Content Marketing

How-to: Content Marketing mit Alexa

Voice Marketing wird immer relevanter. Wie Unternehmen in diesem Bereich mit ihrem eigenen Alexa Skill durchstarten können, erfährst Du hier.

© Jan Antonin Kolar - Unsplash

Sprachassistenten wie Alexa oder Google Assistant erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Für Unternehmen stellen sie einen neuen Marketing- und Kommunikationskanal dar, der unter dem Begriff Voice Marketing zunehmend mehr Aufmerksamkeit erhält. Marketingexperte Sinan Arslan und Softwareentwickler Ziad El-Jayyousi von der Digitalagentur Neofonie zeigen auf, warum “Voice” zum zukünftigen Marketing Mix gehört und erläutern die Entwicklung in fünf Schritten am Beispiel eines eigenen Projektes.

Voice als Schnittstelle zum Kunden

Im Frühjahr gab Amazon bekannt, weltweit bereits mehr als 100 Millionen Amazon Echos verkauft zu haben. Die Verbreitung von Sprachassistenten erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Rund 15 Prozent aller Deutschen mit Internetzugang nutzen laut “Trendmonitor Deutschland“ Amazon Echo, Google Home oder einen HomePod. Dabei steht Amazon Echo mit der Künstlichen Intelligenz Alexa an erster Stelle, gefolgt von Google Home und dem darauf laufenden Google Assistant. Auch erste PKW-Hersteller liefern Alexa bereits ab Werk aus, so beispielsweise Audi im e-tron. Weitere Modelle sollen noch dieses Jahr folgen.

Vom Blogcast zum Alexa Skill

Was “Apps” auf dem Smartphone sind, nennt sich “Actions” in Google Assistant und “Skills” in Alexa. Die Möglichkeiten reichen dabei von einfachen Skills für Auskünfte bis hin zu komplexeren wie etwa Shopping Skills. Unternehmen können mithilfe von Skills ihren (potenziellen) Kunden mehr Service bieten – einfache Bestellmöglichkeiten, relevante Informationen oder ein direkter Draht zum Support sind nur einige Beispiele. Auch für das Content Marketing bieten Sprachassistenten hervorragende Distributionskanäle. Im konkreten Fall von Neofonie geht es um die Verbreitung von Blogcasts, die vertonte Fassung von Blogbeiträgen, die bislang “nur” über Spotify, iTunes und Soundcloud hörbar sind. Wie aber kommt der Audio Content auf Alexa?

Schritt 1: Den Grad der Individualisierung festlegen

Zu Beginn muss entschieden werden, ob der Skill individuell oder auf Basis einer “Vorlage” entwickelt werden soll. Alexa Skills Kit ist eine Sammlung aus Tools, Dokumentationen und Codebeispielen, um Entwicklern den Einstieg zu erleichtern. Mit den Skill Blueprints gibt es zudem umfangreiche Vorlagen, mit denen Alexa auch ohne Programmierkenntnisse neue Fähigkeiten beigebracht werden kann. Bei unserem Skill “Neofonie Blogcast” haben wir auf eine Mischung aus Vorlagen aus dem Amazon Web Service (AWS)-Portal sowie eine individuell entwickelte Lösung gesetzt. Auf diese Weise verkürzen wir die Zeit bis zum Go-live und können zukünftige Änderungen flexibel nach unseren eigenen Wünschen umsetzen.

Schritt 2: Den Skill entwickeln

Entscheiden sich Unternehmen, mit einem Blueprint zu arbeiten, ist dieser Prozess mitunter schon in wenigen Minuten abgeschlossen. Je nach Komplexität der Anwendung kann der Prozess mehrere Tage oder sogar Wochen in Anspruch nehmen – für unseren Blogcast Skill haben wir etwa drei bis vier Tage benötigt.

 

