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„Ich glaube nicht an Strategien wie die von Ströer“ – Sven Schmidt, ICS Internet Consumer Services

Der VC-Experte Sven Schmidt von ICS bewertet den Online-Werbemarkt und spricht über sinnvolle Investments auf dem AdTech-Sektor.

Sven Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter der ICS Internet Consumer Services GmbH

Im Rahmen der d3con 2017 kommen im März die schlausten Köpfe der RTA-Branche im Hamburger Cinemaxx zusammen. Als Medienpartner stellen wir in den nächsten Wochen einige der Speaker im Interview vor, um euch einen Vorgeschmack auf die spannenden Themen der Konferenz zu geben, die die Display-Branche momentan bewegen.

Sven Schmidt ist Geschäftsführender Gesellschafter der ICS Internet Consumer Services GmbH in Hamburg. Der VC-Experte baut seit 2005 mit ICS Start-Ups auf und investiert in Internetunternehmen. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf, Leipzig und in den USA stieg der Diplom-Kaufmann und MBA zunächst bei McKinsey & Company in Düsseldorf ein. Schmidt war einer der Gründer von getgo, das 2002 an Eventim verkauft wurde. Weitere Stationen als Venture Partner waren Earlybird Venture Capital in Hamburg und Accel Partners in London.

Interview mit Sven Schmidt, Geschäftsführender Gesellschafter ICS Internet Consumer Services

OnlineMarketing.de:  Sven, du bist bekannt als ein Freund offener Worte: Wie würdest du den aktuellen Status des Online-Werbemarktes beurteilen?

sven-schmidt-ics-internet-consumer-servicesSven Schmidt: Wenn die aktuellen Zahlen stimmen, kommt das gesamte Wachstum im Online-Werbemarkt GAFA (Google, Amazon, Facebook und Apple) zu Gute. Anders ausgedrückt: Alle anderen Firmen in Summe stagnieren. Gegeben, dass der Online-Werbemarkt ein Wachstumsmarkt ist, ist das besorgniserregend.

Manche Anbieter wachsen natürlich – allerdings auf Kosten anderer. Die Letzteren werden früher oder später aus dem Markt ausscheiden. Wir werden also neben einer Konsolidierung (siehe beispielsweise den Agenturmarkt) eine harte Auslese sehen, was in Wachstumsmärkten – sogar in digitalen – eher selten ist.

Aber Google und Facebook profitieren von der Kombination aus Reichweite, Daten und Skaleneffekten immens. Und Amazon und Apple werden sich auch etwas vom Kuchen abschneiden. Aus Amazon SEO wird mit der Zeit Amazon SEA und App Store SEA wird Apple noch einen relevanten Deckungsbeitrag bringen.

Ich bin wie bekannt aus diesen Gründen AdTech Skeptiker. Vor allem da die dummen Käufer (wie die Post in Deutschland und Yahoo in den USA) auch nicht mehr kaufen. Und die klassische Vermarktung ist wie das lineare Fernsehen. Noch zeigt sie Beharrungskräfte, aber das Ende naht. Daher glaube ich auch nicht an die Strategien wie die von Ströer.

Auf der d3con bist du in diesem Jahr auf dem „Markt & Investoren Panel“ dabei. Welche börsennotierten Unternehmen der Branche sind für dich Geheimtipps und von welchen würdest du eher die Finger lassen?

Bei meinen Investments fokussiere ich mich auf Start-Ups bzw. nicht börsennotierte Firmen. Daher bin ich der Falsche, um die Frage nach „Geheimtipps“ zu beantworten. Wie man oben erkennen kann – im Online-Werbemarkt würde ich eher auf Amazon, Facebook, Google und im gewissen Rahmen Apple setzen. Aber die Erkenntnis hat die Börse schon länger, wenn man sich die Kurse der vier Firmen anschaut. Da verrate ich kein Geheimnis.

Generell kann ich sagen, dass man sich fragen sollte, wie eine AdTech Firma nachhaltig gegen GAFA bestehen kann, bevor man in sie investiert. Eine Firma muss ein nachhaltiges Alleinstellungsmerkmal haben, sonst droht das Aus. Und das ist nicht gut für den Börsenkurs.

Wie siehst du die Dominanz von Google und Facebook im Online-Werbemarkt – haben lokale AdTech Start-Ups überhaupt noch eine Chance? Würdest du in solche Themen derzeit investieren?

Monopolisten sind nie gut. Weder für Nutzer noch für den „Wettbewerb“. Ich glaube daher, dass GAFA reguliert werden sollte. Bis das Wirkung zeigt, wird es noch dauern. Lokale AdTech Startups sollten sich daher fragen, wie sie dauerhaft bestehen können.

Ich bin beispielsweise der Überzeugung, dass alle Arbitrage Themen eher von temporärer Natur sind. Google, Facebook und auch Amazon und Apple werden das direkt oder indirekt – über ihre Marktplatzmechaniken – unterbinden. Daher sage ich als Investor hier immer nein.

Gleiches gilt für das Agentur Geschäft. Das ist per se erstmal ein Geschäft mit „walking assets“. Dazu ist es m.E. eh zu einem Verdrängungswettbewerb geworden. Weiterhin muss man noch die Konsolidierung berücksichtigen.

Wenn man das Segment AdTech sehr weit definiert, sind Themen wie Adjust spannend: Direkter Kundenzugang, Abo Model, „SaaS“, sehr hoher Deckungsbeitrag, durch Fokus Differenzierung und eine Lösung über beide relevante Plattformen.

Ich würde das als „value added services“ auf den GAFA Plattformen bezeichnen. Das Geschäft ist groß genug, um spannend zu sein, und klein genug, damit es zu keiner Vorwärtsintegration von GAFA kommt.

Vielen Dank für das Interview!


OnlineMarketing.de ist offizieller Medienpartner der d3con 2017. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit den Event-Organisatoren entstanden. Interessierte können sich hier für die d3con anmelden. Außerdem organisiert OnlineMarketing.de die Aftershow-Veranstaltung des Events.

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