Social Media Marketing

Der Wunsch abzunehmen machte sie zur Influencerin und Social Media Beraterin – Kim Christin Becker, Lucky Shareman

Kim Christin Becker ist als erfolgreiche Influencerin zur Agenturseite gewechselt. Was sie über das Influencer Marketing denkt und inwieweit die eigenen Erfahrungen bei ihrer Arbeit als Social Media Beraterin dienlich sind, hat sie uns im Interview verraten.

Kim Christin Becker ist Instagrammerin mit knapp 30.000 Followern und seit kurzem als Social Media Beraterin auf Agenturseite tätig.

Wer auf Instagram aktiv unterwegs ist, weiß wie schwer es mitunter sein kann, Follower und Engagement zu generieren. Ist hier aber erstmal eine hohe Anzahl erreicht, lassen auch die Unternehmen nicht lange auf sich warten. Kim Christin Becker konnte in diesem Bereich jede Menge Erfahrungen sammeln, bevor sie als Social Media Beraterin auf Agenturseite gewechselt ist. Im Interview sprach sie mit uns unter anderem über unmoralische Angebote von Unternehmen und darüber, wie sie sich den richtigen Umgang von Marken mit Influencern vorstellt. Darüber hinaus erzählt sie von ihrer eigenen Journey und legt anderen Instagrammern wichtige Tipps ans Herz, die ebenfalls eine Karriere als Influencer anstreben.

„Durchhaltevermögen, sich selbst treu bleiben, nicht versuchen, jemanden zu imitieren – darauf kommt es an.“ Interview mit Kim, alias Vorstadtprinzessinkim

Als Kim vor dreieinhalb Jahren mit Instagram anfing, war sie 25. Weil sie mit ihrem Gewicht nicht glücklich war, absolvierte sie ein Programm und dokumentierte ihre Fortschritte auf YouTube und Instagram. Mit ihren Themen, die neben Fitness auch Healthy Living, Fashion und Interior umfassen, hat sie fast 30.000 Follower generieren können, deren Anzahl stetig weiter wächst. Nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau studierte sie Wirtschaftskommunikation in Dänemark und arbeitet nun als Social Media Beraterin bei der Agentur Lucky Shareman. Ihrer Ansicht nach ist aber nicht der akademische Hintergrund ausschlaggebender Karrierefaktor für ihren Beruf, sondern viel eher die Leidenschaft und Lust am Thema.

© Vorstadtprinzessinkim | Instagram

© Vorstadtprinzessinkim | Instagram

OnlineMarketing.de: Wie ist es dir gelungen, eine so große Followerschaft aufzubauen? Verrate uns dein Erfolgsrezept!

Kim Christin Becker: Groß liegt ja immer im Auge des Betrachters. Ich stehe jetzt kurz vor 30K. Ich finde das persönlich moderat, aber das soll jetzt gar nicht negativ gemeint sein. Vor anderthalb Jahren ist meine Fanbase sprunghaft gewachsen. Damals hab ich das Size-Zero-Programm absolviert und das mit einem Videotagebuch auf Youtube und eben auch auf Instagram begleitet. Seitdem poste ich zu den Themen Fitness und Healthy Living, aber auch Fashion und Interior – diese Vielfältigkeit an schönen Bildern freut meine Follower und es kommen immer mehr Leute hinzu, die all diese Themen interessieren.

Erfolgsrezept? Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu sein, nicht übermäßig viel Werbung zu machen, seinen Followern Rede und Antwort zu stehen und mit ihnen zu interagieren. Ach ja, authentische Fotos braucht es auch noch. Und eine gewisse Regelmäßigkeit ist vonnöten. Meine Follower hören etwa einmal am Tag von mir. Zumindest auf Instagram. Auf Snapchat bin ich im Gegenzug sehr aktiv, was auch mit sehr hohen Interaktionen honoriert wird.

Wann kamen die ersten Brands auf dich zu?

Ich würde sagen, als ich so etwa 25.000 Follower hatte. Vorher macht es für Marken keinen Sinn, weil die Reichweite einfach zu klein ist und das den Produktgegenwert oder die Bezahlung nicht rechtfertigt. Seitdem habe ich für Fitnessklamotten, Supplements und fürs Size-Zero-Programm geworben.

Gab es darunter auch „unmoralische Angebote“ in Bezug auf eine Nichtkennzeichnung von Werbung? Wenn ja: Zu welchem Anteil und wie hast du darauf reagiert?

Auch wenn ich noch keine riesige Followerbase aufgebaut habe, bekomme ich etwa zwei- bis dreimal im Monat Werbeanfragen. Und ja, im Laufe des Austauschs mit Unternehmen klingt es manchmal durch, dass sie nicht wollen, dass man Postings als Werbeaktion erkennt. Ich will aber ehrlich zu meinen Followern sein. Wenn mir ein Produkt von vornherein nicht gefällt, lasse ich es mir außerdem erst gar nicht schicken, auch dann nicht, wenn das Unternehmen mit Geld winkt. Ich würde mich auch nie drauf einlassen, einen Deal zu machen, dass mein Feedback zum Produkt unbedingt positiv ausfallen muss.

