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Mögliches Google Update: Wikipedia verliert Sichtbarkeit

Gab es zum Start der Sommerferien in Deutschland ein größeres Google Update? Einige Indizien sprechen für gravierende Änderungen am Algorithmus.

© StockSnap.de - Edho Pratama, CC0

Gab es um den 25. Juni 2017 ein größeres Google Update in den USA? Es gibt diverse Anzeichen für ein entsprechendes Update und nach einer Analyse von Searchmetrics zeigen sich auch Veränderungen in den Deutschen SERPs.

Wikipedia verliert an Sichtbarkeit

In den USA berichtete Barry Schwartz vom Search Engine Journal zuerst über das vermeintliche Update. Bei dem Update Ende Juni sind keine klaren Muster zu erkennen. Eine erste Auswertung zeigte besonders große Veränderungen um die Suchergebnispositionen 6-10.

Nach einer Auswertung von Searchmetrics gab es auch in Deutschland Auffälligkeiten innerhalb der letzten Wochen. Insbesondere Wikipedia hat dabei stark an Sichtbarkeit verloren. Grund hierfür könnte die verstärkte Integration des Knowledge Graph bei Suchanfragen sein. Im Google.com-Index ist nach der Integration des Knowledge Graph die Sichtbarkeit von Wikipedia.org um knapp 4 Prozent gesunken.

Knowledge Graph Integration vs. Wikipedia Sichtbarkeit, © Searchmetrics

Lexika und Wörterbücher gewinnen an Bedeutung

Seit Anfang 2017 gewinnen Online-Wörterbücher und Lexika im Google-Index an Sichtbarkeit. Wörterbücher und Übersetzungsseiten wie dict.cc, leo.org und openthesaurus.de erleben einen enormen Schub seit Ende Mai. Mittlerweile hält sich die Sichtbarkeit stabil und es ist ein leichter Seitwärtstrend zu erkennen.

Wörterbücher und Lexika ranken häufig zu generischen Suchbegriffen aus dem Shorttail-Bereich. Oft handelt es sich hier um Suchanfragen mit einem hohen Suchvolumen. Ein klassisches Beispiel, welches von Searchmetrics angeführt wird, ist das Keyword „Zugverbindung“.  Bei einem eigenen Check der SERPs am 19.07.2017 tauchen fünf Wörterbücher bzw. Lexika in den Top 10 auf:

  • Position 5: Linguee (Übersetzungswebsite)
  • Position 6: Pons (Übersetzungswebsite)
  • Position 7: leo.org (Übersetzungswebsite)
  • Position 8: dict.cc (Übersetzungswebsite)
  • Position 9: reverso.net (Übersetzungswebsite)

Google-SERPs: „Zugverbindung“ vom 19.07.2017, Quelle: Screenshot

Auffällig ist die hohe Anzahl an Übersetzungswebsites. Google spielt hier verschiedene Quellen aus. Vier Mal von Deutsch ins Englische und einmal von Deutsch ins Französische. Neben dem klassichen Angebot einer reinen Übersetzung spielt Google auf Position 9 auch ein Ergebnis mit Synonymen innerhalb der Description aus.

Möglicherweise testet Google hier inwiefern das Suchinteresse nach Übersetzungen bzw. Definitionen bei entsprechenden Shorttail Suchanfragen eine Rolle spielt. Auch könnte ein Zusammenhang zu sprachbezogenen Suchen möglich sein. Denkbar ist ebenfalls, dass Google seinen internen Translate Dienst bei Shorttail Suchanfragen weiter ausrollen möchte. Durch das Hervorheben von Übersetzungswebsites können so Informationen über die Intentionen der User gesammelt werden. Im Anschluss würde Google dann bei Shorttail Anfragen, welche auf Übersetzungen abzielen, seinen eigenen Dienst prominent einbinden. Diese Aussage ist allerdings rein spekulativ.

Spotify und Reddit gewinnen ebenfalls

Google selbst hat sich zu einem möglichen Update nicht geäußert. Es gibt jedoch auch Indizien, welche für ein Core Update sprechen könnten. So gewannen Spotify und Reddit wieder an Sichtbarkeit, nachdem beide Anfang des Jahres in den USA und Deutschland Verluste hinnehmen mussten:

Sichtbarkeit von Spotify und Reddit im zeitlichen Verlauf, © Searchmetrics

Nach der Auswertung von Searchmetrics könnte eine Neubewertung des Contents stattgefunden haben. Insbesondere Reddit lebt von der Community und dem Austausch innerhalb der Plattform. Möglicherweise hat Google am Faktor der Usersignals geschraubt und diese Änderung nun abgeschwächt bzw. anders gewichtet.

