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Selfimprovement
Erfolg durch Missgeschicke: Warum Fehler erstrebenswert sind

Erfolg durch Missgeschicke: Warum Fehler erstrebenswert sind

Maja Hansen | 20.09.18

Niemand begeht gern Fehler. Dabei werfen sie uns vielleicht erst einmal kurz zurück - bringen uns aber langfristig voran.

Fehler zu machen ist nicht gut. Eigentlich versuchen wir es zu vermeiden, uns Fehltritte zu leisten und sind stets bestrebt bloß alles richtig zu machen. Dabei gehören Fehler zu unserem Alltag dazu – und das ist gut so. Denn egal, ob privat und beruflich, durch den richtigen Umgang mit Missgeschicken können wir erst die vielen Chancen, die sich durch Fehler ergeben, erkennen. Sie sind essentiell für unser persönliches Wachstum. Warum wir Angst vor Fehlern haben und über eine Chefin einer Agentur, die schon viel aus ihren Fehltritten gelernt hat.

Warum haben wir Angst vor Fehlern?

Der Coach und Autor Andreas Hofman erklärt, dass die Angst vor Fehlern durch unsere Kultur erst im Laufe des Lebens entstehe. Er schreibt, dass er einmal ein zweijähriges Kind beobachtet hatte, das mit dem Laufrad auf dem Gehweg das Gleichgewicht verlor und hinfiel. Entgegen seiner Erwartungen fing das Kind nicht an zu weinen, sondern richtete sich sofort wieder auf und fuhr weiter, so als wäre nichts passiert. An dieser Situation macht er fest, dass Kinder keine Angst vor Fehlern hätten. Denn wäre dies so, würden wir wohl heute alle noch krabbeln. Kinder probierten Dinge einfach aus, ohne über die Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken. Doch dadurch geraten sie oft in Situationen, die den Erziehungsberechtigten nicht gefallen. Wenn Kinder aufgrund von einer neu ausprobierten Sache negative Resonanz der Eltern erfahren, lernen sie, dass es passieren kann, dass Resultate anderen Mitmenschen nicht gefallen können. Hofman prangert auch das Schulsystem an, in dem eine eine eins als besonders gut, eine sechs als besonders schlecht gilt. Kinder mit guten Noten würden mehr Lob erfahren. So kann es leicht passieren, dass bei den Übrigen der Gedanke entstehe, weniger liebenswert zu sein.

Im Laufe des Lebens festigt sich also der Glaube in uns daran, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Wir entwickelten unter anderem aufgrund von der kulturellen Formung Angst vor Missgeschicken. Auch im späteren Berufsleben wollen wir aufgrund von sozialem Druck immer alles richtig machen, um unseren Kollegen und Vorgesetzten zu gefallen. Denn wenn einem ein Fehler unterläuft, kann es leicht passieren, dass sich ein Gefühl von Schwäche und Versagen breit macht. Aber: Fehler bieten uns so viele Chancen. Dank Fehlentscheidungen und Missgeschicken können wir erst an unserem persönlichen Wachstum arbeiten. Marlene Dietrich sagte einmal:

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Ein altes Sprichwort lautet: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Wenn wir also neue Dinge ausprobieren wollen, sei es ein neuer Job oder die Übernahme von unvertrauten Aufgaben, sind Fehler unvermeidbar. Aber diese sind Teil eines natürlichen Lernprozesses. Solange man aus eigenen Fehlern lernen kann, sei es nicht schlimm diese zu begehen, so Hofman.

Es hilft also, entspannt zu bleiben und zu versuchen, das Beste zu geben. Denn niemand macht einen Fehler absichtlich. Natürlich kann sich die Angst verstärken, wenn wir beispielsweise im Job starke negative Rückmeldungen erfahren und es an Kritik aufgrund des Missgeschicks nur so hagelt. In diesen Momenten sollten wir versuchen, die Worte nicht persönlich zu nehmen und es beim nächsten Mal trotzdem ruhig und konzentriert zu probieren. Natürlich können übertriebene Reaktionen seitens des Chefs bei Fehlern die Angst noch weiter schüren. Solche extremen Resonanzen sind nicht mehr hilfreich und zeichnen auch keine gute Führungskraft aus. Bei ausfallender Kritik gilt es sich also bewusst machen, dass diese zu weit geht und nichts mehr mit uns, sondern mit dem Vorgesetzten selbst zu tun hat.

Die erfolgreichsten Menschen haben die meisten Fehler gemacht

Wir sollten uns nicht von der Angst vor Fehlern aufhalten lassen. Bei der Überlegung ein eigenes Unternehmen zu gründen, kann beispielsweise viel daneben gehen. Aber wenn der Gedanke dich nicht los lässt, du dich intensiv mit der Thematik beschäftigt hast, dann probiere es aus. Das Risiko, dass du Fehlentscheidungen triffst, ist kaum zu nehmen. Der Autor Hofman geht sogar soweit und behauptet, dass erfolgreiche Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit die meisten Fehler gemacht haben. Denn diese, so glaubt er, hätten sich durch ihre Fehltritte nicht einschüchtern lassen und einfach weiter gemacht.

Auch Samantha Plue, die Chefin einer Kreativagentur, teilt in einem Interview ihren Glauben an die Chancen, die sich uns erst durch Fehler ergeben. Um ihren Traum zu verwirklichen, ging sie ihr persönlich größtes Risiko ein: Vor sechs Jahren packte sie alles zusammen, was sie besaß und buchte ein One-Way-Ticket nach New York. Ihre Freunde glaubten damals nicht, dass sie lange dort bleiben würde. Aber sie blieb. Plue erzählt, sie war angetrieben von ihrem Wunsch, eine Agentur zu leiten und ihre Karriere voran zu treiben, sodass sie sich nicht von der Angst vor Fehlern aufhalten ließ. Auch wenn sie zahlreiche Fehler begangen hat, ist sie sich sicher: Genau das war es wert. In diesem Zusammenhang zitiert sie James Murphy:

I wouldn’t trade one stupid decision for another five years of life.

