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Der Ball ging vorbei – die Lektion blieb
© Pipedrive, Sean Evers, Hatters Heritage via Canva

Der Ball ging vorbei – die Lektion blieb

Ein Gastbeitrag von Sean Evers | 09.07.26

Jedes Team macht Fehler: Das weiß ich als Ex-Fußballprofi und heutiger Manager in der Digitalbranche. Aber verpasste Chancen definieren die Karriere nicht, sondern können Ansporn geben. Wichtig ist, dass daraus die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Oft sind es nicht die perfekten Momente, die eine Karriere prägen. Vielmehr sind es oft die Augenblicke, in denen man scheitert. Ich erinnere mich daran nur zu gut: Einst trat ich als junger Profifußballer im altehrwürdigen Old Trafford an. Ein Spiel gegen Manchester United. Der Traum eines jeden Fußball-Fans. Und mir bot sich eine quasi einzigartige Gelegenheit. Die Bahn ist frei, ich laufe alleine auf den Torwart. Ein Moment, der eine Karriere definieren kann. Doch dann kam der Fehler, ich verstolperte den Ball, Chance vertan.

Jahre später denke ich noch oft an diese Szene zurück. Nicht, weil ich mich über den verpassten Treffer ärgere. Vielmehr, weil sie mir eine der wichtigsten Lehren meiner Karriere beigebracht hat: Dinge gehen einfach schief. Nicht jeder Moment muss perfekt sein; vielmehr kommt es auf den Umgang mit solchen Situationen an. Diese Erkenntnis begleitet mich heute noch – nur ist der Platz inzwischen ein anderer. Statt auf dem Fußballfeld, sitze ich am Schreibtisch. Und auch dort geht es darum, Chancen zu erkennen, Entscheidungen zu treffen, mit Druck umzugehen und nach Rückschlägen weiterzumachen.

Der Moment nach dem Triumph entscheidet

Der erste Einsatz als Profifußballer war der Moment, auf den ich mein ganzes Leben hingearbeitet hatte. Als Jugendspieler von Luton Town stand ich plötzlich dort, wo jeder junge Spieler irgendwann einmal stehen möchte: auf dem Platz, Derby gegen Watford, mit dem Gefühl, dass sich all die Trainingsstunden und Verzichtsmomente ausgezahlt hatten.

Was ich damals unterschätzt habe: Die Tage danach, und weniger das Erreichen des Ziels selbst, machen den schwierigsten Teil aus. Nach meinem Einsatz kehrte ich zurück zur Jugendmannschaft. Ich war wieder einer von vielen Spielern, die um ihren Platz kämpfen mussten. Fürs Erreichen der Ziele gab es keinen Sonderstatus, keine Abkürzung und keine Garantie für den nächsten Schritt.

Genau darin lag die eigentliche Lektion. Im Profifußball ist ein einzelner Moment gar nicht so ausschlaggebend dafür, ob man langfristig siegen und aufsteigen kann. Vielmehr muss man sich jeden Tag neu beweisen – im Training, in der Vorbereitung und im Umgang mit seinen Mitspieler:innen.

Das sehe ich heute im Berufsleben genauso. Ein großer Abschluss, die persönliche Spitzenleistung oder das Erreichen von Quartalszielen sind bedeutsam, ja. Dennoch entsteht anhaltender Fortschritt erst durch den Prozess selbst, durch bereitwilliges Lernen und durch Teams, die sich gegenseitig besser machen. Diese Erfahrung hat auch meine Sicht auf Führung stark geprägt. Denn irgendwann ändert sich der Fokus auf der Karriereleiter: Statt auf die eigene Bestleistung zu pochen, arbeitet man mehr daran, ein Umfeld zu schaffen, in dem auch andere wachsen können. Und gerade im Vertrieb und Marketing verändert sich dieses Umfeld ständig: Kund:innen erwarten mehr, Märkte bewegen sich schneller und Methoden, die gestern funktioniert haben, können morgen schon überholt sein. Die Devise lautet also immer, neugierig zu bleiben und möglichst viel dazuzulernen.



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Die Gefahr: Auf Lorbeeren ausruhen

Im Fußballkontext hat ein einziges Spiel nur selten einen entscheidenden Einfluss auf eine ganze Karriere. Der Platz in der Startelf wackelt schnell, wenn man sich auf den eigenen Lorbeeren ausruht. Und das gilt in jedem Beruf: Klar machen Abschlüsse relevante Meilensteine aus. Sie sollten also auch als solche gefeiert werden. Aber sie dürfen nicht dazu führen, dass die eigene Entwicklung stehen bleibt. Die Lernkurve endet nämlich nie.

