritisches Video verbiete. Das Unternehmen entschuldigte sich für diesen Fehler und inzwischen ist der Account von Aziz auch nicht mehr gebannt. Die 17-jährige zweifelt jedoch an den Erklärungen von TikTok, wie sich auf ihrem Twitter-Account zeigt:

Und tatsächlich ist es beinahe unmöglich für Außenstehende festzustellen, was die wirklichen Gründe für den Bann und die Löschung des Videos waren. Denn TikTok gibt keine Informationen darüber preis, welche Arten von Videos es löscht, welche User blockiert und welche Arten von KI als Moderationshilfe genutzt werden. Ebenso unsicher ist, inwieweit die chinesische Regierung Einfluss auf das Unternehmen hat. Ein Sprecher der Human Rights Watch erklärt:

While TikTok has repeatedly stressed that it does not take orders from the Chinese government in terms of what content it promotes or removes outside of China, it has done little to quench the suspicion, given that all Chinese companies are not only accountable to its shareholders, but also to the Chinese Communist Party.

Tatsache ist, TikTok steht unter Beobachtung. Schließlich wurde das Unternehmen bereits im Februar für den Missbrauch von Daten von Kindern geahndet. Sollte es weitere Fälle von Zensur von China-Kritik geben, steht einem handfesten Skandal nichts mehr im Wege. Denn nicht nur von offizieller Seite würde es einen Aufschrei geben, sondern ebenso seitens der User. Shitstorms auf anderen Plattformen haben die Kraft letzterer bereits oft unter Beweis gestellt. Und somit bleibt die Entwicklung der Plattform abzuwarten, denn ihre Nutzer werden sich einer Zensur nicht fügen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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