Agenturen & Dienstleister

Doppelmoral bei WPP? Lobbyarbeit für die NRA und Ads für Waffenkontrolle liefen gleichzeitig

Der Werbekonzern WPP hat Medien zufolge die Produktion von Ads zur Waffenkontrolle überwacht, während die US-amerikanische Waffenlobby unterstützt wurde.

Screenshot YouTube, © PreventGunViolence

Die größte Werbeholding der Welt, WPP, hat die Waffenlobby der USA jahrelang unterstützt. Was legitim ist. Doch haben Agenturen der Holding gleichzeitig Werbung produziert, die eindeutig für ein Gesetz zur Waffenkontrolle wirbt. Geraten die Ads so zur Farce?

WPP und NRA: Zwei Vereinigungen mit riesigem Einfluss

Das Attentat von Las Vegas war eine weitere brutale Erinnerung an die verheerende Kraft von Waffen. Während sich in den USA viele nach strengeren Kontrollen für diese aussprechen, reagiert die NRA (National Rifle Association), die Waffenlobby der Vereinigten Staaten, mit der Aussage, jeder müsse sich mit einer Waffe verteidigen können.

Spricht sich sogar für mehr Waffen aus: Wayne LaPierre, Chef der NRA, © Flickr / Gage Skidmore, CC BY-SA 2.0

Dass die Waffenkontrollen wirklich verschärft werden, wirkt fraglich angesichts der Macht, die der NRA inne ist. Über fünf Millionen Mitglieder sind im Wahlkampf nicht zu verachten. Und der Einfluss auf die US-Politik ist groß. Obwohl laut ThinkProgress weniger Waffen in den USA gekauft werden, hat sich die Industrie zuletzt vergrößert. 166.000 Angestellten im Jahr 2008 standen letztes Jahr 301.000 Angestellte gegenüber, die Steuereinnahmen wuchsen von 3,2 auf 7,4 Milliarden US-Dollar an. Das berichtet CNN nach NRA-Informationen.

Die Waffenlobby in den USA wird zudem von zahlreichen Firmen, Mäzenen etc. unterstützt. Auch die britische Werbeholding WPP gehört zu den Fürsprechern. Dem Guardian zufolge wurden seit 2007 von Firmen der Holding 1,46 Milliarden US-Dollar für die Unterstützung der Waffenlobby eingestrichen.

WPP macht Werbung gegen Waffen, aber auch dafür?

Wie Stephanie Kirchgaessner vom Guardian nun berichtet, haben Agenturen der WPP Holding in den vergangenen Jahren explizite Anti-Waffen Ads produziert. So hat die Werbefirma Grey New York, die zu WPP gehört, 2013 an einem Clip für die Waffenkontrolle gearbeitet.

Dennoch haben Lobbyisten der WPP im gleichen Jahr dazu beigetragen, dass eine Maßnahme zur Waffenkontrolle sich nicht durchsetzte. Anlass war das Massaker von Newton gewesen.

Ein weiteres Beispiel liefert Ad Weeks Patrick Coffee. Die Ogilvy Government Relations, ein WPP-Unternehmen, das überparteilich in Washington operiert, hat eine Kampagne für die Americans for Responsible Solutions kreiert.

Dabei wird ein Poster mit der Aufschrift: „This poster stops bullets because our Gun Laws don’t“ beworben. Noch 2009 hatte Ogilvy Government Relations von der NRA nach Informationen von Open Secrets 360.000 US-Dollar an Lobby-Einnahmen generiert.

Das Unternehmen Prime Policy Group, das ebenfalls der WPP angehört, hat 2017 erstmals keine Lobby-Gelder der NRA angenommen; zählt diese jedoch weiter zu seinen Kunden.

Was die WPP zu seinen Aktivitäten meint

Die Verstrickungen der Waffenlobby und der Werbeholding sind sehr undurchsichtig. Vor allem, da es um riesige Geldbeträge geht. Der britische Werbekonzern hat in einem Statement bekannt gegeben:

In our business activities we aim to prevent, identify and address negative impacts on human rights and we look for opportunities to positively promote and support human rights, including children’s rights.

Tatsächlich hat man ja auch verschiedene Kampagnen für Waffengesetze mit schärferer Kontrolle über die eigenen Agenturen erstellt. Allerdings mögen böse Zungen behaupten, der Konzern spiele sich als des Teufels Advokat auf. Denn immerhin sind die Beziehungen zur mächtigen NRA noch immer so eng, dass man als Teil der Gegenkampagne gelten darf. Die NRA hat Ad Week zufolge über 23.000 Ads in den USA ausgespielt, nur im Jahr 2016. Und die immensen Werbebudgets gehen dann womöglich zum Teil an Agenturen der WPP Holding, die somit dem eigenen Anspruch zuwider liefe.

Dieses Bild ist für die US-Gesellschaft alltäglich: Waffen im Gebrauch, auch von Privatpersonen, © Antonio Grosz | Unsplash

Während die NRA weiter darauf beharrt, dass Waffen quasi ein Menschenrecht sind, werden in den USA künftig sicherlich mehr Diskussionen um die Gesetze zur Kontrolle derer entbrennen. Dabei kann die Werbeindustrie eine sehr große Rolle spielen, die besonders politisch motiviert ist. Unternehmen sollten einen klaren Standpunkt vertreten, damit die eigenen Kampagnen nicht zur Farce werden. Doch Lobby-Einnahmen scheinen die Toleranz gegenüber Widersprüchen – und der Gefährdung des Allgemeinwohls – zu verstärken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.