Social Media Marketing

Nach dem Abgang der Gründer: War’s das jetzt mit Instagram, wie wir es kennen?

Die Co-Founder haben Facebook nach Unstimmigkeiten mit Alleinherrscher Zuckerberg verlassen. Im Grunde kann das für Instagram nicht viel Gutes bedeuten.

Kevin Systrom und Mike Krieger haben das Facebook-Schlachtschiff verlassen. Sechs Jahre lang haben sie den Einfluss Zuckerbergs auf die Plattform versucht so gering wie möglich zu halten. Nun hat der Imperator gewonnen. Was bedeutet der Abgang der beiden Gründer jetzt für Instagram?

Instagram im Zentrum von Zuckerbergs Interesse

Öffentlich war es ein Abschied im Guten; man verabschiedete sich und bedankte sich gegenseitig für eine schöne Zeit. Doch hinter den Kulissen brodelte es nach Bloomberg-Insider-Informationen seit längerem gewaltig. Das Fass zum Überlaufen hat Gerüchten zufolge wohl eine Neubesetzung im Management gebracht, die dazu führte, dass der direkte Zugang Systroms zu Zuckerberg nun unterbrochen war. Weiterhin mischte Zuckerberg sich in Anbetracht der andauernden Krise Facebooks und dem anhaltenden Nutzerschwund mehr und mehr ins Geschäft Instagrams ein, dessen Reputation weiterhin tadellos blieb. Denn während der blaue Riese strauchelt, entwickelt sich Instagram zur prosperierenden Plattform, weist derzeit bereits über eine Milliarde Nutzer auf und das Beste daran: Die User gehören überwiegend einer sehr jungen Zielgruppe an. Facebook hat schon länger ein Problem damit, Nachwuchs-User auf die Plattform zu ziehen. Unter anderem, weil Eltern und Verwandte sich hier tummeln, finden junge Nutzer Facebook weniger attraktiv. Instagram ist der place-to-be und die Tendenz steigt weiter.

In der logischen Konsequenz hat der Facebook-Chef ein Auge auf das Netzwerk geworfen. Was das bedeuten könnte? Facebook finanziert sich durch sein äußerst lukratives Anzeigengeschäft. Es gibt auf dem Sozialen Netzwerk kaum mehr einen Ort, an dem der ordinäre Nutzer nicht mit auf ihn persönlich zugeschnittenen Werbeanzeigen konfrontiert wird. War Instagram anfangs lediglich dazu gedacht, dass Nutzer ihre Fotos hochladen und mit anderen teilen können, hat sich seit dem Kauf durch das Facebook-Imperium vor sechs Jahren auch hier einiges in Sachen Advertising getan. Die Ausmaße, wie sie auf Facebook herrschen, hat es zwar noch nicht angenommen. Doch gibt man zu bedenken, dass Systrom und Krieger sechs lange Jahre kontinuierlich versucht haben, den Einfluss Zuckerbergs so gering wie nur möglich zu halten, sind die werblichen, facebook-esken Errungenschaften auf Instagram schon eine ordentliche Leistung. Auch hier werden die Nutzer inzwischen mit einem fast nicht mehr erträglichen Maß an Werbung konfrontiert. Die Möglichkeiten für Werbetreibende sind heute schon umfassend. Das Problem ist, dass die Nutzer die Werbung lediglich ertragen, weil es derzeit keine Alternative zu Instagram gibt. Mit dem Abgang der beiden Gründer ist die Plattform Facebooks Treiben nun schutzlos ausgeliefert. Und dabei handelt es sich nicht einmal nur um die mögliche Erhöhung der Werbefrequenz.

Was wird nun aus Instagram?

Der Abgang kann durchaus bedeuten, dass von dem Instagram, das wir kennen, bald nicht mehr viel übrig sein wird. Systrom und Krieger waren stark in tägliche Entscheidungen involviert, um die Autonomie der Plattform zu erhalten. IGTV etwa existiert wegen Systrom und wurde fast nicht eingeführt, aus Angst einen zu großen Gegenpart zu Facebook Watch darzustellen. Die Zukunft wird zeigen, was aus IGTV nun wird. Generell sind die beiden bei der Einführung neuer Produkte stets mit höchster Vorsicht vorgegangen. So wurde etwa die Favoriten-Funktion 15 Monate und eine Standalone Messaging App 10 Monate getestet, bevor eine Entscheidung gefällt wurde. Schlussendlich werden die verbliebenen Mitarbeiter laut Casey Newton, Facebook-Experte bei The Verge, zunehmend dafür eingesetzt werden, ein Frontend für Facebooks Werbenetzwerk zu entwickeln. Am Ende bedeutet dies vermutlich, dass die Plattformen mehr und mehr miteinander verschmelzen werden.

Doch zumindest für die User könnten sich demächst neue Chancen ergeben. Die Gründer des inzwischen erfolgreichsten visuellen Netzwerkes weltweit werden Facebook sicher nicht ohne Plan B verlassen haben. So lässt sich in Systroms Statement auf dem Instagram Business Blog unschwer herauslesen, dass er Neues im Sinn hat. Für Advertiser hingegen wird der Verlust vermutlich nicht allzu schwer sein, eröffnen sich damit jetzt wohl ungeahnte Möglichkeiten.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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