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Existenzängste und psychische Belastung: So leiden Kleinunternehmen und Selbstständige unter der Pandemie

Existenzängste und psychische Belastung: So leiden Kleinunternehmen und Selbstständige unter der Pandemie

Michelle Winner | 02.03.22

Schlafstörungen, körperliche Beschwerden und Angst um die eigene Existenz quälten in den letzten zwei Jahren viele Unternehmer:innen. Besonders das Gastgewerbe und der Einzelhandel mussten zurückstecken.

Ein eigenes Unternehmen zu führen oder selbstständig zu sein, kann eine große Herausforderung sein. Besonders dann, wenn zu den normalen Hürden des Alltags auch noch eine Pandemie kommt, die sowohl Arbeits- als auch Privatleben auf den Kopf stellt. Eine aktuelle Umfrage von Kreditanbieter iwoca in Zusammenarbeit mit YouGov hat untersucht, welche Folgen die Pandemie auf Selbstständige und Kleinunternehmer:innen hat. Die Ergebnisse sind besorgniserregend.

Die mentale Gesundheit leidet

Insgesamt sehen 61 Prozent der Befragten es als vorteilhaft für die mentale Gesundheit an, ein eigenes Unternehmen zu führen oder selbstständig zu sein. Dennoch kann der Traum sich auch negativ auf die Psyche auswirken. Die anhaltende Pandemie verschlimmert diesen Zustand und so geben knapp 25 Prozent an, dass ihr mentaler Zustand sowie ihr persönliches Befinden in den letzten zwei Jahren eher bis sehr angespannt war. Zu den typischen psychischen Beschwerden der Kleinunternehmer:innen und Selbstständigen, die mehrmals pro Woche (15 Prozent) oder einmal im Monat auftreten (20 Prozent), gehören die folgenden:

  • Schlafstörungen und Schlaflosigkeit (27 Prozent)
  • körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Migräne, Magen-Darm-Beschwerden (24 Prozent)
  • Erschöpfung (23 Prozent)
  • Konzentrationsprobleme (22 Prozent)

Als zusätzliche Belastung kam während der Pandemie noch die Existenzangst hinzu. 27 Prozent der Kleinunternehmer:innen geben an, dass sie innerhalb der letzten zwei Jahre Angst davor hatten, ihr Unternehmen aufgeben zu müssen. Hilal Güngör, Head of Operations bei iwoca, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein:

Dass es für die Mehrheit in erster Linie eine positive Erfahrung ist, ein kleines Unternehmen zu führen, ist eine gute Nachricht. Denn nur, wenn das Unternehmertum attraktiv bleibt, wird uns die vielfältige Unternehmenslandschaft in Deutschland mit all ihrer Innovations- und Wirtschaftskraft erhalten bleiben. Daher ist es essenziell, derlei Existenzängste, wie sie aufgrund der Pandemie entstanden sind, zu verhindern, um diesen Unternehmergeist zu erhalten.

Gastgewerbe am härtesten getroffen

Die größten Existenzängste haben laut der Studie Kleinunternehmer:innen und Selbstständige im Tourismus und Gastgewerbe verspürt. Hier geben 50 Prozent an, dass sie Sorge hatten, ihr Unternehmen nicht halten zu können. Das Kurzarbeitergeld scheint in dieser Branche die größte Hilfe gewesen zu sein und insgesamt 21 Prozent haben dieses für ihren Betrieb beantragt. In den anderen Branchen waren es lediglich sieben Prozent der Unternehmen. Nach dem Tourismus und Gastgewerbe waren es übrigens Kleinunternehmer:innen im Groß- und Einzelhandel (33 Prozent), die um ihre Existenz fürchteten.

Ob der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld über den 31. Dezember 2021 verlängert werden sollte, herrschte leichte Uneinigkeit. 51 Prozent der Befragten sagten branchenübergreifend, der Zugang sollte unkompliziert bleiben. 32 Prozent waren jedoch auch strikt dagegen und mutmaßten, dass die Unternehmen, die jetzt noch Gebrauch von der Sonderregelung machen, dies nicht mehr pandemiebedingt tun würden.

Weniger Urlaub, trotz psychischer Belastung

Zeit zur Entspannung ist eine wichtige Maßnahme, um die mentale Gesundheit zu erhalten. 2020 haben 38 Prozent der Kleinunternehmer:innen und Selbstständigen keinen einzigen Tag Urlaub genommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es lediglich 21 Prozent, die durcharbeiteten. Im Tourismus und Gastgewerbe waren es 2020 sogar 46 Prozent, die sich nicht freigenommen haben. Doch auch in anderen Branchen gab es nur wenig Zeit für Erholung. Hier sind vor allem Kunst, Unterhaltung und Freizeit sowie Groß- und Einzelhandel und unternehmensbezogene Dienstleistungen zu nennen.

Als größte Stütze für die Kleinunternehmer:innen und Selbstständigen stellten sich die Familie (49 Prozent) und die Freund:innen (29 Prozent) heraus. Auch andere Unternehmer:innen (13 Prozent) und die eigenen Mitarbeiter:innen (zehn Prozent) halfen einigen dabei, mental stark zu bleiben trotz der Krise. Lediglich drei Prozent suchten sich professionelle Hilfe zur Bewältigung der Mental Load und weitere sechs Prozent nahmen keinerlei Hilfe von anderen in Anspruch, sagen aber, rückblickend hätten sie das tun sollen. Güngör sagt dazu:

Die Pandemie war für Kleinunternehmen und Selbstständige eine extreme Belastungsprobe. Und das nicht nur für diejenigen, deren Arbeitspensum in dieser Zeit gestiegen ist, sondern vor allem auch für diejenigen, die durch die Coronaschließungen direkt oder indirekt betroffen waren und somit zwangsweise weniger zu tun hatten. Doch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft hat sich als äußerst resilient erwiesen.

Außerdem erklärt sie, dass die schlimmste Phase wohl überstanden sei und viele der Unternehmer:innen positiver in die Zukunft blicken würden. Das ergaben zumindest Gespräche mit den eigenen Kund:innen. Die Studie zeigt in jedem Fall, dass sowohl Arbeitnehmer:innen als auch die Selbstständigen und Kleinunternehmer:innen selbst heftig von den mentalen Folgen der Pandemie betroffen waren und zum Teil auch noch sind. Hier ist es wichtig, dass Unternehmen zusammenstehen, Verständnis für jene zeigen, die mit mentalen Problemen zu kämpfen haben, aber auch dass Hilfsangebote zur Verfügung stehen – sowohl für die Angestellten als auch die Unternehmer:innen selbst.

Auf der Website des unabhängigen Portals Arztphobie.com werden Existenzängste eingehend beschrieben, während auch weiterführende Hilfsangebote dargestellt werden.

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