Die Sportlerkarriere lehrt einiges über das nötige Arbeitsethos, denn Sportler:innen, die sich zu selbstsicher nach einem Sieg schleifen lassen, findet man unweigerlich auf der Bank wieder. Vertriebler:innen und Marketer, die dies tun, bleiben an derselben Sprosse der Karriereleiter hängen.

Sean Evers im Jubel in seiner Karriere als Fußballprofi: Nicht jedes Hoch kann anhalten, © Sean Evers, Hatters Heritage
Sean Evers im Jubel in seiner Karriere als Fußballprofi: Nicht jedes Hoch kann anhalten, © Sean Evers, Hatters Heritage

Rückschläge sind Teil des Spiels

Kein:e Spieler:in gewinnt jedes Spiel; kein Vertriebs-Team gewinnt jeden Pitch; keine Marketing-Kampagne trifft immer den richtigen Ton. Trotzdem versuchen viele Menschen, Fehler um jeden Preis zu vermeiden. Dabei bestehen unsere größten Lernmomente aus Fehlern und Misskalkulationen.

Mein Fehlschuss gegen Manchester United war natürlich enttäuschend. Noch heute erinnern mich ehemalige Team-Kollegen daran. Trotzdem wurde aus diesem Moment mit der Zeit etwas anderes: eine Mahnung daran, dass eine verpasste Chance nicht das Ende bedeutet. Im Fußball gibt es immer eine nächste Aktion, einen nächsten Zweikampf und einen nächsten Ball.

Was ich für mich daraus besonders mitgenommen habe: Der Umgang mit Druck – selbst wenn tausende Menschen dich ausbuhen –, der Wert von Team-Arbeit und die Erkenntnis, dass kontinuierliche Entwicklung wichtiger ist als ein einzelner Erfolg. Im Endeffekt zeigte mir der Fehler, dass Fortschritt Höhen und Tiefen hat und auch mal vor- und zurückgeht. Geradlinig verläuft es so gut wie nie. Ein Rückschlag ist eben nur das. Ein Schritt zurück, der einem den Raum lässt, wieder nach vorne zu blicken.

Im Berufsleben ist es genauso: Wenn ein:e Kund:in doch noch abspringt oder KPIs gerissen werden, lautet die ausschlaggebende Frage dabei: Was nehme ich daraus mit? Wie es dazu kommen konnte, ist erst einmal nur Nebensache. Fehler müssen keineswegs krampfhaft vermieden werden – genauso wenig, wie jedes Spiel gewonnen werden muss. Viel wichtiger ist es, aufzustehen, sich den Schmutz vom Sturz abzuklopfen und die Chance zu nutzen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Fehler und Ablehnungen gehören nun mal zum Alltag und das ist auch gut so, denn jede Erfahrung liefert Informationen, die, richtig genutzt, auch in der Karriere für Aufstiege sorgen.

Individueller Sieg entsteht nie allein

Fußball ist ein Mannschaftssport. Auch wenn einzelne Spieler:innen im Rampenlicht stehen, gewinnt kein Team durch eine Person allein. Schließlich werden Tore für Stürmer:innen vorbereitet, Pässe gespielt sowie das eigene Tor verteidigt. Ein Sieg ist nur möglich, wenn das Team wie geschmierte Zahnräder ineinandergreift, um das Spiel am Laufen zu halten.

Das Gleiche gilt für Unternehmen. Natürlich gibt es individuelle Ziele. Vertriebler:innen wollen Leads in Kund:innen verwandeln, Marketer wollen gewinnbringende Kampagnen erstellen und Führungskräfte wollen Teams weiterbringen. Allerdings werden nachhaltige Ziele nur durch die Zusammenarbeit aller Beteiligten erreicht.

Eines, das mir aus meiner Fußballzeit besonders stark im Gedächtnis blieb, ist eine Ansprache meines Trainers: Es wird jemanden geben, der heute keinen guten Tag erwischt. Ausschlaggebend ist nicht, wer einen Fehler macht, sondern vielmehr, wie das Team als Einheit damit umgeht. Diese Haltung prägt auch meine Arbeit heute.

Gute Teams bestehen aus Menschen, die auch mal Fehler machen. Sie bestehen aus Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, voneinander lernen und gemeinsam besser werden. Am Ende geht es im Fußball und im Beruf um dasselbe: zusammen weiterkommen. Der Ball wird nicht immer ins Tor gehen, aber der Sieg bleibt dadurch nicht gleich aus.



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