Marketing Strategie

Die Parship-Affäre: Wie man nicht mit seinen Affiliates umgeht

Ein Kleinkrieg unter den Partnerbörsen Parship und Elitepartner führt zu rüdem Umgang, Drohungen und Anschuldigungen an die Affiliates.

Elitepartner hat Parship wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt . Vor Gericht hat letztendlich Elitepartner recht bekommen und erwirkt, dass Parship Werbeslogans wie z.B. „Testsieger…“ nicht weiter verwenden darf.

Konkret geht es darum, einen Test von 14 Partnerbörsen aus Ausgabe 03/2011 der Stiftung Warentest nicht weiter in der Marketing-Kommunikation zu nutzen. Parship warb damit, als Testsieger mit der Note „Gut (2,2)“ abgeschnitten zu haben. Durch die Entscheidung ist nun jegliche Kommunikation der Ergebnisse, wie z.B. „Ich hab‘ einfach wenig Zeit – deshalb gleich zum TESTSIEGER!“ oder auch „Ich bin einfach gern‘ beim TESTSIEGER!“ verboten. Das Urteil trat zum 05.03.2013 in Kraft und droht bei einem Verstoß empfindliche Strafen an.

Diverse Abmahnung durch den Wettbewerber Elitepartner (EliteMedianet GmbH)

Elitepartner hat Recht bekommen, obwohl dieser Partnerbörsen-Test der aktuellste ist und Parship dort auch tatsächlich zum Testsieger gekürt worden war. In der Zwischenzeit hat sich bei Parship zu viel geändert und das aktuelle Produkt entspricht nicht mehr dem im März 2011 getesteten. Parship formuliert es folgendermaßen:

Das Testurteil der Stiftung Warentest, bei dem PARSHIP als Testsieger unter den Online-Partnerbörsen hervorgegangen ist, liegt bereits einige Zeit zurück (März 2011). Seit diesem Zeitpunkt haben wir unseren Service ständig überarbeitet – in Form neuer mobil-Apps, zusätzlicher Features zur Kontaktanbahnung und auch neue Laufzeitpakete für unsere Premium-Mitgliedschaften. Damit haben sich Veränderungen ergeben, aufgrund derer das Testergebnis aus dem Jahr 2011 nicht mehr den aktuellen Stand unseres Leistungsangebots widerspiegelt und somit nicht mehr kommuniziert werden darf.

Rolle der Affiliates

Am 25. Februar versendete die Rechtsabteilung von Parship eine E-Mail an alle Affiliates mit der Bitte um Änderung bestimmter Punkte/Slogans und schickte neue, rechtsgültige Logos und Screenshots mit. In dieser Mail ist die Rede davon, dass Parship nicht mehr als Marktführer bzw. führende Partnervermittlung beworben werden darf, sondern nur noch als „eine der führenden Partnervermittlungen“.
parshipscreenAnbei befanden sich zwei Bilder, auf dem Screenshot wird die Kommunikation mit „Testsieger“ doppelt verwendet: „Jetzt kostenlos beim Testsieger anmelden“ und „PARSHIP ist Testsieger“. Im Februar lief bereits der Prozess zum Verbot der Kommunikation „Testsieger“. Dass diese Verwendung eventuell bald verboten wird, sollte der Rechtsabteilung und dem Marketing bereits klar gewesen sein.

Rüder Umgang mit den Affiliates

Wettbewerbsverstöße aufgrund Werbung auf Ihrer Webseite

Knapp einen Monat später geht dann plötzlich und ohne Vorwarnung ein Schreiben bei den Affiliates ein, teilweise per Post und teilweise per E-Mail versendet. In diesem Schreiben wird ein sehr harscher Ton angelegt und die Drohung mit rechtlichen Konsequenzen ausgesprochen, sollten die geforderten Änderungen nicht direkt umgesetzt werden.

Wir fordern Sie auf, diese Werbung noch heute einzustellen und uns dies schriftlich zu bestätigen.
Unabhängig hiervon weisen wir Sie schon jetzt auf folgendes hin:

1. Wir werden das mit Ihnen bestehende Vertragsverhältnis kündigen, sollten Sie die Verletzungshandlung nicht unverzüglich einstellen.
2. Wir werden gerichtliche Schritte auf Einstellung der Verletzungshandlung bis hin zur Zwangsvollstreckung ergreifen, sollten Sie die Verletzungshandlung nicht unverzüglich einstellen.
3. Wir werden Sie auf Schadensersatz in Anspruch nehmen.

