Social Media Marketing

Neurowissenschaften: Warum Instagram-Likes die neue Schokolade werden könnten

Ein psychologisches Experiment mit überraschendem Ergebnis – bei dem Erhalt von Likes sind dieselben Gehirnregionen aktiv wie bei dem Verzehr von Schokolade.

© Flickr / Martin Cooper, CC BY 2.0

Kalifornische Forscher machten eine verblüffende Entdeckung. In einem Experiment mit Teenagern stellten sie fest, dass der Gruppenzwang bei der Like-Vergabe für Fotos auch stark im Netz wirkt und Likes für eigene Fotos vom Gehirn wie der Verzehr von Schokolade verarbeitet werden.

Ein „innovatives“ soziales Netzwerk im Versuchslabor

Die sozialen Medien haben längst in unserem Alltag Einzug erhalten und die nächste Generation von Heranwachsenden wird sich an ein Leben ohne sie gar nicht mehr erinnern können. Das ruft auch die Wissenschaft auf den Plan, die den Einfluss der Social Media auf die Gesellschaft studiert. Wurde erst kürzlich der fragwürdige Umgang mit Schönheitsidealen auf Facebook diskutiert, kommt nun eine weiterer interessanter Punkt, der die Jugend betrifft, hinzu.

Wissenschaftler der University of California, Los Angeles, führten eine Studie durch, um die Auswirkungen von Social Media auf das im Entwicklungsstadium befindliche Gehirn zu ergründen. Für die Untersuchung, die in der Abhandlung „The Power of the Like in Adolescence“ mündete, luden sie 32 Teenager im Alter von 13 bis 18 Jahren ein. Die Forscher präsentierten ihnen innerhalb von 12 Minuten auf dem Bildschirm in Instagram-Manier insgesamt 148 Fotos. 40 davon stammten von dem jeweiligen Teenie selbst. Das Experiment wurde als Test für ein neues soziales Netzwerk deklariert und die angezeigten Likes der Bilder im Voraus von den Wissenschaftlern festgelegt – die Probanden glaubten wiederum, dass die Bewertungen von den anderen Teilnehmern abgegeben wurden.

Der Gruppenzwang im Netz sorgt für Likes

Dabei zeigte sich, dass diese eher dazu neigten, einem Foto ein Like zu geben, wenn es zuvor bereits welche verzeichnen konnte. Es stellte sich zudem heraus, dass es keinen Unterschied machte, ob die Bilder Alkohol, Zigaretten, Essen oder Freunde zeigten und aus dem eigenen Fundus stammten. Die Psychologin Lauren Sherman kommentierte den Verlauf des Versuchs wie folgt:

We showed the exact same photo with a lot of likes to half of the teens and to the other half with just a few likes. When they saw a photo with more likes, they were significantly more likely to like it themselves. Teens react differently to information when they believe it has been endorsed by many or few of their peers, even if these peers are strangers.

Patricia Greenfield, Director des Children’s Digital Media Center der UCLA, schiebt dies auf den Gruppenzwang, der auch in sozialen Netzwerken herrscht, und sogar bei Bildern von Fremden greift. Sie ergänzt:

For all three types of photographs — neutral, risky and even their own — the teens were more likely to click like if more people had liked them than if fewer people liked them. The conformity effect, which was particularly large for their own pictures, shows the importance of peer-approval.

Gibt es in Zukunft zur Belohnung Likes statt Schokolade?

Darüber hinaus konnten die Forscher eine erstaunliche Beobachtung machen. Mithilfe der Funktionellen Magnetresonanztomographie analysierten sie die Gehirnaktivitäten der Teenager. Während des Like-Prozesses verzeichneten verschiedene Teile des Gehirns deutliche Aktivität, unter anderem auch die Region, die für Belohnungen zuständig ist. Insbesondere als die eigenen Fotos (vermeintlich) virtuell wertgeschätzt wurden, wurde es laut Sherman stimuliert:

When the teens saw their own photos with a large number of likes, we saw activity across a wide variety of regions in the brain.

Dabei handelt es sich laut den Wissenschaftlern unter anderem um das gleiche Areal, das bei dem Konsum von Schokolade oder Gewinnen von Geld involviert ist. In den Ergebnissen beschreiben sie die konkreten Regionen:

Viewing photos with many (compared with few) likes was associated with greater activity in neural regions implicated in reward processing, social cognition, imitation, and attention.

Was lernen wir daraus? Die Ergebnisse sind wie bei allen Experimenten mit Vorsicht zu genießen, doch deren Kernaussage lautet wie folgt: Im Prinzip spielt der Content in Bildernetzwerken aus Sicht der Teenager keine Rolle dabei, ob sie auf ein Foto virtuell reagieren oder nicht. Entscheidender ist hier die bereits bestehende Anzahl der Likes. Wenn das eigene Bild Zuspruch in Form von Likes erfährt, sorgt das Belohnungszentrum im Gehirn für eine biochemische Reaktion ähnlich wie während des Verzehrs von Süßigkeiten.

Quelle: Medical Daily, Sience Daily, Psychological Sience

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien, Conversion Optimierung und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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