Social Media Marketing

Mit Fakes für mehr Echtheit: Influencer versuchen aufzuklären

Um zu zeigen, wie einfach Social Media Posts gefaked werden können, haben YouTuber gleich ganze Urlaubstrips vorgegaukelt. Ihre Message bleibt jedoch fragwürdig.

© Cosmic Timetraveler - Unsplash

Uns allen ist bewusst, dass nicht alles, was wir auf Social Media sehen, auch wirklich echt ist. Fakes existieren an jeder Ecke. Oft handelt es sich dabei um schlecht gemachte Pranks, wie von PrankBrosTV auf YouTube, oder stümperhafte Photoshop Edits, um einen makellosen Körper präsentieren zu können. Doch es geht auch andersherum. Manche Fakes sind so gut gemacht, dass selbst Experten Probleme damit haben, diese als solche zu erkennen. Followern wird so ein falsches Bild der Realität vermittelt und unerreichbare Standards werden promotet. Auf diese Missstände wollte nun eine Reihe von Influencern aufmerksam machen – indem sie selber Urlaubstrips faken. Die scheinbar gut gemeinte Aktion hinterlässt jedoch einen faden Nachgeschmack.

Einen kompletten Urlaub faken? Kein Problem

YouTuberin Glambyroxy wollte beweisen, wie leicht es ist auf Instagram sein komplettes Leben zu faken – von der Beziehung bis eben hin zum Traumurlaub. Und so beschloss sie ihren Followern eine Reise nach Bora Bora vorzugaukeln. Um die Glaubwürdigkeit des Fakes zu untermauern, postete sie sogar ein Video davon, wie ihr Ehemann ihr vermeintliche Flugtickets zum Geburtstag schenkte. Der Rest erschien ganz einfach: Ein bisschen Recherche hier, ein bisschen Photoshop da, die Stories anderer User klauen, die tatsächlich auf Bora Bora waren – und natürlich einen Flug nach Hawaii buchen, der für sie bei Weitem billiger war. Im Prinzip verbrachte sie also tatsächlich einen Urlaub in einer Traumlocation und spielte vor, an einer anderen Traumlocation zu sein.

 

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Good morning from paradise 📸 @lifebyziv

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Natürlich ging ihr Plan voll auf und Millionen von Likes folgten auf ihre Urlaubsfotos. Erst danach klärte sie in einem YouTube Video über den Fake-Urlaub auf. Dort erzählt sie ihren Followern: „Please you guys, don’t be depressed over something you don’t know for sure because it can still be fake“. Ihre Intention ist klar, wenn auch ihre Mittel eher fragwürdig sind. Doch dazu später mehr. Nichtsdestotrotz erfreuen sich solche „Fake-Aufklärungsvideos“ inzwischen großer Beliebtheit bei Influencern.

Ein Festival besuchen ohne die Stadt zu verlassen

Ebenfalls gefaked hat YouTuberin Gabbie Hanna und zwar einen Besuch des besonders bei Influencern beliebten Coachella Festivals. Ihre Intention dabei war es, ebenso auf die Einfachheit des Fakens aufmerksam zu machen, aber auch Kritik an einigen Besuchern auszuüben. Sie berichtet von Menschen, die Coachella nicht des Festivals selbst wegen besuchen, sondern einzig und allein, um perfekte Instragram Fotos zu shooten. Den damit verbundene Zeit- und vor allem Kostenfaktor empfindet Gabbie Hanna als „stressful“. Also entschied sie sich kurzerhand, ihren Besuch des Festivals einfach zu faken. Einen Einblick in ihr Vorgehen bietet das dazugehörige Video:

Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt – Kritik an der Idee wird laut

Im Großen und Ganzen sind die Fakes der Influencer gut umgesetzt, bis auf die ein oder andere Schwäche in der Fotobearbeitung. Auch die Follower fielen fast ausnahmslos darauf herein. Und grundsätzlich ist der Gedanke einer solchen Aktion auch löblich, denn viel zu viele Follower nehmen sich ihre Influencer als Vorbild und wollen so sein wie diese. Dass ein Großteil davon nicht real ist, wissen viele nicht beziehungsweise wollen es gar nicht wissen. Nichtsdestotrotz bleiben die Aktionen fragwürdig. So wirkt es beinahe schon absurd, dass Glambyroxy extra nach Hawaii reiste, um vorzuspielen auf Bora Bora zu sein – zumal Hawaii selbst ein Traumziel vieler Reisender ist.

While it’s admirable that influencers are using their massive platforms to call out the pressure for perfection on Instagram, hearing it from influencers feels a bit hypocritical,

schreibt Morgan Sung für Mashable. Heuchlerisch deshalb, weil beispielsweise Gabbie Hanna trotz des Fakes vom Hype um das Coachella Festival profitieren und ihre Reichweite erweitern konnte. So sagt sie selbst aus, dass sie noch nie so viele Tags und Reposts als Reaktion erhalten hätte. Hinzu kommt, dass die betroffenen Influencer trotz allem eben eines tun: einen Fake promoten und das Bild des perfekten Lebens vorgaukeln. Auch Gabbie Hannas Aussage in ihrem Video zeigt, dass sie trotz ihrer „aufklärerischen“ Aktion weiterhin nicht die Realität in ihren Postings darstellen wird:

Looks and appearances are important when it comes to branding and your social presence … just know that those things aren’t always as attainable as they seem.

Fake oder Echt – Ein zweischneidiges Schwert

Auch wenn uns allen bewusst ist, dass das Internet voll mit Fakes ist, vergessen wir genau das manchmal. Unrealistischen Idealen wird nachgejagt, was besonders in den jüngeren Generationen spürbar ist. Und doch ist es verständlich, dass Influencer sich einen Ruf aufbauen und ein gewisses Bild vermitteln müssen, um eben sowohl für Brands als auch Follower attraktiv zu sein. Wie viel Fake dabei tolerierbar ist, bleibt ein Streitpunkt. Doch vor allem eben für Brands kann es eine Gefahr darstellen, wenn Influencer nur Fakes darstellen, denn darunter leidet schlussendlich auch die eigene Glaubwürdigkeit. Zumindest wenn jemand dahinter kommt. Schlussendlich sollten jedoch diejenigen, die von Authentizität predigen, auch wirklich authentisch bleiben – anstatt den Hawaii-Urlaub als Trip nach Bora Bora zu verkaufen.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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