Social Media Marketing

15.000$ für einen blauen Haken: Der Instagram-Schwarzmarkt blüht

Eine Verifizierung zu beantragen ist auf Instagram nicht möglich. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, kann sich einen blauen Haken auch illegal beschaffen.

©perzonseowebbyra.se, CC BY 2.0

Mashable berichtete kürzlich von einem Schwarzmarkt für Instagram Verifizierungen, auf dem interessierte User einen blauen Haken kaufen können. Ob sich ein solches, anscheinend nicht unübliches, Vorgehen nicht negativ auf die Glaubwürdigkeit einer Plattform auswirkt, auf der Werbetreibende jährlich über eine Milliarde US-Dollar ausgeben, bleibt fraglich. Was hat es mit dem Handel auf sich?

Der Handel ist in der Szene ein offenes Geheimnis

Eine Verifizierung kann bis zu 15.000 US-Dollar kosten, so schreibt Kerry Flynn auf Mashable. Das Geschäft mit den blauen Haken ist dabei so lukrativ, dass die Händler lediglich eine geringe Anzahl der Haken im Monat vermitteln müssen, um davon leben zu können.

Der blaue Haken ist deshalb so begehrenswert, weil er, im Gegensatz zu Facebook oder Twitter, nicht beantragt werden kann. Instagram vergibt diese ausschließlich selbst an Personen des öffentlichen Lebens, Stars oder Brands. Eine Verifizierung verschafft den Accounts unter anderem eine Topplatzierung in der Suche und gilt auf der Plattform als Statussymbol.

In der Influencer-Szene sei der Schwarzmarkt ein offenes Geheimnis, so Flynn. Auf die richtigen Kontakte komme es an. Instagram selbst hat am Erstarken eines Schwarzmarktes für seine Verifizierungsbanner großen Anteil: So gibt es erfolgreiche, reichweitenstarke Influencer, die Werbedeals und Referenzen vorweisen können, jedoch trotzdem keinen blauen Haken erhalten. Die Plattform hat durch ihr Vorgehen dafür gesorgt, dass sie als exklusiv und elitär wahrgenommen wird.

Mittelsmänner haben gute Kontakte zu Instagram

Um an einen Banner zu gelangen, muss der Weg über einen Mittelsmann bestritten und Geld in die Hand genommen werden. Der Vermittler verfügt über Kontakte zu Mitarbeitern bei Instagram, die eine Verifizierung entsprechend freischalten.

So berichtet ein Mittelsmann, der sich James nennt, gegenüber Flynn, er habe einen Freund bei Instagram, mit dem er die Geschäfte abwickelt. Pro Verifizierung berechnet der Mitarbeiter 1.200 US-Dollar. Hinzu kommt James’ Vermittlungsgebühr. Laut eigener Angaben hält sich die Anzahl der Verifizierungen jedoch in Grenzen. Denn jede potentielle Verifizierung muss mit einem offiziellen Formular eingereicht werden, auf das nur ein kleiner Personenkreis Zugriff hat. Die Gefahr dabei aufzufliegen ist nicht eben gering.

Ein weiterer Mittelsmann berichtet von Preisen zwischen 5.000 und 8.000 US-Dollar je Verifizierung, abhängig davon, wie schwierig sich das Unterfangen jeweils gestaltet. Dabei kommt es etwa darauf an, ob der User bereits in der Öffentlichkeit steht. Auch er gibt an, eng mit Instagram Mitarbeitern zusammenzuarbeiten.

Instagram kann dem nur mit der Möglichkeit der Beantragung entgegenwirken

Mit zunehmender Relevanz für das Marketing und den Unmengen an Budgets, die auf der Plattform ausgegeben werden, nehmen auch die Anfragen nach blauen Haken zu. Um den Schwarzmarkt auszuhebeln, könnte Instagram künftig eine Beantragung der Verifizierung einführen. Floriert der illegale Handel weiterhin ohne ein Einschreiten seitens des Netzwerkes, tut die Plattform sich selbst keinen Gefallen und kann weiterhin an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Erst in diesem Jahr hatte Instagram gegen die zunehmende Flut an Bots zu kämpfen, die die Plattform heimgesucht und Fake Engagement erzeugt hat. Nachdem die Drittanbieter-Apps endlich vom Markt genommen wurden, kann sich das Netzwerk allmählich erholen.

Instagram hat ein Statement zum Schwarzhandel gegenüber Mashable abgelehnt, jedoch geht aus den Nutzungsbedingungen der Plattform klar hervor, dass eigenhändige Verifizierungen streng untersagt sind:

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Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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