Veranstaltungen & Konferenzen

DMEXCO oder EX & Co. – hinfahren oder nicht?

Ralf Scharnhorst war seit 2000 jedes Jahr auf der DMEXCO – obwohl sie erst seit 2009 so heißt. Er klärt: Für wen lohnt es sich dieses Jahr trotz der Ticketpreise?

Eingang Nord der dmexco 2016, © dmexco - CC BY 3.0

Eine Messe, auf der Online-Vermarkter ihre Banner ausstellen? Diese Web-Werbeflächen, die ja auch sonst niemand klicken will? So absurd das klingt, es hat lange ausgezeichnet funktioniert: die Online-Werbebranche hat jährlich – auch in Krisenzeiten – mindestens eine kleine Halle gefüllt, zunächst unter dem Namen „Online-Marketing-Düsseldorf“, ab 2009 als „Digital Marketing EXpo and COnference“.

Die Gründe für den Erfolg? Durch Innovationen und Marktdynamik gab es immer genügend Gesprächsbedarf und der Eintritt war kostenlos.

Zumindest Letzteres gehört nun der Vergangenheit an. Ab heute sind Tickets erhältlich zu 99 Euro. Wer im Urlaub weilt und später bestellt, zahlt drauf: am 22.8. steigt der Preis auf 199 Euro. Und Nordrhein-Westfalen, die erst am 29.8. aus den Schulferien zurückkommen, berappen 299 Euro.

Für wen lohnt sich das?

Wer auf der Suche nach neuen Technologien für sein datengetriebenes Marketing ist, kann sich hier einen Überblick über die Anbieter verschaffen, die nur einen „full Stack“ oder einen „noch fulleren Stack“ bieten. Wer allerdings mit jemandem sprechen will, der die Modebegriffe wirklich erklären kann, sollte sicherheitshalber einen Termin ausmachen und eine Viertelstunde Reservezeit für den Fußgängerstau zwischen den Messehallen einplanen.

Wer sich nicht täglich mit der Online-Marketing-Branche beschäftigt, der hat hier in zwei Tagen die Möglichkeit, sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen. Mit vier Hallen plus der doppelstöckigen Halle 5 (unten Seminare, darüber Startups) wird das jedoch schwerer denn je: die Hallen sind immer noch nicht thematisch geordnet, wie man das sonst von Messen kennt.
Geheimtipp: das Aussteller-Verzeichnis ist aufgeräumter als das Messegelände – die App- oder der PDF-Download könnte den Besuch ersetzen. Selbst in so kuriosen Kategorien wie „Automotive Electronics / -Marketing“ waren hier letztes Jahr 13 Unternehmen gelistet.

Wer sich informieren möchte, was die Branche bewegt, findet ein umfassendes Konferenz-Programm. Die letzten Jahre galt hier: um so prominenter die Referenten, desto vorhersehbarer, was sie präsentieren. Man sollte eher eine Bestandsaufnahme erwarten als einen Blick auf die Zukunft. Wer die Branchen-Prominenz live aus der Nähe erleben möchte, sollte früh einen Sitz ergattern, bevor sich der Raum füllt. Der Eintrittspreis wird nicht unbedingt verhindern, von Türstehern von einem Vortrag ferngehalten zu werden.

Die gut gefüllte Debate Hall 2016, © dmexco – CC BY 3.0

Die kostenlose Alternative: Live-Streams, YouTube, Twitter und die Berichterstattung. Bei 250 Stunden Programm ist die Qual der Wahl: hingehen und selber entscheiden, was man verpasst, oder heraussuchen, wer den zu den eigenen Interessen am besten berichtet und den Eintritt sparen.

Markets are conversations

Der zentrale Vorteil eines Events bleibt immer das Networking und für wenig Reisekosten viele Menschen an einem Ort treffen zu können. Ob das durch die Eintrittspreise geschmälert wird? Unklar. Einerseits sind wir Online-Marketer „größer als die Autobranche“, wie iBusiness nachgezählt hat. Andererseits ist ungewiss, wo die Branche endet – viele haben es nur am Rande mit Online Marketing zu tun oder sind Freelancer, die auf jeden Euro achten.
Das fatale Signal des Eintrittspreises ist: die Online-Vermarkter, die mit dem OVK Treiber der DMEXCO sind, suchen keinen Nachwuchs mehr. Ihr Segment des Marktes stagniert – Studierende oder Quereinsteiger bitte draußen bleiben. Viele der internationalen Technlogie-Anbieter suchen zwar Mitarbeiter, sind aber eher Zaungäste der Messe außerhalb des Online-Vermarkter-Organisationskomitees.

Andrang auf der dmexco 2016, wie wird es wohl dieses Jahr aussehen? © dmexco – CC BY 3.0

Der Weg an Gratis-Tickets

Es gibt zwei Möglichkeiten, gratis an Tickets zu kommen: warten, bis man von einem der Aussteller eingeladen wird. Marketing-Leiter, die ihr Budget für 2018 mit zur Messe bringen, werden sich vor Termin-Anfragen zur Messe inklusive Gratis-Tickets kaum retten können.

Und was ist mit den Freelancern, die das heimliche Rückgrad der Branche ausmachen? Zumindest einem möchte ich ein Ticket spendieren – denn Scharnhorst Media als schlanke Agentur profitiert stark von Freelancern, die gut informiert sind. Daher bitte kurz melden bis 26.7. über das Kontaktformular auf unserer Website. Wer am besten erklären kann, was sie oder er auf der Messe herausfinden will, gewinnt.

An alle anderen: Nicht verzagen! Bei einem durchschnittlichen Kugelschreiber-Preis von 33 Cent braucht man nur 300 Werbekugelschreiber von der Messe, bis das Ticket wieder drin ist.

Korrektur: in einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Radiovermarkter hätten ihre Gattungsmarketing-Messe eingestellt. Das ist falsch, der nächste Radio Advertising Summit wird am 12. April 2018 stattfinden.

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Werbungtreibenden Unternehmen fehlt oft das Personal oder die Erfahrung im Detail. Scharnhorst Media hilft bei der Marketing-Strategie. Die Umsetzung führen die Kunden selbst aus, übergeben sie an ihre bestehenden Agenturen oder lassen sie von Scharnhorst Media planen, einkaufen und optimieren. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung im Programmatic Advertising. Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Mit seinem Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt.

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