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Axel Springer, SevenOne Media und IP Deutschland wollen Klage gegen AdBlock Plus einreichen

Google soll AdBlock Plus 25 Mio. $ bezahlt haben, damit seine Werbung weiterhin angezeigt wird. [UPDATE] Drei große Online-Vermarkter wollen Klage einreichen.

Werbung trotz Blocker

Nutzer verwenden Adblocker, um unerwünschte Werbung zu blockieren. So werden beim Surfen Bilder, Animationen, Pop-Ups oder Textanzeigen einfach nicht mehr angezeigt und man kann ungestört weiter surfen. Das versprechen die meisten Adblocker wie Adblock zumindest. Doch einige Anzeigen werden trotzdem noch durchgelassen, wenn die Unternehmen entsprechend zahlen. So soll Google nun 25 Millionen Dollar an AdBlock Plus bezahlt haben, damit seine Werbung weiterhin bei den Usern erscheint.

Geld regiert die Welt – auch innerhalb der Werbeblocker

Beim weltweit am häufigsten genutzten Werbeblocker, Adblock Plus, wird Berichten zu folge bereits seit Ende 2011 „akzeptable Werbung“ nicht mehr blockiert. Welche Werbung als „akzeptabel“ eingestuft wird, entscheidet das Unternehmen selbst. Dabei darf diese Werbung nicht aufdringlich sein, das bedeutet animationsfrei und möglichst keine Sounds oder aufmerksamkeitserregende Bilder enthalten.

Damit Werbung in genau dieses Raster fällt, lässt sich Adblock Plus natürlich von anderen Unternehmen dafür bezahlen. Nach eingehenden Recherchen von Blogger Sascha Pallenberg, hat Google offenbar eine nette Summe von 25 Millionen Dollar (umgerechnet 18.45 Mio. Euro) dafür hingeblättert, dass seine Werbung immer mal wieder durchgelassen wird. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass auch Amazon und Ebay mit jeweils fünf Millionen Euro zahlungsfreudige Kunden sind. Selbst von Yahoo ist die Rede.

Korruption in der Werbewelt?

Pallenbergs Vorwürfe wurden bereits vergangenes Jahr im Juni gegen Eyeo, die Firma hinter Adblock Plus, erhoben. Darin war er der Firma die Unterhaltung eines „mafiöses Werbenetzwerk“ vor, indem Internetseiten von Geschäftsfreunden auf die „Whitelist“ gesetzt werden würde. Wer nicht dazugehöre, müsse sich den Platz eben erkaufen. In einer Stellungnahme teilte de Firma Eyeo mit: „Wie wir auf unserer Webseite ausführlich erklären, zahlen einige Teilnehmer unserer Acceptable Ads Initiative eine Gebühr. Zu deren Höhe machen wir keine Angaben. Wir haben seit der Einführung unseres Programms über dessen Inhalte und die finanzielle Unterstützung durch größere Webseiten transparent informiert. Alle Ergänzungen zum Acceptable Ads Programm kündigen wir in unserem öffentlichen Nutzerforum an.“

Eyeo sieht die Zahlungen als Aufwandsentschädigung an

Bereits im Juni wies Eyeo den Vorwurf, eigene Geschäftspartnern zu bevorzugen, vehement zurück. Allerdings verneinte das Unternehmen nicht, dass es für große Unternehmen die Möglichkeit gibt, für die Aufnahme in die „Whitelist“ Geldbeträge zu zahlen. Das ist natürlich ein großer und ärgerlicher Nachteil für Blogs und Nachrichtenseiten. Für Google wiederum liegt dieses Geschäftsmodell ganz in ihrem Interesse, denn im Jahr 2012 verlor das Unternehmen ganze 887 Millionen Dollar wegen geblockter Werbeanzeigen. Der Betrag von 25 Millionen Dollar, um dieses Problem zu beheben, ist im Vergleich ein leicht zu verschmerzender.

Eyeo macht es sich da natürlich sehr einfach, indem sie die Zahlungen als „Aufwandsentschädigung“ bezeichnen, was jedoch nicht wirklich der Tatsache entsprechen dürfte. Denn die entsprechenden Internetseiten müssen nur als Liste geführt werden. Der Adblocker selbst ist so programmiert, dass er die aktuellste Liste regelmäßig auf den Rechner des Benutzers lädt. Aufwändiger ist dagegen die Pflege der sogenannten Blacklist. Pallenberg sagt zurecht: „Adblock Plus ist kein Werbeblocker, es ist ein Konkurrenzblocker“.

***UPDATE***

Nicht nur kleinere Unternehmen fühlen sich im Hinblick auf die Praktiken von der Eyeo GmbH benachteiligt. Laut dem Focus gehen Axel Springer Media Impact, SevenOne Media (ProSieben, Sat.1) und IP Deutschland (RTL) nun vor Gericht. Die Sprecher von SevenOne Media und IP Deutschland haben bereits bestätigt, dass sie eine Klage vorbereiten.

Wie stehen die Erfolgschancen?

Nun gilt es die Zahlungen von Google zu überprüfen und herauszufinden, wofür das Geld tatsächlich bestimmt war. Ob die drei großen Unternehmen vor Gericht erfolgreich sein werden, hängt maßgeblich von diesen Untersuchungen ab. Sollte die Summe von 25 Millionen US-Dollar von Google wahrhaftig auf dem Konto von der Eyeo GmbH eingegangen sein, dann dürfte das Unternehmen allerdings auch über die entsprechenden Mittel verfügen, einen langwierigen Rechtsprozess zu führen. Deshalb befinden sich die drei Medienkonzerne zurzeit auch noch in der Prüfungsphase, ob das juristische Vorgehen gegen das Geschäftsmodell der Eyeo GmbH überhaupt sinnvoll wäre.

Der Eyeo-Geschäftsführer Till Faida äußert sich wie folgt zu dem Thema:

Wir haben von den Plänen der Online-Vermarkter aus den Medien erfahren. Bisher wurden aber weder wir, die Eyeo GmbH, noch unsere Anwälte in dieser Angelegenheit kontaktiert. Wir sehen einer eventuellen Klage durch die Online-Vermarkter jedoch gelassen entgegen. In der Vergangenheit haben juristische Experten die rechtliche Zulässigkeit unseres Geschäftsmodells bestätigt: Das Landgericht Hamburg hat in einem Verfahren im September 2013 gegenüber ProSiebenSat.1 Digital festgestellt, dass wir den Wettbewerb nicht behindern (Aktenzeichen LG Hamburg 312 O 341/13). ProSiebenSat.1 zog daraufhin seinen Antrag zurück. Auch Prof. Dr. Hören, einer der führenden deutschen Internet-Juristen, bestätigt die rechtliche Zulässigkeit von Adblock Plus und unseren  „Acceptable Ads“ in der juristischen Fachpublikation „Kommunikation und Recht“ (12/13).

2 Gedanken zu „Axel Springer, SevenOne Media und IP Deutschland wollen Klage gegen AdBlock Plus einreichen

  1. APBahls

    guter artikel, wundert mich nicht, dass da irgendwas unter der hand lief.

    btw: typo im ersten satz, „werbeblogger“?
    gruß

    Antworten

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