Social Media Marketing

Fake-Ads machen sich auf Instagram breit – und verärgern User wie Marken

Die Shops ködern Nutzer besonders mit hochwertigen Markenprodukten wie den neusten Sneakern von Adidas oder Nike für wenig Geld.

Fake-Ads für Adidas Yeezy, © NiceKicks

Instagram hat zunehmend mit Werbeanzeigen für gefälschte Produkte zu kämpfen. Dabei schaden die Betrüger nicht nur der Plattform, sondern auch den kopierten Marken.

Das Werbegeschäft auf Instagram blüht

Werbung auf Instagram wurde im April 2015 auch in Deutschland eingeführt. Seitdem hat sich viel getan. Unter der Führung Facebooks wird die Werbetechnologie des Sozialen Netzwerks immer weiter ausgebaut und perfektioniert. Heute machen weltweit etwa eine Million Unternehmen davon Gebrauch, Anzeigen auf Instagram zu schalten. Daneben existieren bereits über 8 Millionen Business-Profile auf der Plattform.

Doch die immense Nachfrage vonseiten der Werbetreibenden bringt auch Probleme mit sich. Das vergleichsweise junge Instagram, das 2010 gegründet wurde, scheint die Fake-Anzeigen noch nicht so gut unter Kontrolle zu haben wie der Mutterkonzern. Facebook selbst untersucht Millionen von Ads jede Woche, wobei der Großteil der Arbeit von Algorithmen übernommen wird. Vereinzelt prüfen Mitarbeiter die Anzeigen manuell, vertrauen jedoch weitgehend darauf, dass User entsprechende Fake-Ads mit der Option direkt im Newsfeed melden. Instagram geht ähnlich vor, wenn auch das Volumen der Werbeanzeigen nicht so groß sein dürfte. Trotzdem reicht es anscheinend, um die Verantwortlichen zu überfordern.

Werbeanzeigen auf Instagram können von den Usern selbst gemeldet werden. Screenshot Instagram

Werbung für gefälschte Sneaker verführt User zum Kauf

Insbesondere aus den USA und Großbritannien häufen sich die Berichte darüber, dass sich auf Instagram Händler mit gefälschten Waren mithilfe der Werbeanzeigen positionieren. Speziell die Schuh-Industrie steht im Fokus der Betrüger. Gesponserte Anzeigen, die das Logo bekannter Marken wie Adidas oder Nike missbrauchen, locken auf zwielichtige Landingpages, auf denen die vermeintlichen Schnäppchen bestellt werden können. Das geübte Auge erkennt den Fraud sofort, doch lassen sich genug User vom billigen Preis blenden. Mit Glück kommt nach der Bestellung ein Fake-Produkt an, mit Pech überhaupt nichts.

Gefälschte Adidas Yeezy auf Instagram, © Digiday UK

So finden sich zurzeit viele Ads für die Yeezy Boost-Reihe von Kayne West, wie Shareen Pathak auf Digiday UK herausstellt. Verlockend sind die Angebote vor allem angesichts der im Normalfall astronomisch hohen Preise. Der neuste Sneaker ist hierzulande im Adidas-Shop ausverkauft und auf eBay ab 500 Euro zu haben. Bei einem Preis von 109 Dollar kommen die Anzeigen schnell zu ihren Klicks, die irgendwann in der einen oder anderen Bestellung münden.

Neu ist diese Methode der Fake-Shops nicht – Nick DePaula machte auf NiceKicks bereits vergangenes Jahr auf diesen Trend aufmerksam. Auch Edgar Alvarez zeigte für Engadget Anfang des Jahres die besorgniserregende Entwicklung auf. Das Geschäft scheint lukrativ, so zitiert Alvarez einen Bericht der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development), wonach der Handel mit gefälschten Produkten mit 500 Milliarden Dollar jährlich beziffert wird. Diese Ausmaße offenbaren die Professionalität der Betrüger und machen offensichtlich, warum auch die moderne Werbetechnologie der Sozialen Netzwerke genutzt wird.

Werbung für Nike Air Max Kopien, © NiceKicks

Was kann Instagram gegen Fake-Ads tun?

Instagram sollte Fake-Ads ernst nehmen – und tut das mit Sicherheit auch. Doch stellt sich die Frage, wie weit oben das Problem auf der Agenda steht. Denn das Problem sind nicht nur einige frustrierte User, sondern auch verärgerte Marken. Einerseits schwindet das Vertrauen der Nutzer in Instagram und die Authentizität der Werbung, andererseits trägt die kopierte Brand einen Image-Schaden davon. Und diese Unternehmen sind die großen Werbekunden, die das Geld in die Kassen spülen. Instagram sagt hierzulande selbst:

Wir untersagen den Verkauf gefälschter Waren auf Instagram. Wenn wir derartige Aktivitäten entdecken, handeln wir schnell, um sie zu unterbinden und löschen den betreffenden Account.

Eventuell hilft ein Seitenblick auf Amazon, das sich mit dem Problem von Fake-Händlern schon lange herumschlagen muss. Der E-Commerce-Riese verlangt neuerdings laut Engadget, dass sich Shops legitimieren, die beispielsweise Produkte von Adidas, Nike oder Samsung vertreiben, und erhebt für den Verkauf anfangs eine einmalige Gebühr in Höhe von 1.000 bis 1.500 Dollar.

Der heilige Gral gegen Fake-Shops und deren Ads ist damit jedoch auch nicht gefunden. Denn interessanterweise nutzen manche der Amazon-Händler wiederum Instagram Ads, um ihre Produkte mithilfe der hoch visuellen Anzeigen und dem granularen Targeting der Facebook-Tochter gezielt unter die Instagram-User zu bringen. Bis zur Lösung des Problems können Nutzer nur auf die schnelle Reaktionsgeschwindigkeit von Instagram hoffen und bei Werbeanzeigen zweimal hinschauen.

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