Das sind harte Worte, die jeden Affiliate natürlich sofort aufschrecken lassen. Mögliche Verstöße mit angreifbarer Werbung seitens Parship direkt an Affiliate-Partner weiterreichen? Knapp einen Monat vorher sogar noch zur Änderung genau der nun beanstandeten Slogans aufrufen.  Wenn die Werbemittel von Parship rechtliche Probleme bereiten können, ist es natürlich, die Affiliates darüber zu informieren. In diesem Fall ist es allerdings der harsche Ton und die Anschuldigung, selbst diese Wettbewerbsverstöße begangen zu haben:

Heute mussten wir feststellen, dass auf der Seite http://
inhaltlich mit der wettbewerbsrechtlich angreifbaren Werbung geworben wird.

Festzuhalten ist jedoch, dass Parships Vorgehen in jedem Falle rechtmäßig ist und die Affiliate-Partner zur Änderung verpflichtet sind. Ansonsten würden sie sich tatsächlich selbst schuldig machen.

Wie auch Dr. Martin Bahr, Rechtsanwalt mit Spezialisierung auf die neuen Medien (www.dr-bahr.com), zu berichten weiß:

kanzlei_pf_drbahr_05Das Vorgehen von Parship ist formal-juristisch in Ordnung. Sobald Parship seine Affiliates zur Löschung der überholten Werbung aufgefordert hat, einzelne Affiliates gleichwohl weiterhin damit werben, kann das Unternehmen dann Regress nehmen bei diesen Affiliates.

Da es sich im vorliegenden Fall um eine einstweilige Verfügung handelt, muss Parship innerhalb von wenigen Tagen das gerichtliche Verbot umsetzen. Entsprechend kurz können auch nur die Umsetzungsfristen für die Affiliates sein.

Jedoch erscheint mir der Ton und die konkrete Herangehensweise von Parship außerordentlich befremdlich und vor allem absolut unangemessen. Hier wird auf rüde Weise mit seinen eigenen Affiliates umgegangen, ohne dass dies auf diese Art und Weise notwendig wäre.

Von mehreren Affiliate Partnern konnte ich hören, dass diese lieber erstmal keine weitere Werbung für Parship betreiben werden und über die Art der Kommunikation nur großes Kopfschütteln herrscht.  Auf Nachfrage bei einem Parship Mitarbeiter kam heraus, dass diese drastische Vorgehensweise zwingend nötig war, um dem Richter die Bestrebungen zu verdeutlichen, die entsprechenden Werbemittel aus dem Netz verschwinden zu lassen. In der Zukunft sollte die Kommunikation wohl etwas freundlicher und erklärender vollzogen werden, schließlich ist Parship wie jeder Anbieter auf ein gutes Verhältnis zu den eigenen Advertisern angewiesen. Wir sind gespannt, ob es in Zukunft Forderungen und Abmahnungen gegen einzelne Parship-Affiliates geben wird.

Über Marc Stahlmann

Marc Stahlmann

Marc Stahlmann ist Geschäftsführer von OnlineMarketing.de, dem größten Digitalportal zum Thema Online Marketing. Als studierter Betriebswirt, Startup-Fan und Online Marketer ist er vertraut mit dem aktuellen Marktgeschehen. Zudem ist er Mitgründer und Organisator vom Online-Karrieretag, der größten Karriereveranstaltung für die Digitalbranche.

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Performance Horizon ist der führende Anbieter von privaten Affiliate und Partner-Marketing Netzwerken und ermöglicht es großen Unternehmen, ihre Umsätze durch Marketingpartner deutlich zu steigern.

4 Gedanken zu „Die Parship-Affäre: Wie man nicht mit seinen Affiliates umgeht

  1. Ein Affiliate

    Zu:
    „In der Zukunft sollte die Kommunikation wohl etwas freundlicher und erklärender vollzogen werden“

    Ich habe das zweite mal von Parship Post bekommen, diesmal da ich ein alten Screenshot der Seite verwendete. Der Ton ist der Selbe nur diemal steht auch etwas von einer Abmahnung im Schreiben:

    Ferner müssen wir Sie mit diesem Schreiben gem. § 314 II BGB entsprechend abmahnen und bitten darum Abhilfe zu schaffen.

    Was es kostete steht da nicht, auch nicht warum wieso weshalb.

    Ich werde die auf meinem Vergleich nicht mehr listen, ich habe es Satt so behandelt zu werden!

    Antworten
  2. Bastian Bauer

    Parship sekbst verwendet übrigens noch aktuell (19.4.2013) die untersagten „Siegel“ aus dem Stiftung- Warentest Test 3/2011 in der TV-Werbung!! Wenn das mal nicht neuen Ärger gibt.

    Antworten
  3. Max

    Verstehe ich das richtig? Parship verwendet regelwidrige Werbebotschaften und droht den Affiliates, wenn diese sie nicht sofort rausnehmen.
    Unmögliches Verhalten!

    Antworten

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