Sind dir Unternehmen bekannt, die bereits für Schleichwerbung angezeigt wurden?

Nein, ich kenne kein einziges Unternehmen, dass dafür angezeigt wurde. Ich sehe aber ständig auf Instagram, dass die Leute etwas bewerben, ohne zu sagen, dass sie dafür von den Marken beauftragt wurden. Das fällt mir immer dann auf, wenn mehrere Instagrammer zum etwa selben Zeitpunkt ein Produkt wie aus heiterem Himmel promoten.

Nun hast du ja inzwischen die andere Seite kennengelernt, da du zur Agenturseite gewechselt bist. Inwiefern sind dir die Erfahrungen, die du als Influencerin machen konntest, dabei eine Hilfe?

In der Auswahl der Influencer, die wir für die Brands treffen, ist meine persönliche Erfahrung sehr viel wert. Es spart einfach Zeit, da ich viele Leute kenne und auch Fake-Accounts oder unorganisch gewachsene Accounts relativ schnell entlarven kann. Die Followerzahl eines echten Influencer steht immer in einem gesunden Verhältnis zur Interaktionsrate.

Ich kann mich auch in die Lage der Influencer versetzen in Hinblick auf E-Mail-Verkehr oder Kampagnenbriefings. Wie man angesprochen und behandelt werden will. Als weiteres Selektionskriterium für die Influencer pflegen wir bei Lucky Shareman eine eigene Influencer-Datenbank, in der man zum Beispiel gezielt nach Verticals wie Food, Urban, Travel, Beauty etc. filtern kann.

Kims Instagram-Profil, das täglich mindestens einmal von ihr bespielt wird.

Kims Instagram-Profil, das täglich mindestens einmal von ihr bespielt wird.

Welche Vorteile haben deine eigenen Erfahrungen im Umgang mit deinen jetzigen Kunden?

Da wir für unsere Kunden das komplette Handling für eine Influencer-Kampagne übernehmen, habe ich sehr viel Kontakt zu den Influencern selbst, die für eine Kampagne angefragt und gebucht werden. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es immer netter ist, wenn man bei einer Kooperationsanfrage nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und tausend Fakten auf einen niederprasseln, sondern erst einmal fragt, ob der Influencer generell Interesse hat. Oft melden sich die Agenturen oder Brands auch gar nicht mehr zurück, wenn man als Influencer doch nicht, wie anfangs gedacht, ins Raster einer Kampagne passt. Das geht gar nicht. Eine freundliche Absage sollte schon drin sein.

Wie sollten Brands mit Influencern am ehesten umgehen? Was ist Marken dabei zu raten?

Generell rate ich Marken, Influencer wertzuschätzen und ihre Wirkung nicht zu unterschätzen. Oft werden Influencer nur als „bespielbares“ Werbemedium behandelt, das möglichst auch nichts kosten darf. Wenn man es professionell macht, ist Influencer zu sein aber ein Vollzeitjob. Marken bekommen hochwertigen Content. Es ist doch eine Win-Win-Situation. Mein Rat an Marken: Behandelt die Leute gut und schätzt, was die Influencer für euch tun können! Die fehlende Wertschätzung lastet auf den Leuten. Standardanschreiben für Kooperationen sind No-Gos. Es muss klar werden, dass man sich mit der Person beschäftigt hat.

Wann hat ihr Einsatz die größten Erfolgsaussichten?

Wenn die Influencer ein Produkt, eine Marke oder ein Event authentisch rüberbringen und auf ihre individuelle Art interpretieren können. Denn nur so lassen sich die Follower begeistern. Wir haben letztes Jahr noch unter Kontor Digital Media eine Influencer-Kampagne für Sennheiser auf Instagram gemacht. Es sollte die neue Urbanite-Kopfhörerreihe beworben werden. Die Influencer haben so tolle Fotos mit dem Produkt in urbaner Atmosphäre geschossen. Marken sollten sich trauen, aus der klassischen Werbung auszubrechen.

Betreibst du deinen Instagram-Kanal nebenher weiter? Wo liegt dein Fokus? Was kannst du dir für die Zukunft eher vorstellen?