Direct Answer Box mit verschiedenen Quellen

Eine weitere Änderung in den SERPs sind die Quellen bei Featured Snippets bzw. Direct Answers. Sucht man beispielsweise nach Rezepten oder „Eier kochen“ liefert Google eine direkte Antwort innerhalb der SERPs. Diese treten in Form von Featured Snippets bzw. Direct Answers mit Text und Bildinhalt auf. Im gezeigten Beispiel von Searchmetrics stammen Textinhalt und Bild von unterschiedlichen Quellen. Im analysierten Beispiel unterscheiden sich die Bilder beider Websites kaum. Auch ranken beide Portale – in diesem Fall lecker.de und springlane.de – zum Keyword „Eier kochen“ in der Bildersuche von Google. Auch hier wird nicht deutlich warum Google diese Änderung durchgeführt hat und welcher Zweck verfolgt wird.

Direct Answer zur Suche „Eier kochen“ mit zwei verschiedenen Quellen, © Searchmetrics

Wie sollten Seitenbetreiber reagieren?

Die diversen genannten Änderungen lassen den Rückschluss zu, dass es sich hier nicht um ein Update gehandelt hat. Vermutlich spielen mehrere Faktoren und Änderungen am Algorithmus eine Rolle. Es scheint sich bei den Updates eher um eine Neubewertung von spezifischen Seitentypen und dessen Content-Arten gehandelt zu haben.

Webseitenbetreiber und Webmaster sollten trotz sommerlichen Temperaturen erst einmal einen kühlen Kopf bewahren und nicht in Panik verfallen.

Quelle: Searchmetrics

Über Florian Franck

Online-Marketeer aus Leidenschaft, begeisterter Gamer und Early Adopter neuer Technologien. Redaktionelle Schwerpunkte: SEO sowie Trends und Neuigkeiten aus der OM-Szene.

3 Gedanken zu „Mögliches Google Update: Wikipedia verliert Sichtbarkeit

  1. Janosch

    Mega Entwicklung auch in meinen Onlineshops auf denen ich schon seit geraumer Zeit auf Produkt und Käufer fragen wo eingehe das Google sie als Direct answer erkennt. Für mich eine unglaublich positive Entwicklung. Sehr gut zusammengefasst Herr Franck

    Antworten
  2. Florian Franck Artikelautor

    Moin Julius

    Danke für deinen Kommentar. Und ja der Umschwung ist wirklich erstaunlich. Grundsätzlich erfüllen alle Übersetzungswebsites natürlich die selbe Funktion. Ich vermute, dass Google hier nach dem besten Ergebnis sucht und dadurch mehrere Übersetzungswebsites anbietet. Welche von den Seiten dann die beste Userintention bedient, bleibt in den SERPs erhalten. Englisch und Französisch sind weit verbreitete Sprachen. Somit ergibt es also auch Sinn, dass beide Varianten angeboten werden.

    Und bei Shorttail-Keywords gibt es sowohl sehr abwechslungsreiche SERPs, als auch solche die nicht wirklich Abwechslung bieten.

    Mehr Beiträge folgen in Kürze :-)

    LG
    Florian

    Antworten
  3. Julius

    Lieber Florian,

    sehr interessanter Beitrag! Das ist tatsächlich mal ein Umschwung, Wikipedia war ja sonst eigentlich eher konstant im Aufstieg, was die Sichtbarkeit anbetrifft.

    Den Aufstieg der Übersetzungswebsites halte ich ebenfalls für interessant. Allerdings kann ich mir keinen wirklichen Reim darauf bilden. Da alle im Grunde genommen die selbe Funktion erfüllen – warum die Serps nicht ein wenig abwechslungsreicher gestalten? Hmm, solange die Übersetzung zur Nutzerintention passt …

    Auf jeden Fall ein interessanter Beitrag, ich freue mich auf mehr!

    Liebe Grüße und einen schönen Abend,
    Julius

    Antworten

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