Display Advertising

In Stockholm wird Werbefläche zum Navi für Obdachlose, wenn es friert

Clear Channel spendet dieses Weihnachten seine Werbefläche im öffentlichen Raum, um Bedürftige zu Notunterkünften zu lotsen.

© Clear Channel / The Drum - YouTube

Im schwedischen Stockholm sind ausgewählte digitale Werbeträger im öffentlichen Raum zurzeit so eingerichtet, dass sie ab einer Temperatur von minus sieben Grad die nächste Notunterkunft für Obdachlose anzeigen. Dahinter steckt eine Kooperation von Clear Channel mit der Stadt.

53 Screens navigieren im Ernstfall zu Hilfestellen anstatt Werbung zu zeigen

Zum Anbruch der kalten Jahreszeit, die in Skandinavien durchaus extremere Ausmaße annehmen kann als hierzulande, hat die Stadt Stockholm in Zusammenarbeit mit Kirchen und diversen NGOs Notunterkünfte für Obdachlose bereitgestellt. Laut The Drum unterstützt der international agierende Out-of-Home Advertiser Clear Channel das Projekt nun zum ersten Mal mit insgesamt 53 Billboards, die Bedürftigen als Navigationshilfe dienen sollen. Sobald die Temperatur unter minus sieben Grad fällt, zeigen die Screens statt ihrem gebuchten Werbecontent automatisch Wegbeschreibungen zur nächsten Unterkunft. Dabei wurden die Flächen strategisch so ausgewählt, dass sie an bekannten Sammelpunkten für Obdachlose positioniert sind.

Die Screens geben die entsprechende Adresse, Entfernung und den Öffnungszeitpunkt an. Dafür kommen also die Datenpunkte Ort, Zeit und Wetter zum Einsatz. Darüber hinaus informieren sie über Spendenstellen, Freiwilligenarbeit sowie Tagesunterkünfte für Frühstück und Wärme. 

Werbetechnologie schafft neue Möglichkeiten im öffentlichen Raum

Das Projekt stammt aus der Feder der PR-Agentur Prime, die unter dem Dach von Weber Shandwick agiert. Ola Klingenborg, VP Nordeuropa von Clear Channel International, zeigt sich optimistisch über den Einsatz seiner Werbefläche:

© Clear Channel

Our billboards are located where people are, and thanks to technology, we can develop solutions that can help both people and cities. This is something we see as an extension of our work in creating true value in the cities we operate in.

Das Problem für viele Obdachlose, die nicht vom sozialen Netz aufgefangen werden, besteht darin, dass die Informationen zu den Hilfestellen meist nicht bis zu ihnen durchdringen. Clear Channel versucht hier als Bindeglied zu fungieren und erreicht nach eigenen Angaben eine Million Menschen täglich in Stockholm. Hanna Belander, Creative Director für Prime Weber Shandwick, ergänzt:

© Prime

OOH media has never been more relevant. By using digital billboards, we are able to connect with a target group otherwise difficult to reach, while benefiting from an incomparable reach throughout the city. We are proud over that we, by having a value creation perspective on our work, have built something scalable that can make a difference.

Das Projekt soll zunächst zwei Monate als Pilot laufen. Je nach Erfolg wird es dann auf weitere Städte in Europa ausgeweitet. Seit dem Launch im November haben sich bereits andere NGOs angeschlossen, um zu unterstützen.

Der Fall verdeutlicht die Entwicklung von Großstädten hin zu Smart Cities. Digitalen Flächen rund um Out-of-Home Advertising, Bushaltestellen oder sonstigen Aufstellern sollen in der Zukunft innovative Verwendungsmöglichkeiten zukommen. So werden im Vereinigten Königreich und den Niederlanden bereits neben Verkehrs- und Wetternachrichten auch Suchmeldungen zu verschwundenen Kindern über die Screens verbreitet.

Über Anton Priebe

Anton Priebe

Anton Priebe ist Redaktionsleiter und seit Ende 2013 bei OnlineMarketing.de aktiv. Der studierte Germanist und Soziologe fokussiert sich auf Technologie, kreative Marketingstrategien und SEO. In seiner Freizeit klettert Anton gerne Wände hoch, bereist die Welt und freut sich über gutes Essen oder neue Musik.

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