Big Data

Google Tracking: Inkognito ist nicht gleich inkognito

Wann der Inkognito-Modus bei Google ausgehebelt wird und wieso der Umfang passiv erhobener Daten besorgniserregend ist, legt eine neue Studie jetzt nahe.

© rawpixel ev | Unsplash, CC0

Dass Google seine User trackt, ist kein Geheimnis. Der Umfang der gesammelten Daten ist hoch und auch der Inkognito-Modus hält unter bestimmten Voraussetzungen nicht, was er verspricht.

Keine Anonymität im Inkognito-Modus

In der Studie der Vanderbilt University in Nashville wurden Daten aller Google Produkte, inklusive Android Smartphones, dem Chrome Browser, YouTube oder Photos, herangezogen. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf dem Inkognito-Modus, bei dem die User sich in vermeintlicher Sicherheit wähnen und davon ausgehen, dass ihre Spuren bei Aktivierung verwischt werden. Doch kann Google unter bestimmten Voraussetzungen die Inkognito-Daten tatsächlich retrospektiv einem bestimmten User zuordnen. Zwar werden die Daten mit einem anonymen Marker gesammelt, doch kann der Konzern diese Daten zu einem späteren Zeitpunkt Nutzerinformationen zuordnen, die mit dem jeweiligen Account verbunden sind.

Startet ein User eine Inkognito Session im Chrome Browser, platziert Google anonyme Cookies. Loggt der gleiche Nutzer sich während der Session bei einem Google Service wie YouTube oder Gmail ein, kann der Anbieter eine Verbindung zur anonymen Aktivität herstellen und dem Nutzer die Daten zuordnen, sofern der Cookie nicht abgelaufen ist oder gelöscht wurde. Mit der Zuordnung der anonymen Daten zu einem bestimmten Nutzer verschaffe Google sich gegenüber anderen Mitbewerbern einen Vorteil, so Douglas Schmidt, Professor für Computer Science und Verfasser der Studie.

Allein das Einloggen in einen Google Service führt demnach dazu, seine Anonymität an den Suchmaschinenanbieter zu verlieren. Der User würde damit in die Irre geführt, gibt Jason Kint, CEO von Digital Content Next, einer Nonprofit Organisation, die einen Gegenpol zu großen Internetkonzernen darstellt, zu verstehen, denn er rechne damit, dass seine anonymen Daten auch anonym bleiben.

Google selbst steht der Studie auf Nachfrage von AdAge kritisch gegenüber und dementiert die Ergebnisse:

[The company does not] join signed-out activity with your Google account information. We do not associate incognito browsing with accounts you may log into after you’ve exited your Incognito session. And our ads systems have no special knowledge of when Chrome is in incognito mode, or any other browser in a similar mode (ex: Safari Private Browsing, Firefox Private Browsing). We simply set and read cookies as allowed by the browser.

Auch an den Forschern lässt die Sprecherin kein gutes Haar. So sei Schmidt bereits in einem früheren Fall als Sachverständiger auf Seiten Oracles in einem Urheberrechtsstreit aufgetreten und würde von Digital Content als Lobbyist eingesetzt werden. Die Ergebnisse der Studie bezeichnet die Sprecherin als wilde Spekulationen.

Passives Datensammeln

Die Studie suggeriert zusätzlich, dass Google über die Location des Nutzers hinaus auch nachvollziehen könne, auf welche Art er sich fortbewegt. Dazu sei lediglich das Tracking der Koordinaten in regelmäßigen Abständen in Kombination mit Sensoren, die im jeweiligen Gerät verbaut sind, notwendig. So sei es möglich, dass Google auf Basis dieser Daten schließen kann, ob der Nutzer an einem Ort verharrt, Rad fährt, joggt oder gar mit mit Zug oder Auto fährt. Laut einem Report der Associated Press, der Mitte August veröffentlicht wurde, trackt Google jedoch auch die Location von Usern, selbst wenn diese das Location Tracking abgeschaltet haben. So sei dazu lediglich das Nutzen von Apps wie Maps oder Wetterapplikationen notwendig.

Überrascht uns dies wenig, wird es beim Thema Fotos ungleich gruseliger, wenn auch uns dies ebenfalls bekannt sein dürfte: Mittels Bilderkennung analysiere Googles Fotodienst Wahrzeichen, Logos, Tiere sowie auch die Stimmung eines Menschen, dessen Gesicht auf dem Foto abgebildet ist.

Die Ergebnisse sind in Hinsicht auf passive Daten besonders besorgniserregend. So sammele Google nicht nur Daten von Usern aus eigenen Services, sondern auch mittels Ads sowie Aktivitäten aus Apps und Webangeboten von Drittanbietern. So seien zwei Drittel der Daten Googles passiven Ursprungs.

Ergebnisse dürften nicht schockieren

Grundsätzlich dürften uns die Ergebnisse nicht weiter schockieren und wir sollten zudem nicht dem Trugschluss erliegen, dass die Datensammelwut auf Google Devices beschränkt ist. So hat Facebook seit Langem mit dem Datenskandal durch Cambridge Analytica zu kämpfen, bei dem wenigstens 87 Millionen Nutzerdaten missbraucht wurden. Auch trackt der Facebook-Konzern Nutzerverhalten über seine eigenen Plattformen hinweg mittels Like- und Sharebuttons, die auf Webseiten implementiert sind etwa. Und auch Apples mobile Geräte analysieren, wo sich unsere Arbeitsstelle und das Zuhause befinden, beispielsweise. Während wir im Grunde genommen also sehr genau wissen, dass umfangreiche Daten von Webdiensten gesammelt werden, ist die Transparenz darüber seitens der Konzerne jedoch fragwürdig.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

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