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Content Diebstahl ungeahnten Ausmaßes: Falscher Fotojournalist täuscht Medien weltweit

Eduardo Martins ist ein hochgelobter Fotojournalist. Bis heraus kommt, dass es ihn gar nicht gibt, hat er dutzende Verlage und renommierte Stockagenturen betrogen.

© Instagram

Eduardo Martins ist ein ausnehmend gut aussehender junger Brasilianer Anfang 30, der gern surft und als Fotojournalist in Krisenregionen wie dem Irak, Syrien oder Gaza arbeitet. Seine Bilder landen bei Getty Images, NurPhoto oder Zuma und wurden rund um die Welt bei angesehenen Publishern wie The Wall Street Journal, Le Monde, Telegraph, BBC oder Vice veröffentlicht. Doch den blonden Surferguy, der als Kind Leukämie überstand, hat keiner seiner Kollegen jemals gesehen. Den jungen Fotojournalisten scheint es gar nicht zu geben.

Der verräterische Kamera-Auslöser

Das ist eine der größten Täuschungen in der Geschichte des Fotojournalismus und ein Content Klau ungeahnten Ausmaßes. Der angebliche Kriegsfotograf hat dabei nicht nur Stockagenturen und Publisher getäuscht, sondern auch seine über 120.000 Follower auf Twitter sowie knapp 60.000 Instagram User. Wie konnte der Betrug so lange unerkannt bleiben? Anscheinend hat niemand sein Treiben hinterfragt.

Auf Instagram folgten Martins knapp 60.000 User. ©SBS | Edu_Martinsp

Der brasilianische Kolumnist Fernando Costa Netto, der auch bereits Artikel über Martins geschrieben und seine Arbeit gelobt hatte, schöpfte erstmals Verdacht, als er Hinweise von Verlagen bekam, dass es sich bei dem Brasilianer um einen Betrüger handeln könnte. Von Netto darauf angesprochen,  gab er an, sich gerade in Australien zu befinden und ein Jahr Auszeit nehmen zu wollen. Daraufhin löschte Martins seine Social Media Profile und deaktivierte seine Webseite.

Dem Fotografen Ignacio Aronovich fielen daraufhin kleinere Ungereimtheiten auf den Fotos Martins auf, wie etwa ein Auslöser auf der falschen Seite der Kamera.

Bei den meisten Kameras befindet sich der Auslöser auf der rechten Seite, nicht wie bei Martins auf der linken. © MJournal

Diesen Umstand nahm er zum Anlass, die Fotos, die er von Martins finden konnte, horizontal zu spiegeln und via Google zu suchen. Was er fand, war haarsträubend: Alle Bilder Martins waren geklaut, beschnitten und gespiegelt, um die Google Bildersuche auszutricksen. Zudem stimmten die Ortsangaben auf vielen Fotos nicht. Einige Fotos stammen vom in der Türkei lebenden amerikanischen Kriegsfotografen Daniel C. Britt, der schlichtweg zu selten online ist, um zu verfolgen, was mit seinen Bildern passiert.

Ein weiterer Grund, Medien zu misstrauen 

Besonders schlimm an dem riesigen Content Klau ist die Brisanz hinter den Fotos und ein Schlag ins Gesicht derer, die sich täglich in Kriegsgebiete begeben, um die unmenschlichen Zustände zu dokumentieren. Viele der abgebildeten Personen sind inzwischen verstorben, der Diebstahl gleicht einer Schändung und sei ein weiterer Grund für Menschen, Medien zu misstrauen, so Britt:

Like I said to other journalists, I’m just disappointed that Eduardo Martins bastardized the photo captions and gave people yet another reason to distrust the news. Each photograph was part of a specific time and place. Some of the people depicted in them are no longer with us.

Das Leben dieser Menschen und das Dokumentieren der Zustände war sehr viel wichtiger als Likes auf Facebook, so Britt gegenüber Mashable.

Eine fast perfekte Inszenierung

Nachdem Martins ausgedachte Geschichte publik geworden war, untersuchten weitere Journalisten den Fall im Nahen Osten und konnten niemanden finden, der Martins je getroffen hatte. So konnten sich andere brasilianische Journalisten oder Mitarbeiter von Hilfsorganisiationen im Irak nicht an einen Eduardo Martins erinnern. Doch sollte ihnen diese Person eigentlich bekannt sein, hielt er sich doch angeblich zur selben Zeit am selben Ort auf. Auch gab er auf Nachfrage des BBC Brazil an, als freiwilliger Helfer für die UN zu arbeiten. Doch hier kannte man ihn ebenfalls nicht.

Martins inszenierte sich darüber hinaus gekonnt in den Sozialen Medien. So erfand er Freundinnen, die für ihn mit Medien kommunizierten und seine Glaubwürdigkeit untermauerten. Vom BBC selbst kontaktiert, stellte sich schnell heraus, dass keines der Mädchen Martins jemals getroffen hatte. Der Kontakt fand ausschließlich über Soziale Medien statt. Das Catfishing, das Vorgeben also im Internet eine andere Person zu sein, hat er mit seiner gesamten Präsenz ziemlich auf die Spitze getrieben – doch wofür?

Wer ist Eduardo Martins? © Twitter

BBC Brazil hat die Person auf Martins Bildern als den aus dem britischen Cornwall stammenden 32-jährigen Surfer Max Hepworth-Povey identifiziert, der von dem Identitätsklau nichts mitbekommen hatte. Der in Spanien lebende Brite war über die Ausmaße des Betruges sehr überrascht und gab an, die Fotos stammten von einem Facebook-Profil, das er vor zwei Jahren deaktiviert hatte. Hepworth-Povey konnte sich nicht vorstellen, wie eine wildfremde Person ausgerechnet seine Fotos stehlen und für derartige Zwecke missbrauchen konnte.

Wer hinter all dem steckt, bleibt weiterhin ein Rätsel. Die gefoppte Stockagentur NurPhoto hat inzwischen Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Über Tina Bauer

Tina Bauer

Studierte Sozialwissenschaftlerin mit Hang zu Online und Marketing. Seit 2014 als Redakteurin & Content Managerin bei OnlineMarketing.de.

10 Gedanken zu „Content Diebstahl ungeahnten Ausmaßes: Falscher Fotojournalist täuscht Medien weltweit

  1. rosen

    An Tina Bauer:
    wohin wurde denn das Honorar überwiesen? Über den Weg müßte er doch auffindbar sein, oder nicht?
    Grüße

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  2. Maison

    Wie konnte…? Diese Frage überrascht mich dabei am meisten. Weil es geht macht es jemand. Und es hält uns allen schön den Spiegel vor. Der junge, smarte War- Photographer. Da will man, dass es ihn gibt. Ist er doch so medientauglich. Und die Story ist wichtiger als der Wahrheitsgehalt. So kann man doch sogar US Präsident werden.

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  3. Heinz

    Warum seid ihr so überrascht?
    Fresst mehr Scheiße – Milliarden Fliegen können sich nicht irren!

    Antworten

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