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Spiegel, FAZ und Co. profitieren: Google kauft Verlagslizenzen für neues Nachrichtenformat

Noch dieses Jahr wird Google ein neues Nachrichtenformat einführen, für das das Unternehmen Lizenzen von namhaften Partnern kauft – und damit womöglich sogar Paywalls überwindet.

Google New York

Google New York, © Google

Das selbst proklamierte höchste Ziel Googles ist es, den Usern die passendsten und aktuellsten Informationen zu liefern. Aktuell leitet die Suchmaschine Menschen mehr als 24 Milliarden Mal im Monat auf Nachrichtenseiten weiter. Neben diesem Zugang zu relevanten Informationen steht derzeit aber auch die Unterstützung des Verlagswesens hoch im Kurs des Suchmaschinenunternehmens. Daher kündigte Google jetzt eine Initiative an, in dessen Kontext Verlageslizenzen für qualitativ hochwertige Inhalte erworben werden. Die Grundlage für diese Entscheidung ist ein neues Nachrichtenformat bei Google, das noch 2020 ausgerollt werden soll.

Partner wie Die Zeit und Der Tagesspiegel für neues Storytelling-Format

Das neue Format, das von Googles Brad Bender, VP Product Management für Google News, im Blogpost vorgestellt wird, soll zunächst mit Verlagen aus Australien, Brasilien und Deutschland getestet werden. Mithilfe desselben sollen Publisher ihre Inhalte über ein optimiertes Storytelling-Erlebnis für die User hervorheben können. Bei Google heißt es dazu:

Durch das neue Format können Leser tiefer in anspruchsvolle Geschichten eintauchen, auf dem Laufenden bleiben sowie neue Themen und Interessen entdecken.

Zu den ersten prominenten Partnern hierzulande zählen die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Der Spiegel, Die Zeit, Die Rheinische Post und Der Tagesspiegel. Google gibt an, bald noch mehr neue Partner in verschiedenen Ländern für das Format gewinnen zu wollen, das zuerst auf Google News und Discover starten wird. Stefan Ottlitz, Geschäftsführer der Spiegel-Gruppe, erklärt zur Partnerschaft:

Wir suchen stets nach innovativen Ansätzen, um Leser für unsere qualitativ hochwertigen Inhalte zu gewinnen. Diese interessante neue Partnerschaft mit Google versetzt uns in die Lage, unseren preisgekrönten Journalismus mit kuratierten Geschichten in ein neues Format einzubringen. So können wir unsere Reichweite erweitern und vertrauenswürdige Nachrichten in überzeugender Art und Weise über verschiedene Google-Produkte anbieten.

Googles enorme Reichweite für die Distribution und Darstellung der eigenen Inhalte zu nutzen, ist ein logischer Schritt für die Verlage, die an der Entwicklung des neuen Formats beteiligt wurden. So sagt Rainer Esser, Geschäftsführer bei Die Zeit:

Bei der Zeit sind wir stets an neuen Partnerschaften und Geschäften interessiert. Wir glauben, dass die Darstellung ausgewählter Inhalte der Zeit auf den Google-Plattformen mit diesem neuen Ansatz einen echten Mehrwert für unsere bestehenden sowie neuen Leserinnen und Leser bietet. Insofern freuen wir uns sehr über diese Kooperation mit Google.

Google zahlt für kostenlosen Zugriff auf Artikel hinter Paywalls

Bislang hatte das Suchmaschinenunternehmen nur vereinzelt Lizenzen für journalistischen Content erworben. Nun möchte Google die Verzahnung der eigenen Plattformen mit dem Qualitätsjournalismus weiter vorantreiben. Denn:

Eine vitale Verlags- und Nachrichtenbranche war vermutlich nie wichtiger als heute, in einer Zeit, in der Menschen nach Informationen suchen, auf die sie sich inmitten einer globalen Pandemie oder angesichts der jüngsten Proteste gegen Diskriminierung verlassen können,

so Brad Bender im Blogpost. Daher möchte Google auch den Zugriff auf Bezahlinhalte, die sich hinter den Paywalls einzelner Verlage verbergen, kostenlos für seine User ermöglichen. Wo diese Inhalte im Rahmen der Lizenzvereinbarung mit Google verfügbar gemacht werden, bietet Google sie seinen Usern zur Rezeption an. Damit zahlt das Unternehmen quasi die Lesegebühr für die User. Auf diese Weise profitieren die Lesenden; aber auch die Verlage können so ihre Reichweite vergrößern, da Menschen auf ihre Inhalte zugreifen könnten, die das bei der Hürde einer Paywall eventuell nicht tun würden.

Förderung für den Journalismus bei Google geht weiter

Google News oder Googles Discover Feed sind für viele Menschen inzwischen wichtige Nachrichtenquellen. Deshalb möchte das Unternehmen dort verfügbare Inhalte möglichst divers und qualitativ hochwertig gestaltet und präsentiert wissen. Mit der neu vorgestellten Initiative möchte Google das Nachrichtenerlebnis auf seinen Plattformen weiter optimieren und noch umfangreicher gestalten. Auf die konkrete Ausgestaltung des neuen Formats müssen User jedoch noch etwas warten.

Um den Journalismus – und ebenso die Verlage – im digitalen Zeitalter zu fördern, hatte Google bereits 2018 die Google News Initiative mit einem Förderpaket von 300 Millionen US-Dollar gestartet. Im Rahmen der Coronakrise wurde zudem ein Journalism Emergency Relief Fund mit Finanzmitteln für mehr als 5.300 lokale Verlage eingeführt. Außerdem wurden lokale Nachrichtenanbieter von den Gebühren für die Anzeigenschaltung über Google Ads befreit und Google stellte weitere 15 Millionen US-Dollar als Hilfspaket für lokale Verlage bereit.

Mit dem neuen News-Format und der Lizenzierung von Verlagsinhalten wird die digitale Nachrichtenrezeption noch stärker mit der Marke Google verknüpft sein. Für Verlage kann das – auch wirtschaftlich – viele Potentiale bergen. Allerdings wird Google auf diese Weise weiter an Einfluss auf den digitalen Alltag der Menschen gewinnen, auf einem Gebiet, das gesellschaftlich und politisch von besonderer Relevanz ist.


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Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik ist studierter Literatur- und Medienwissenschaftler und schreibt für OnlineMarketing.de seit Jahren über diverse Themen im Digital-Marketing-Bereich. Von der Mobile-First-Indexierung über die DSGVO bis hin zum Aufstieg von TikTok hat er schon manche Entwicklung der Branche begleitet.

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