Marketing Strategie

Apple All In: Streamingdienst, Magazin-Bundle, Kreditkarte und Gaming-Plattform

Beim lang erwarteten Apple Event wurden neben der antizipierten Streaming-Plattform große Neuerungen vorgestellt, die den Alltag der Nutzer ändern könnten.

© Apple

Schon Stunden vor dem Beginn des mit Stars gespickten Events in Kalifornien hatte Apple einen Livestream aktiviert. Die Veranstaltung selbst bot dann Insights zum neuen Streamingdienst Apple TV+, bei dem Jason Momoa oder Steven Spielberg nur zwei von vielen Stars sein werden, während außerdem ein neuer Apple News Service sowie die Gaming-Plattform Arcade und eine eigene Kreditkarte präsentiert wurden.

Apples Streamingdienst: Konkurrenz für Netflix und Co.?

Im Kampf ums hochwertige digitale Streaming haben Netflix und Amazon Prime Video weiterhin die Nase vorn; auch wenn Facebook mit Watch zu konkurrieren versucht. YouTube hatte gerade seine Bemühungen um hochqualitative Inhalte, das Produzieren exklusiver Dramen, Komödien etc., zurückgeschraubt, wie Ad Age berichtet. Der kostspielige Wettstreit werde auf diesem Level nicht weitergeführt, während sich YouTube vielmehr um seinen UGC und das Musik-Streaming kümmern werde.

Mit Apple kommt nun ohnehin starke Konkurrenz auf den Streaming-Markt. Im Steve Jobs Theater wurde der Dienst Apple TV+ vorgestellt. Zugegen waren dabei Berühmtheiten wie Reese Witherspoon, Oprah Winfrey, Steven Spielberg, Jason Momoa, Steve Carell, Jennifer Aniston usf. Ab Herbst soll Apple TV+ an den Start gehen und High End-Serien und -Filme bereitstellen. Bei der Popularität der Partner, zu denen auch Regisseur J.J. Abrams gehört, dürften viele User darauf zurückgreifen – auch wenn bisher kein Kostenpunkt genannt wurde. Die App wird dabei auf Geräten der Konkurrenz verfügbar sein, wie die BBC weiß, bei Samsung, LG, auch bei Roku, bei Vizio Smart TV und bei Amazons Fire TV Stick. Netflix hingegen wird nicht Teil des Bundles sein, für das eine Subscription obligatorisch ist.

Josh Constine kommentiert bei TechCrunch, wie Apple Facebooks Watch in den Schatten stellen wird. Denn Netflix hat sich mit seinen Originals und einer großen Auswahl etabliert, ähnlich ist es Amazon Prime Video gelungen, HBO hat Evergreens wie Game of Thrones zu bieten und Disney+ seine zahlreichen Helden aus Star Wars, von Marvel usw. Neben YouTube dürfte demnach auch Facebook das Nachsehen haben, wenn Apple mit Spielberg und Co. aufwartet, um den Zuschauern noch mehr qualitatives Streaming zu bieten.

Eine Kreditkarte, mit der man sparen kann

Mit der Apple Card hat das Unternehmen eine Kreditkarte vorgestellt, die in den USA im Sommer verfügbar sein wird. Die Kernaussagen zu dieser sind Einfachheit, Transparenz und Datensicherheit. Zusammen mit Goldman Sachs und MasterCard wurde diese Version entwickelt, die sowohl physisch als schlichte Titaniumkarte als auch virtuell in der Wallet App zur Verfügung steht – oder nur dort.

Apples neue Kreditkarte, © Apple

Durch die MasterCard-Verbindung lässt sich damit auf der ganzen Welt bezahlen. Und das mit Vorteilen. Zum einen ist die Karte extrem sicher. Die physische Version hat keine Nummern aufgeprägt. Vielmehr sind Sicherheitsmechanismen wie Face ID, Touch ID, und unique Transaction Codes in der App integriert. Nur der Besitzer kann sie nutzen, wenn er das möchte. Zum anderen spart er Geld. Denn die Apple Card fordert keine Gebühren und erlaubt beim digitalen Kauf sogar eine Rückerstattung von ein paar Prozent des Kaufpreises. Darüber hinaus ermöglicht die Karte nicht nur das simple Bezahlen übers iPhone, sondern auch eine Übersicht über die Ausgaben, farblich nach Kategorien, Tagen und Geldwert sortiert.

Übersicht zu Käufen mit der Apple Card, © Apple

Sogar der Ort des Kaufs kann nachvollzogen werden.