Um einen Skill zu kreieren, benötigen Entwickler zunächst einen kostenlosen Amazon Developer Account. In der sogenannten “Developer Console”, der Entwicklungsumgebung, hat Alexa einen eigenen Bereich. Entwickler haben zunächst die Wahl zwischen verschiedenen Modellen: Bei einem „One shot-Modell“ wird Alexa aktiviert und führt die definierte Funktion im gleichen Schritt aus – eine Interaktion findet somit nicht statt. Nützlich sind diese Skills bei der Abfrage einzelner Informationen, etwa dem Wetterbericht oder der Uhrzeit. Etwas komplexer sind Dialogmodelle, bei denen Nutzer und Skill miteinander interagieren. Hierbei müssen spezifische „Intents“ festgelegt werden, also alle Ereignisse, die in dem Gespräch stattfinden können – Aussagen und Fragen der Nutzer – und wie der Assistent auf diese reagieren soll. Manche Intents sind verpflichtend, etwa zum Aufrufen von Hilfe oder zum Beenden. Auch unser Blogcast Skill ist so ein Dialogmodell und beinhaltet dabei die Audio Player-Oberfläche für Alexa, um die mp3-Dateien abzuspielen. Wir haben daher Intents eingebaut, die es den Nutzern beispielsweise erlauben, zwischen der verschiedenen Blogcast-Folgen hin und her zu wechseln. Wurden die Dialogmodelle festgelegt, muss der Skill gehostet werden. Auch hierfür bietet Amazon mit AWS-Lambda eine hauseigene Lösung an.

Schritt 3: Skill auf Herz und Nieren prüfen

In dieser Phase wird der Skill ausführlich getestet. Unterschiedliche Testumgebungen und Nutzungsweisen können zu verschiedenen Ergebnissen führen. Aus diesem Grund sollte ein Skill von neutralen Nutzern geprüft werden, die bei der Entwicklung nicht involviert waren. Die “Developer Console” bietet hierfür eine Prüfbereich an, in dem bis zu zwanzig Nutzer aus der Entwickler-Community den Skill auf Herz und Nieren untersuchen und somit Fehlerquellen identifizieren können, die dem Entwicklungsteam bislang unbemerkt geblieben sind.

Schritt 4: Angaben vervollständigen

Hat der Skill seine Funktionstüchtigkeit unter Beweis gestellt, müssen nur noch einige formale Angaben ausgefüllt werden: Eine Kurzbeschreibung sowie eine ausführliche Erklärung, Angaben zum Entwickler und zum Absender. Sollte der Skill weitergehende Funktionen, wie etwa In-App-Käufe oder monetarisierte Werbung beinhalten, sind weitere Angaben, zum Beispiel zu einem Zielkonto, notwendig. Die Anwendung muss zudem einer bestimmten Kategorie zugeordnet werden, um die Auffindbarkeit zu erhöhen. Kurz vor der Absendung ist zudem der Zeitpunkt, zu dem Unternehmen den passenden Sprachbefehl zur Aktivierung ihres Skills festzulegen. Wir haben uns für „Alexa, starte Neofonie Blogcast“ entschieden. Der Befehl sollte eingängig und leicht zu merken sein – so haben Nutzer ihn schnell parat, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Funktion mehrmals benutzt und nicht nach einmaliger Nutzung vergessen wird.

Schritt 5: Zur Publikation freigeben

Nach dem Absenden über das AWS-Portal führt Amazon automatisch eine Kurzdiagnose durch. Diese dauert in der Regel nicht länger als eine Viertelstunde. Das Unternehmen prüft dabei, ob alle notwendigen Angaben ausgefüllt wurden und führt einen automatisierten Schnellcheck der Software durch. Anschließend wird der Skill manuell durch Amazon Mitarbeiter hinsichtlich der Nutzungsbedingungen, Dialogmöglichkeiten und softwareseitigen Funktionsfähigkeit geprüft. Damit ist die Entwicklungsarbeit grundsätzlich abgeschlossen, nach wenigen Tagen ist die Anwendung „live“ und kann von allen Inhabern eines Amazon Echos verwendet werden.

Fazit: Mach deine ersten Erfahrungen

Sprachassistenten werden beliebter und immer häufiger genutzt. Das Zitat von Microsoft-CEO Satya Nadella aus dem Jahre 2014 hat sich längst bewahrheitet: „Die menschliche Sprache ist das neue Interface“. Unternehmen sollten sich lieber heute als morgen Gedanken machen, wie und in welchem Umfang sie Voice Marketing nutzen und im Marketing-Mix integrieren wollen.

Voice als Schnittstelle zum Kunden ist sicherlich noch nicht in der Masse angekommen, jedoch auf dem besten Wege. Grund genug, erste Testprojekte mit digitalen Sprachassistenten zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln – am besten bevor es der Wettbewerber tut.

Über Sinan Arslan & Ziad El-Jayyousi

https://www.neofonie.de/

Sinan Arslan ist Head of Marketing & Communications bei der Berliner Digitalagentur Neofonie. Er interessiert sich für neue Formen des technologiegetriebenen Marketings und sieht im Voice Marketing einen nachhaltigen Trend. Ziad El-Jayyousi ist Softwareentwickler bei der App-Agentur Neofonie Mobile und beschäftigt sich mit Sprachassistenten.

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