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Karriere Tipps
4 Warnsignale, die beim Jobinterview auf einen schlechten Arbeitgeber hindeuten
© Markus Spiske - Unsplash

4 Warnsignale, die beim Jobinterview auf einen schlechten Arbeitgeber hindeuten

Michelle Winner | 03.06.20

Desinteresse und Unprofessionalität - das und vieles mehr sollte deine Alarmglocken leuten lassen. Erspare dir spätere Enttäuschungen, indem du sofort auf die Warnsignale reagierst.

Bei einem Bewerbungsgespräch entscheidet der Arbeitgeber, ob ein Bewerber zum Unternehmen passt. Es gibt jedoch auch Entscheidungsprozesse auf der anderen Seite: Als Bewerber schätzt auch du ein, inwieweit du mit der Firmenkultur und den Ansprüchen des potenziellen Arbeitgebers klarkommst. Das Problem dabei ist jedoch, dass viele in der Bewerbungsphase eine rosarote Brille tragen. Warnsignale über die Qualität des Arbeitgebers werden ignoriert, weil dringend ein Job gebraucht wird, es das Traumunternehmen ist oder weil das Gehalt gut ist. Die Ernüchterung folgt dann wenig später im Arbeitsalltag – du stellst fest, dass du mit dem neuen Job einfach nicht glücklich wirst. Um diese Situation zu vermeiden, haben wir vier wichtige Warnsignale eines schlechten Arbeitgebers zusammengetragen.

Warnsignal 1: Tonfall und Wortwahl

Der Ton macht die Musik – auch im Bewerbungsgespräch. Wenn die Sprechweise deines Gegenübers dir Unbehagen bereitet, ist das ein klares Warnsignal. Dieses Unbehagen kann zum Beispiel durch eine überhebliche oder herablassende Art ausgelöst werden. Aber auch eine monotone, demotivierende Sprechweise kann ein Zeichen dafür sein, dass der Arbeitgeber eigentlich gar keine Lust auf das Einstellungsprocedere hat. Achte neben dem Tonfall auch unbedingt auf den Inhalt des Gesprochenen. Negative Äußerungen über die Leistung der Mitarbeiter sind ein absolutes No-Go. Gleiches gilt für Lästereien über deinen Vorgänger.

Tätigt dein Gegenüber negative Äußerungen und rudert daraufhin direkt wieder zurück, deutet das darauf hin, dass eine negative Grundstimmung verschleiert werden soll. Der potenzielle Arbeitgeber sollte darauf bedacht sein, dir auch auf persönlicher Ebene zu begegnen. Ja, Arbeit und Privates werden vielerorts getrennt. Doch ein Mitarbeiter sollte nie nur als Arbeitskraft behandelt werden – bleiben persönliche und informelle Höflichkeiten aus, ist das jedoch oft der Fall.

Warnsignal 2: Fehlende Begeisterung und Desinteresse

Jeder hat mal einen schlechten Tag – doch gerade bei einem Bewerbungsgespräch, sollte man sich zusammenreißen. Das gilt sowohl für den Bewerber als auch den Arbeitgeber. Bekommst du nun während des Gesprächs das Gefühl, dein Interviewer will das Ganze nur schnell hinter sich bringen, ist das ein schlechtes Zeichen. Es spricht für fehlende Begeisterung und wenig Interesse an dir als neuen Mitarbeiter. In die gleiche Kategorie fällt es, wenn dein Gesprächspartner deinen Fragen ausweicht oder sie gar nicht erst zulässt. Die Antwort „Das sehen Sie dann schon bei der Arbeit“, hat keinerlei Mehrwert für dich. Dein Gegenüber sollte deine Fragen genauso sorgfältig zu beantworten versuchen, wie du die seinen. Andernfalls ist es ein klares Zeichen von Desinteresse.

Warnsignal 3: Unprofessionelles Verhalten

Was unprofessionell ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Manche Bewerber sind froh, wenn der Umgang miteinander im Bewerbungsgespräch eher locker ist, andere können damit jedoch gar nicht umgehen. Nichtsdestotrotz gibt es ein paar Verhaltensweisen, die dir auf jeden Fall Bedenken bereiten sollten. Wird dein Bewerbungsgespräch kurzfristig verschoben, ist das nicht zwingend ein schlechtes Zeichen – Life happens. Sollte das jedoch öfter passieren, könnte dies ein Indiz für eine schlechte Organisation seitens des Unternehmens sein. Kommt dein potenzieller Arbeitgeber dann auch noch zu spät zum Gespräch, darfst du zumindest eine kleine Entschuldigung erwarten. Wenn keine Entschuldigung erfolgt, ist dein Gegenüber eventuell einfach unhöflich oder setzt voraus, das sein Verhalten von den Mitarbeitern einfach hingenommen wird.

Natürlich geht es noch schlimmer. Diskriminierende Äußerungen und Verhaltensweisen sind ein absolutes Tabu. So etwas musst du dir nicht bieten lassen, egal wie gut bezahlt der Job oder wie angesehen das Unternehmen ist. Das gilt sowohl für verbale Äußerungen, wie die Frage nach dem Kinderwunsch bei Frauen, als auch für Tätlichkeiten, wie unerwünschten Körperkontakt. Sollte es zu solchen Vorkommnissen kommen, solltest du das Gespräch schnellstmöglich abbrechen.

Warnsignal 4: Die Akustik im Unternehmen

Zu den meisten Bewerbungsgesprächen gehört es dazu, dass dir die Räumlichkeiten gezeigt werden. Spitze dabei die Ohren und achte auf Indizien, die auf ein schlechtes Arbeitsklima oder Spannungen zwischen Chef und Mitarbeitern hindeuten. Wie gehen zum Beispiel die Mitarbeiter miteinander um? Herrscht ein unterkühlter, fast schon harscher Ton? Und wie benehmen sie sich, wenn der Chef das Büro betritt? Ziehen sie die Köpfe ein oder sind anderweitig angespannt? Lausche abgesehen davon auch auf häufiges Fluchen, frustrierte Seufzer und hektische Anweisungen. Bei der Begehung des Unternehmens solltest du dich also sowohl auf deine Sinne als auch dein Bauchgefühl verlassen und so Rückschlüsse auf das Arbeitsklima ziehen.

Fehlinterpretationen und Bauchgefühl

An dieser Stelle soll ein kleiner Disclaimer folgen. Einige der aufgezählten Warnsignale werden je nach Person anders interpretiert – was den einen stört, findet der andere sympathisch. Genau deshalb ist es wichtig, nicht von einem Indiz auf das ganze Unternehmen zu schließen, sondern das Beobachtete im Gesamtbild zu betrachten. Eine Überinterpretation kann dazu führen, dass du dir eine wichtige Chance entgehen lässt. Deshalb sollte neben deinem Kopf dein wichtigstes Entscheidungsinstrument der Bauch sein. Genau genommen dein Bauchgefühl.

Hast du dich trotz ein paar Unstimmigkeiten wohlgefühlt und bist mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen? Dann denk nicht zu viel über die möglichen Warnsignale nach – Fehler passieren und nobody is perfect, das gilt auch für Arbeitgeber. Häufen sich die Indizien jedoch, nimm sie für voll. Denn hörst du auf dein schlechtes Bauchgefühl, entgehst du der Gefahr, nach den ersten Arbeitswochen festzustellen, dass du die falsche Entscheidung getroffen hast.