Marketing Strategie

Die Halbwelt der Online-Rezensionen

Das Fälschen von Produktbewertungen im Internet ist längst mehr als eine lukrative Nische – es ist teilweise Betrug im großen Stil.

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Gute Bewertungen sind gut fürs Geschäft. Dass bei nicht jede Bewertung aus freien Stücken entsteht, mag niemandem wie eine bahnbrechende Enthüllung erscheinen, und doch überrascht das Ausmaß dieses “Geschäftszweiges” einigermaßen, welches das Springerblatt AudioVideoFotoBild in seiner heute erschienenen Ausgabe dokumentiert.

Professionelle Strukturen

Die Rede ist von 20-30% an falschen Bewertungen von großen Online-Portalen wie Amazon.de, Dooyoo, Ciao oder Qype. Im Bestreben, den negativen Rezensionen und Bewertungen den Garaus zu machen, agieren die Agenturen meist im Auftrag der Unternehmen und operieren mit einer Vielzahl an Strategien. Die Kritiker i. A. verfügen dabei über ausgedehnte Netzwerke von Benutzerkonten auf den verschiedenen Portalen und verteilen ihre Rezensionen so gut, dass es schwer ist, sie als Fälschungen zu enttarnen. Dabei entsteht dann in der Summe trotzdem eine enorme Masse an Falschmeldungen, die kritische Beiträge buchstäblich in der Masse der bis an die Zähne mit Superlativen bewaffneten Lobeshymnen untergehen lassen.

Zudem ist die Branche stets Up to Date, was Hindernisse wie Filtersysteme, Spamblocker o. Ä. anbelangt. Und selbst bei Marktführern wie Amazon ist der “Trick” kaum als ein solcher zu bezeichnen: es wird ein Produkt gekauft, eine Rezension geschrieben und innerhalb der Rückgabefrist zurückgesendet. Wie Meedia.de weiter den aus der Studie berichtet, existieren zudem Komplettlösungen für Anbieter, bei denen sich die Agenturen gegen einen Festpreis komplett um das “Monitoring” und alle notwendigen Maßnahmen kümmern.

Besonders kritisch sieht die AVF-Bild denn auch die noch immer unzureichenden Maßnahmen der Anbieter gegen diese mafiösen Strukturen: ohne die Frage nach der Motivation von Amazon & Co. zur Schaffung effektiverer Sicherheitsvorkehrungen weiter zu stellen, rät sie Usern unter anderem, sich die Beiträge nach unverhältnismäßigen und unnatürlichen Merkmalen zu untersuchen. Zu denen gehören Bezüge zu aktuell diskutierten Mängeln und Schwächen eines Produktes, detaillierte technische Angaben, aber auch so offensichtliche Dinge wie schlichte Länge und die übermäßige Ausbreitung einzelner Themen.

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