Auch beim Gaming scheut Apple keine Kosten und Mühen

Arcade nennt sich Apples Gaming-Plattform, die 100 Spiele exklusiv anbieten wird. Der Clou: diese Spiele lassen sich im Gegensatz zu den meisten anderen Plattformen auch offline zocken. Das dürfte viele Gamer interessieren. Ab Herbst soll Arcade in 150 Ländern ausgerollt werden; wobei auch hier noch keine Kosten für eine Subscription bekannt sind, was die Vorfreude etwas trübt.

Apple joins the other technology companies Microsoft, Facebook, Google, Amazon and others in investing directly in games content and services,

erklärt der IHS Director of Games Research Piers Harding-Rolls der BBC. Apple selbst verspricht bei den Games „Storytelling und Design wie noch nie“ und dazu keine Werbung und keine In App-Käufe. Mit einem Abonnement soll endlos gespielt werden können und das von verschiedenen Geräten. Außerdem haben bis zu sechs Familienmitglieder Zugriff.

Games wie LEGO Brawls dürften für Begeisterung sorgen.

LEGO Brawls bei Apple Arcade, © Apple

Apple News+ liefert Top Magazine an einem Ort

300 Titel – Magazine wie Zeitungen – wird der neue Abo-Dienst Apple News+ für Leser bereithalten. Dazu gehören Time, Vogue, GQ, der Rolling Stone, National Geographic, das Wall Street Journal, Esquire, Marie Claire und viele mehr. Das alles wird monatlich 9,99 US-Dollar kosten und ist in den USA und Kanada ab sofort erhältlich, in Europa soll der News+ Service später in diesem Jahr ausgerollt werden.

Anders als der TV+ Service werden diese Magazine dann nur auf Apple-Geräten verfügbar sein. Aktuelle und frühere Ausgaben lassen sich leicht durchblättern, Magazine downloaden oder Artikel zum späteren Lesen speichern. Um sie den Lesern noch näher zu bringen, wurden Artikel und Magazine mit ganz eigenen neuen Designs versehen.

Neue, frische Designs für Apple News+, © Apple

Als Vorteil für die Nutzer wirkt ebenso, dass sie auf Interessen basiert Vorschläge erhalten und dass Advertisern und Publishern gleichzeitig nicht erlaubt wird, das Leseverhalten zu tracken. Für die Publisher allerdings dürfte der Service, auch wenn er zu mehr Lesern führen mag, trotzdem problematisch sein, da er eine ertragreiche Monetarisierung erschwert. Das Problem war schon bei Apple News aufgetreten.

Ein Tanz auf mehreren Hochzeiten – der sich lohnen kann

Apples Event wurde mit Spannung erwartet und hat nicht enttäuscht. All die Neuerungen sprechen dafür, dass das Unternehmen sich in verschiedenen Bereichen unseres digitalen Alltags langfristig etablieren möchte; und wahrscheinlich wird. Dabei liefert man den Menschen also längst nicht mehr nur die populäre Hardware vom iMac bis zum iPhone und den App Store, sondern eine Reihe vielversprechender Services, die Apple zu Hersteller und digitalen Mediendirigenten zugleich machen. Allein die Verlockung, die Apple TV+ oder News+ bieten, sollte für zahlreiche Abonnenten sorgen. Und mit Arcade macht man Googles Stadia, wenn auch mit anderen Vorzeichen, Konkurrenz, während die Apple Card in Kombination mit Apple Pay das Bezahlverhalten der Menschen wieder deutlich weiter gen Zukunft orientiert.

Die Kosten für Apple TV+ oder Arcade sind noch nicht bekannt und könnten zum Stolperstein werden. Doch die Zeiten, in denen Netflix und Amazon Prime Video oder Hulu allein im Streaming herrschen, wo einzelne Magazine abonniert oder Games nur auf Konsolen gespielt werden, die womöglich in bar bezahlt wurden, scheinen vorbei. Apple hat einen Weg in verschiedene Räume eingeschlagen und könnte damit äußerst erfolgreich sein. Doch ähnlich wie bei Googles Stadia bleibt zu hoffen, dass in naher Zukunft nicht allein die großen Tech Player all unsere digitalen Belange beherrschen. Das macht vielleicht Vieles einfacher, sorgt jedoch gleichzeitig für eine Abhängigkeit und ein Machtgefüge, das langfristig auch Gefahren birgt. Unabhängig von diesen Gedanken dürfen sich die Apple-Nutzer 2019 aber auf einige starke Möglichkeiten freuen – die für das Unternehmen äußerst lukrativ, für die User aber auch besonders komfortabel erscheinen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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