Technologie

Auch Siri hört mit: Kontrolle beinhaltet intime Gespräche und Handlungen

Apple hat bestätigt, dass auch Gespräche mit Siri, oder einfach nur aufgezeichnete Sound Bites, geprüft werden. Manches davon sollte gar nicht an Siri gehen.

© Arnel Hasanovic - Unsplash

Google hört zu, Amazon hört zu und bei Apple ist es nicht anders. Das Unternehmen bestätigt den Einblick, den Mitarbeiter durch stichprobenartige Prüfungen von Gesprächen mit Siri in das Privatleben der Nutzer haben. Doch dabei werden selbst intimste Details abgehört, weil sie von Siri aufgezeichnet wurden, unbewusst.

Apple hört genauso zu

Wer eine Sprachassistenz nutzt, darf sich nicht der Illusion hingeben, dass der Anbieter derselben nicht auch alle Gespräche mit der KI nachhören könnte. Das ist zwar nicht unbedingt die vordergründigste Intention von Google, Amazon und Apple, aber alle Unternehmen erklären, dass man aus Gründen der Sicherheit und der Produktoptimierung einige Gespräche mithört. Aufzeichnungen werden teilweise geprüft. Auch bei Apple, wie etwa Heise und der Guardian berichten.

Einige aufgezeichnete Ausschnitte werden an Mitarbeiter auf der ganzen Welt vermittelt, damit diese die Aufnahmen auf verschiedene Faktoren hin prüfen. Beispielsweise darauf, ob die Aktivierung der Assistenz durch Zufall geschah oder vorgesehen war. Außerdem wird geprüft, ob die Antworten von Siri auf bestimmte Fragen hilfreich waren oder nicht. Apple äußerte sich gegenüber dem Guardian:

A small portion of Siri requests are analysed to improve Siri and dictation. User requests are not associated with the user’s Apple ID. Siri responses are analysed in secure facilities and all reviewers are under the obligation to adhere to Apple’s strict confidentiality requirements.

Doch wenn man Siri gar nicht ansprechen wollte, die Assistenz das aber so versteht und einfach einige Gesprächsfetzen aufzeichnet, dann können auch Teile des Privatlebens an Apple gelangen, für die das gar nicht vorgesehen war. Wie ein Whistleblower im Guardian berichtet, geht es dabei beispielsweise um private Unterhaltungen zwischen Arzt und Patient, in Bezug auf Business Deals, oder auch um Geschlechtsverkehr. Und gerade diese Momente möchte man nicht mit Siri und potentiell Apples Mitarbeitern geteilt wissen.

There have been countless instances of recordings featuring private discussions between doctors and patients, business deals, seemingly criminal dealings, sexual encounters and so on. These recordings are accompanied by user data showing location, contact details, and app data.

Immerhin gibt Apple an, dass es keine an die Aufnahmen gekoppelten Identifikationsmerkmale gebe.

Versehentliche Aktivierung nur als technisches Problem angeben

Nach Angaben des Whistleblowers ist die Anzahl der versehentlichen Aufnahmen gerade auf der Apple Watch extrem hoch. Dabei sind diese Aufnahmen meist nur 30 Sekunden lang. Aber diese Zeit reiche oft aus, um zu erfahren, worum es geht. Unabhängig von solchen Inhalten werden die Aktivierungen aus Versehen jedoch nur als technisches Problem gemeldet.

We’re encouraged to hit targets, and get through work as fast as possible. The only function for reporting what you’re listening to seems to be for technical problems. There’s nothing about reporting the content.

Viele Mitarbeiter empfänden zudem ein Unwohlsein, wenn sie solche Aufzeichnungen anhören. Und es sei auch gar nicht schwierig, die Personen zu identifizieren, wenn es entsprechende Trigger wie Adressen und Namen gibt.

Die Antwort auf die Frage, ob Siri immer zuhört, heißt: „Ich höre nur zu, wenn du mit mir sprichst“. Diese Angabe ist schlichtweg falsch, weil die Regelmäßigkeit, mit der auch dann aufgezeichnet wird, wenn es sich um ein Versehen handelt (mitunter sogar nach dem lauten Ziehen am Reißverschluss), zu groß ist. Bei Apple können Nutzer zudem kein Opt-out für bestimmte Nutzungen ihrer Aufzeichnungen anwählen, was bei Amazon und Google möglich ist. Dabei brüstet sich Apple, das mit gut 35 Prozent Marktanteil auf dem Smart Watch-Markt führend ist, mit einer starken Privatsphäre. Zumindest in Bezug auf die Sprachassistenz scheint es mit dieser nicht weiter her zu sein als bei Google oder Amazon.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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