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Human Resources
Gegen Tod durch Überstunden: Japanische Drohne läutet den Feierabend mit Musik ein

Gegen Tod durch Überstunden: Japanische Drohne läutet den Feierabend mit Musik ein

Maja Hansen | 18.12.17

In Japan gilt Überarbeitung als anerkannte Todesursache. Eine Firma will nun mit einer musikspielenden Drohne an den Feierabend erinnern.

Japan, ein Land, das seit einigen Jahren ein eigenes Wort für den Tod durch Überarbeitung besitzt. „Karoshi“ ist die staatlich anerkannte Todesursache, wenn Arbeitnehmer aufgrund vieler Überstunden sterben. 2013 starb eine Politikreporterin mit 31 Jahren an einem Herzinfarkt. Zuvor hatte sie unglaubliche 159 Überstunden angesammelt. Die japanische Regierung erhob im Jahr 2016 eine Studie, in der 23 Prozent der befragten Firmen angaben, dass ihre Mitarbeiter mehr als 80 Überstunden im Monaten machten.

Japanische Firma will Maßnahmen ergreifen

Die japanische Firma Taisei will ab April 2018 die Mitarbeiter mittels einer Drohne in den Feierabend scheuchen, um dem massiven Überstundenproblem zu begegnen. Die Drohne soll dabei das schottische Lied „Auld Lang Syne“ spielen, das in Deutschland unter „Nehmt Abschied ihr Brüder“ bekannt ist. Dieses Lied kennen die Japaner bereits aus den heimischen Supermärkten. Dort kommt es zum Einsatz, wenn die Läden schließen wollen. Hat Japan also eine neue Rausschmeißhymne?

Taseis Chef Norihiro Kato ist bereit für dieses Feierabendritual 375 Euro im Monat auszugeben. Zusammen mit Blue Innovation und NTT East entwickelt Tasei die Drohne. Ziel der Firma ist es, dass die Mitarbeiter sich durch das Lied und die umherfliegende Drohne nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren können und deshalb eher in den Feierabend gehen.

Experten sehen Drohnenprojekt kritisch

Seijiro Takeshita, Professor für Management und Information an der Universität von Shizuoka, erklärte dem BBC, dass er dies für eine ziemlich dumme Sache halte. Er ist der Überzeugung, dass Drohnen die Überstunden nicht in den Griff bekommen werden. Für Takeshita klingt die Idee eher wie ein schlechter Scherz. Vermutlich wolle die Firma der Öffentlichkeit vorgaukeln, dass sie das extreme Überstundenpensum verringern wolle. Der japanische Professor ist sich aber sicher, dass man diese Arbeitsmentalität nicht mit der Feierabenddrohne, sondern nur mit einem Umdenken in der Arbeitskultur Japans beheben könne.

Scott North, Professor für Soziologie an der Osaka Universität, stimmt mit Takeshita überein. Auch er sehe keine Lösung des Überarbeitungsproblems in den Drohnen. Er glaube eher, dass die Mitarbeiter Unerledigtes mit nach Hause nehmen würden. Um langfristige Arbeitsentlastung zu erzielen, müsse man zum Beispiel den Wettbewerb zwischen Kollegen reduzieren und vor allem mehr Arbeitnehmer einstellen.

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