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Chronische Unzufriedenheit: Wenn unrealistische Erwartungen und ständige Beschwerden das Leben belasten
© arash payam - Unsplash

Chronische Unzufriedenheit: Wenn unrealistische Erwartungen und ständige Beschwerden das Leben belasten

Michelle Winner | 17.08.21

Wenn es im Leben keine Anreize mehr gibt und man unrealistische Erwartungen hat, kann es zur chronischen Unzufriedenheit kommen. Diese wirkt sich negativ auf Psyche und Beziehungen aus.

Stelle dir vor, man würde sämtliche Gewürze von deinem Essen entfernen. Wenn alles fad und langweilig schmeckt, vergeht einem die Lust auf die Mahlzeit, oder? Und nun stelle dir vor, genau das würde mit deinen täglichen Aktivitäten passieren. Genauso fühlen sich Personen, die am chronischen Unzufriedenheitssyndrom leiden. Arbeit und Freizeit halten keine Reize mehr für sie parat. Doch woher kommt die Unzufriedenheit und welche Folgen hat sie?

So äußert sich chronische Unzufriedenheit

Der Alltag ist nicht immer spannend, aber normalerweise findet jeder Mensch kleine Anreize, die Vorfreude auslösen oder für Motivation sorgen, beispielsweise ein leckeres Abendessen, eine spannende Aufgabe bei der Arbeit oder ein geplanter Ausflug mit den Liebsten. Personen, die am chronischen Unzufriedenheitssyndrom leiden, fehlen diese Anreize. Daraus resultieren folgende „Symptome“:

  • Widerwillen beim Gedanken an die täglichen Pflichten
  • fehlende Motivation
  • Probleme mit neuen Projekten
  • Unlust in den Tag zu starten und stattdessen im Bett bleiben wollen
  • Verlust von Freude im Alltag

Auslöser für die chronische Unzufriedenheit können unrealistische Ansprüche an das Leben sein. Manche Betroffene fantasieren von einem perfekten Leben, dessen Standards jedoch kaum bis gar nicht zu erreichen sind. Bei anderen herrscht eher eine Art unterbewusste Hemmung vor: Sie trauen es sich nicht, zufrieden zu sein, beispielsweise aus Angst, dass, wenn alles gut läuft, bald schon etwas Negatives folgt. Oder weil sie denken, Zufriedenheit ist hinderlich für ihren Weg und bremst sie aus. So oder so kann man das Ganze fast schon als Selbstmanipulation sehen.

Chronische Unzufriedenheit als Belastung für das Umfeld

Das Problem ist nicht nur für die eigene Psyche belastend, sondern auch für Außenstehende. Betroffene neigen dazu sich immer wieder zu beschweren – allerdings nicht in der Absicht, dass sich etwas an ihrer Situation ändert oder Hilfe zu suchen. Auf Dauer nimmt das Einfluss auf das gemeinsame Miteinander und kann darin resultieren, dass selbst die Liebsten die Anwesenheit der Betroffenen als Kräfte raubend wahrnehmen. Im Arbeitskontext führt chronische Unzufriedenheit dazu, dass Führungskräfte immer höhere Anforderungen an ihre Angestellten stellen, so hoch, dass sie nicht mehr erreichbar sind. Das Arbeitsklima leidet extrem darunter, weil es ständig Beschwerden aus der Führungsetage gibt.

Bei Mitarbeiter:innen führt die Unzufriedenheit dazu, dass sie sich über Kleinigkeiten ärgern und einen Elefanten daraus machen. Das Verhalten der Kolleg:innen stört sie, Änderungen im Tagesablauf sind ein Rückschlag und das Glück anderer wird diesen nicht gegönnt. Auch das wirkt sich aufs Arbeitsklima aus und kann dazu führen, dass Betroffene als unangenehme Kolleg:innen zählen, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte. Teilweise leidet darunter auch die eigene Leistung.

Das kannst du gegen chronische Unzufriedenheit tun

Die gute Nachricht ist: Chronischer Unzufriedenheit kann entgegengewirkt werden. Wenn du bemerkst, dass deinem Leben die Würze fehlt und du dich ständig beschwerst, können die folgenden Schritte dir vielleicht helfen.

1. Sei realistischer

Wenn das Problem deine unrealistischen Erwartungen an das Leben sind, wird es Zeit auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Das ist gar nicht so einfach und braucht einiges an Zeit. Zunächst solltest du mit deinem Umfeld sprechen und herausfinden, welche deiner Erwartungen vielleicht zu hoch gestochen sind. Ebenfalls kann es dir helfen Recherchen anzustellen und dich in Foren auszutauschen, beispielsweise darüber, ob dein Gehalt angemessen ist. Wichtig ist es außerdem, dich zu desillusionieren. Filme, Serien und Bücher gaukeln uns oft Traumrealitäten vor, die so im echten Leben nicht erreichbar sind. Trotzdem sehnen sich viele Menschen nach ihrer perfekten Geschichte. Mach dir also bewusst, dass fiktive Welten nicht komplett auf dein Leben übertragbar sind. Sieh nach links und rechts, beobachte, wie andere ihr Leben führen – so wirst du schnell bemerken, dass nicht immer alles perfekt läuft, die Menschen aber trotzdem ihr Glück finden.

Gleiches gilt übrigens auch für Social Media. Hier herrscht oft mehr Schein als Sein. Bemerkst du also, dass du neidisch auf das Aussehen oder das Leben von Influencern bist, wirf einen Blick hinter die Kulissen. Es gibt inzwischen zahlreiche Kanäle, die zeigen, wie mit Winkeln, Licht und Photoshop die perfekten Fotos entstehen. Oder auch Berichte darüber, welche negativen psychischen Folgen der Social-Media-Druck auf Influencer und Creator hat. Auch hier ist nicht immer alles schön und glänzend, auch wenn es den Anschein hat.

2. Zwinge dich zu neuen Reizen

Neben realistischen Erwartungen ans Leben ist es wichtig, immer wieder neue Anreize zu schaffen. Anfangs musst du dich zu diesen vielleicht zwingen. Nimm dir also zunächst einmal pro Woche vor, etwas „Neues“ zu tun. Lies ein Buch, probiere ein kurzes Workout aus oder koche ein neues Gericht. Vielleicht kannst du dir auch fürs Wochenende einen Ausflug vornehmen. Hauptsache, du fütterst dich selbst mit Anreizen und versuchst dadurch die Würze zurückzuholen.

3. Setze dir Zwischenziele

Wenn du große Vorhaben oder Projekte planst, solltest du diese in kleine Etappen aufteilen. Anstatt also stur auf das Ende hinzusteuern und nebenbei die Lust zu verlieren, solltest du dich für die kleinen Zwischenziele belohnen. Wenn du bemerkst, wie du nach und nach Erfolge feiern kannst, kann das deine Motivation zurückholen und dir wieder Lust auf Neues machen.

Chronische Unzufriedenheit kann jede:n mit der Zeit treffen. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie man ihr entgegenwirken kann. Andernfalls können die Folgen für die eigene Psyche sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen fatal sein. Mach dir also bewusst, dass ein Problem vorliegt und versuche wieder realistische Erwartungen an dein Leben zu haben.

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