Im Interview mit Kathleen Griffith erklärt Plue, dass sie ihre Großmutter immer bewundert hätte. Sie habe die Amerikanerin dazu angetrieben, immer weiter zu machen. Egal was passierte, ihre Großmutter habe sie immer weiter gepusht, den Mut aufzubringen, um sich einfach zu trauen.

Um sich in ihrem heutigen Arbeitsalltag vor Schuldgefühlen durch Fehler zu schützen, setzt Plue sich vor jedem Projekt klare Ziele, aber auch Grenzen. Wenn etwas nicht funktioniert, fällt es ihr so leichter mit einem Missgeschick umzugehen. Dann sage sie sich, dass sie alles gegeben hat, dass es trotzdem nicht geklappt hätte und dann sei sie gut zu sich selbst. Denn schließlich habe sie alles getan, was sie konnte.

Die Chancen hinter den Fehlern

Es ist also Zeit, die Chancen hinter den Fehlern zu erkennen. Wenn dir Angst vor Fehlern Probleme bereitet, dann überdenke deine persönliche Fehlerkultur und gestalte sie neu. Denn durch Fehler lernst du dazu, stärkst langfristig deine Persönlichkeit und stellst sicher, dass du effizienter arbeiten kannst. Denn schließlich lernen wir alle aus unseren Fehlern und können im Hinblick auf unseren Job Arbeitsprozesse optimieren. Und so werden im Endeffekt deine Erfolgschancen allgemein gesteigert. Auch wenn es zu unnötigen Fehlern kommt, solltest du nicht zu hart mit dir ins Gericht gehen. Innere Vorwürfe über die eigene Blödheit bringen dich nicht voran. Versuche lieber den inneren Dialog auf die Lerneffekte zu steuern. Wie kannst du den Fehler korrigieren? Was kannst du das nächste Mal besser machen?

Fehler helfen uns allen bei der persönlichen Weiterentwicklung und werfen uns vielleicht für einen kurzen Moment zurück – bringen uns aber langfristig voran. Schließlich geben wir alle immer unser Bestes.

Kommentare aus der Community

Wolf Braun am 16.08.2019 um 15:54 Uhr

Mein Top Fehler, denken, dass ich ohne einen Plan produktiv sein kann.
Es geht einfach nicht, man macht alles mögliche, nur nicht produktiv sein.

Antworten
Björn am 25.09.2018 um 18:31 Uhr

„Der Coach und Autor Andreas Hofman erklärt, dass die Angst vor Fehlern durch unsere Kultur erst im Laufe des Lebens entstehe. Er schreibt, dass er einmal ein zweijähriges Kind beobachtet hatte, das mit dem Laufrad auf dem Gehweg das Gleichgewicht verlor und hinfiel. Entgegen seiner Erwartungen fing das Kind nicht an zu weinen, sondern richtete sich sofort wieder auf und fuhr weiter, so als wäre nichts passiert. An dieser Situation macht er fest, dass Kinder keine Angst vor Fehlern hätten. Denn wäre dies so, würden wir wohl heute alle noch krabbeln. Kinder probierten Dinge einfach aus, ohne über die Konsequenzen ihres Handelns nachzudenken.“ Wow – von einer Einzelbeobachtung schließt der gute Herr auf die gesamte Gesellschaft und auf die komplexen Vorgängen in den Kindern selber. Respekt – aber so leider unbrauchbar. Gibt es dafür auch seriöse Quellen?

Antworten
Niklas Lewanczik am 26.09.2018 um 08:41 Uhr

Hallo Björn,

du hast natürlich recht, wenn du schreibst, dass die Behauptung Hofmans gewagt ist, die besagt, dass Kinder keine Angst vor Fehlern haben, weil es dafür das genannte Alltagsbeispiel gibt.
Es finden sich durchaus zahlreiche Studien zu Ängsten und Ängsten bei Kindern; diese sind jedoch meist an ein Set von Parametern und bestimmte Fragen gebunden (Wie entstehen Angststörungen usw.). Tatsächlich wurde diese Begebenheit mit dem zweijährigen Kind an dieser Stelle aber eher exemplarisch aufgeführt, um zu illustrieren, dass gerade Kinder in ihren Handlungen bis zu einem gewissen Punkt wenig konsequenzorientiert handeln. Die Phase des logischen Denkens, die etwa ab dem sechsten oder siebten Lebensjahr einsetzt, löst dann die des anschaulichen Denkens ab. In dieser vorigen – und das kann man sicher auch ohne Studienergebnisse in den Raum stellen – machen Kinder häufig Erfahrungen im Trial and Error-Verfahren. Dieses mitunter unbewusste In-Kauf-Nehmen von Fehlversuchen steht (auch im Artikel) im Zentrum.
Dass nun kein gesamtgesellschaftliches Bild mit diesem Hinweis gezeichnet werden kann, leuchtet ein. Dennoch kann eine Rückbesinnung auf die Erfolge, die durch Handeln ohne zu großes Konsequenzdenken hervorgebracht wurden, mitunter hilfreich sein. Allerdings muss erwähnt werden, dass auch ein logisches Überdenken möglicher Folgen effektiv sein kann.
Fazit: aus Fehlern kann man (auch wir) lernen; bei Kindern ist das sicher am besten zu beobachten.

Danke für den Hinweis und beste Grüße.

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