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Karriere Tipps
Frisch von der Uni: Spannende Stellen auch ohne Berufserfahrung finden
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Frisch von der Uni: Spannende Stellen auch ohne Berufserfahrung finden

Birte Lissner | 05.02.20

Studiengänge bereiten auf vieles vor, nicht jedoch auf die Schwierigkeiten danach einen Job zu bekommen. Warum viele Studienabgänger in eine Zwickmühle geraten und wie es gelingt dieser zu entkommen.

Den Abschluss in der Tasche, freuen sich die meisten Studienabgänger das gesammelte Wissen endlich in die Praxis umsetzen zu können. Doch viele werden mit dem sogenannten “Permission Paradox” konfrontiert. Eine Zwickmühle, die einige Absolventen betrifft: Ohne Berufserfahrung findet sich keine Stelle, die den eigenen Qualifikationen entspricht. Doch ohne Job kann auch keine gewünschte Berufserfahrung gesammelt werden. Warum man aus Verzweiflung nicht einfach irgendeine Stelle annehmen sollte und wie es gelingt dieser Zwickmühle zu entkommen.

Nicht wenige Absolventen nehmen aus Verzweiflung erstmal fachfremde Jobs an

Mehrere Semester lang hat man sich Fachwissen angeeignet und eventuell erste Praktika absolviert. Die Vorfreude auf den Abschluss ist groß. Schließlich wechselt man nun endlich von der reinen Theorie in die Praxis. Doch bei den wenigsten Absolventen ist sofort eine spannende Stelle in Aussicht. Kassiert man dann die ersten Absagen, ist die Frustration groß. Nicht nur das eigene Selbstwertgefühl leidet darunter. Viele Studienabgänger beginnen an ihren eigenen Fähigkeiten zu zweifeln und akzeptieren anschließend aus der Not heraus erstmal fachfremde Arbeiten, um nicht ohne Job da zu stehen. Doch gerade der erste Job ist entscheidend. Absolventen, die eine Stelle beginnen, welche ihren Qualifikationen entspricht, haben später eine höhere Chance in einer angemessenen Position zu bleiben.

Klein anfangen, aber im richtigen Fachbereich

Es ist legitim in kleineren Positionen anzufangen, insbesondere, wenn die Unsicherheit noch überwiegt, doch sollten diese Stellen im passenden Fachbereich liegen. Wer jahrelang als Barista arbeitet, aber eigentlich im It-Bereich Fuß fassen möchte, verpasst irgendwann den Anschluss. Aus diesem Grund ist es wichtig, möglichst keine fachfremden Stellen zu akzeptieren. Auch Praktika oder Aushilfsjobs während dem Studium sollten möglichst im angestrebten Fachbereich liegen oder zumindest durch die angeforderten Qualifikationen damit zu tun haben. Dadurch lässt sich die eigene Expertise bei einer Bewerbung deutlich besser belegen.

Spannende Stellen auch ohne Berufserfahrung – die besten Tipps

Doch wie gelingt es nun genau solche Stellen zu bekommen? Generell sollten sich Absolventen von dem Hinweis der Berufserfahrung nicht abschrecken lassen, sondern vielmehr auf die Formulierung achten. Oft heißt es “2-3 Jahre Berufserfahrung wünschenswert”. Dieser Ausdruck lässt die Möglichkeit durchaus offen, dass sich auch Berufsanfänger bewerben können.

  1. Stellenausschreibungen gezielter durchsuchen: Wer sich selbst gut kennt, kann den Stellenmarkt deutlich gezielter durchsuchen und sich nur auf offene Stellen bewerben, die gut zum eigenen Profil passen. Dazu ist es hilfreich die eigenen beruflichen Stärken zu kennen und vor allem den Charakter realistisch einschätzen zu können. Das mag vielen Studienabgängern noch schwer fallen. Eventuell gibt es passende Seminare an der eigenen Universität dazu, ansonsten können auch private Coachings in Erwägung gezogen werden. Allgemeine Aspekte wie Belastbarkeit und Organisationsfähigkeit spielen zum Beispiel eine wichtige Rolle bei der Bewerbung für den ersten richtigen Job. Aber es geht auch um persönliche Stärken. Wer eher ein introvertierter und schüchterner Typ ist, kann zum Beispiel bei der Auswahl geeigneter Stellen gezielt darauf achten, dass die Kommunikationsfähigkeit mit Kunden nicht das Hauptkriterium ist. Allein durch dieses Ausschlussprinzip lassen sich schon einige Absagen vermeiden.
  2. Halte deine fachliche Expertise auf aktuellem Stand: Du kannst zwar nicht mit Berufserfahrung punkten, dafür jedoch mit Fachwissen. Clever ist es, schon während der Studienzeit Fortbildungen und Seminare zu besuchen, um deine Expertise stets auf dem aktuellsten Stand zu halten und nach Möglichkeit noch in verschiedene Teilbereiche auszuweiten. Je nach Branche gibt es hier hervorragende Online-Angebote wie Udemy oder Angebote der IHK.
    Hebe den Wiedererkennungswert in deinem Lebenslauf hervor: Um aus der Masse an Bewerbern heraus zu stechen und bei einer Firma im Gedächtnis zu bleiben, solltest du deinen USP im Lebenslauf klar definieren. Vielleicht hast du ein Praxissemester im Ausland absolviert oder kannst mit einer zusätzlichen, erlernten Sprache punkten, die für die Stellenausschreibung von Vorteil sein könnte.
  3. Beachte auch Nischenmärkte: Es gibt Firmen, zu denen gefühlt jeder möchte, weil sie so bekannt sind. Überlege gut, ob du dich hier wirklich mit in das Haifischbecken begeben möchtest oder ob es vielleicht noch andere gute Alternativen gibt. Oft ist es nämlich so, dass die mittelständige Unternehmen, die kaum bekannt sind, händeringend Fachkräfte suchen. Diese werden nicht umsonst als Hidden Champions bezeichnet.
  4. Pflege ein Netzwerk: Halte dein Profil auf LinkedIn aktuell und versuche hier dein Netzwerk auszubauen. Das kann zum Beispiel durch Fachbeiträge gelingen, die du veröffentlichst, um dadurch mit anderen Experten der Branche ins Gespräch zu kommen. Der virtuelle Austausch oder auch persönliche Treffen verschaffen dir nicht nur wertvolle Insights zur Branche. Vielleicht kommst du so auch besser ins Gespräch für einen Job.
  5. Sammle Praxiserfahrung schon während des Studiums: Manche Studiengänge sehen bereits Praxissemester vor. Bei anderen kannst du selbst aktiv werden und dich für Praktika und Werkstudententätigkeiten bewerben. Versuche bereits hier Kontakte zu knüpfen. Diese könnten sich später als sehr wertvoll herausstellen.

Ob Absolventen nach dem Abschluss direkt die passende Stelle finden, ist von einigen Faktoren abhängig. Letztendlich gilt sicherlich auch das Prinzip: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Anhand der Tipps können Uniabgänger aber einiges dazu beitragen, nicht in den gefürchteten Kreislauf hinein zu geraten und am Ball zu bleiben.