Ich bin weiterhin auf Instagram und ja auch auf anderen Kanälen wie YouTube und Snapchat aktiv, auch wenn ich jetzt für Lucky Shareman tätig bin. Mein Fokus liegt immer noch weitestgehend auf Fitness, Healthy Living und Lifestyle. Ich glaube, viele Influencer kommen irgendwann in die Situation, dass sie sich fragen, ob sie nicht aus ihrem Image, das sie sich aufgebaut haben, rauswachsen. Ich stecke gerade in einer Findungs- oder Kreativphase oder wie man das auch nennen möchte. Die Inhalte spiegeln wider, wie mein Leben ist. Momentan sündige ich ab und zu (Schokolade natürlich!) und erzähle meinen Followern, was in mir vorgeht. Es gibt viele Leute, die ihren Feed thematisch sauber halten, die posten nur weiße Dinge oder sprechen nur über Thema XY. Das finde ich unnatürlich. Ich hab keine Lust auf gestellte Fotos oder Inhalte. Ich bin immer noch ich. Instagram ist ’ne App und kein Lebensinhalt. Viele Influencer und User sind extrem drauf. Für mich ist es ein nettes Hobby, für manche ’ne super Einkommensquelle, aber darüber sollte man sein wirkliches Leben nicht vergessen.

Hat dir Instagram dabei geholfen, deine Träume und Ziele zu verwirklichen? Würdest du etwas anders machen, wenn du die Chance hättest?

Ich habe ja damals das Size-Zero-Programm auch über Instagram dokumentiert und das Feedback der Leute war für mich eine Riesenmotivation beim Abnehmen. Noch heute steht in meiner Instagram-Bio „My Journey from Fat 2 Fit“. Ich teile mit anderen, was ich tun muss, um fit zu bleiben. Fitness hat viel mit Disziplin zu tun. Ich lese auch gern Geschichten von anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das ist toll. Da hole ich auch weiterhin meine Motivation her.

Ich habe während des Studium mit Insta angefangen und habe darüber die Welt gesehen. So viele Leute, denen ich gefolgt bin, haben tolle Reisebilder gepostet und die Bilderflut hat mich so gepackt, dass ich nach dem Studium dann direkt meinen Rucksack geschnappt und die Ostküste Thailands bereist habe. Diese Erfahrung lässt mich einfach nicht mehr los. Hätte ich die Chance dazu oder würde ich meine ganze Energie darauf setzen, würde ich aus meinem Instagram-Feed total gern einen Travel-Feed machen und Reisebloggerin werden. Einfach raus, unterwegs sein, über den Tellerrand gucken. Da müsste man aber viel für tun.

Was würdest du anderen am ehesten ans Herz legen, die eine Influencer-Karriere anstreben?

Ich würde ihnen raten, es nicht zu machen, wenn sie schlichtweg ‚Influencer‘ sein wollen, um Benefits abzugreifen. Durchhaltevermögen, sich selbst treu bleiben, nicht versuchen, jemanden zu imitieren – darauf kommt es an. Ich finde, die verschiedenen Inhalte, die man ‚produziert‘, müssen auch nicht immer 100-prozentig zueinander passen. Man kann auch zeigen, wer man privat ist. Es muss nicht alles „schön“ sein. Das wäre künstlich. Und natürlich keine Likes kaufen oder Follower anbetteln. Man selbst und die Fanbasis müssen authentisch sein, sonst bist du auch kein Influencer.

Vielen Dank!

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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2 Gedanken zu „Der Wunsch abzunehmen machte sie zur Influencerin und Social Media Beraterin – Kim Christin Becker, Lucky Shareman

  1. Alina C.

    Obwohl ich den Artikel komplett gelesen habe, leuchtet mir der Sinn des Ganzen dennoch nicht ein. Das ist doch nichts anderes als eine neumodische Werbemasche. Und Werbung nervt nun mal in der Regel – von den meisten Leuten würde man diese Antwort bekommen. Da ist es egal, ob sie hinter einem netten Foto „versteckt“ wird oder ob sie plump und offensichtlich daher kommt. Als Kim kürzlich auf Snapchat immer wieder diese Glühbirnen angepriesen hat, habe ich auch nicht länger zuschauen wollen. Es hat mich schlichtweg genervt. Und dass sie hier im Artikel behauptet, der Feed müsse nicht ’schön‘ sein, weil sowas künstlich rüberkommt …… seriously? Jedes zweite bis dritte Bild auf ihrem Feed ist komplett gestellt. Die Bilder sind nett, aber sie stechen nicht raus. Ich kann nur für mich sprechen, aber Instagram hat mich noch nie zum Kaufen verleitet. Im Gegenteil: wenn jemand mir dort etwas „unterjubeln“ will, klick ich erst recht weg. Und ich kenne sehr viele, die es ähnlich handhaben. Ich frage mich, ob den Influencer Agenturen diese Kehrseite eigentlich bewusst ist.

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  2. Benjamin Schneider

    Ja so kann es gehen. Man macht etwas mit einem Ziel und aus Leidenschaft und irgendwann kann man davon Leben :-) Tolles Interview. Die die mit Social Media nur wegen des Geldes wegen anfangen, werden nicht das Durchhaltevermögen haben, das es bedarf um wirklich erfolgreich zu werden.

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