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Büroalltag
Quarterlife Crisis: Wieso Arbeitgeber junge Mitarbeiter schützen und unterstützen müssen
© © Robert Metz

Quarterlife Crisis: Wieso Arbeitgeber junge Mitarbeiter schützen und unterstützen müssen

Michelle Winner | 27.10.20

Psychische Belastung beginnt nicht erst in der Lebensmitte. Viele Talents gehen schon in jungen Jahren durch die Krise - ein Problem, das Aufmerksamkeit bedarf.

Die Midlife Crisis ist dir sicherlich ein Begriff: Sie beschreibt einen psychischen Zustand, in der Personen mittleren Alters mit sich selbst und ihrem Leben unzufrieden sind und mit Unsicherheiten kämpfen. Doch wie steht es mit dem Begriff Quarterlife Crisis? Dieser beschreibt eine Lebenskrise, die viele junge Menschen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr durchleben. Dass auch schon Millennials und GenZ oft an die Grenzen ihrer Psyche geraten, ist kein Geheimnis. Doch was ist es, was junge Menschen in die Krise stürzt? Die Ursachen und Auswirkungen dieser Krise hat smart insights in einer Studie untersucht.

Die Angst vor der Zukunft

Im Rahmen der Studie wurden mehr als 1.000 Teilnehmer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren befragt. Die erste Erkenntnis dabei: Die Quarterlife Crisis ist nicht kurzweilig, sondern hält bei vielen mindestens zwei Jahre lang an und insgesamt sind oder waren 47 Prozent der Befragten davon betroffen. Doch was sind die Ursachen für die Krise? In der Studie wurde festgestellt, dass Zukunftsängste, vor allem hinsichtlich der beruflichen Zukunft, die jungen Arbeitnehmer belasten. Häufig genannt wurde die Angst davor, keinen passenden Beruf zu finden, Unkenntnis über die eigenen Lebensziele sowie Überforderung durch die große Zahl an beruflichen Möglichkeiten. Anstatt etwas zu unternehmen, sitzen 54 Prozent der Befragten die Krise lediglich aus. Die übrigen 46 Prozent ziehen Konsequenzen.

So wechseln 37 Prozent während der Quarterlife Crisis die Branche und 17 Prozent den Arbeitgeber innerhalb der Branche. 19 Prozent versuchen hingegen etwas an ihrem derzeitigen Job zu ändern. Professionelle Hilfe nehmen lediglich 22 Prozent der Betroffenen in Anspruch. Die meisten versuchen also, selbst mit der Krise fertig zu werden – beispielsweise auch durch eine Auszeit (13 Prozent). Als Ansprechpartner dienen vor allem Freunde und Familie. Lediglich fünf Prozent suchen das Gespräch mit ihrem Chef, entweder aus Angst vor den Konsequenzen oder aus Mangel an Vertrauen. Dabei empfanden 77 Prozent derjenigen, die mit ihrem Vorgesetzten geredet haben, das Gespräch als hilfreich.

Der Wunsch nach weniger Druck

Aus den Ergebnissen der Studie können Arbeitgeber einiges mitnehmen, um künftig den jungen Talents unter die Arme zu greifen. So erklären 37 Prozent der Befragten, sie wünschen sich weniger Druck und dafür mehr Empathie sowie Lob und Anerkennung seitens des Arbeitgebers. Smart insight empfiehlt Arbeitgebern daher, die Quarterlife Crisis ernst zu nehmen, denn sie kann zu einer hohen Fluktuation sowie Einschränkungen hinsichtlich der Leistung der Mitarbeiter führen. Folgende Learnings hat smart insight für Arbeitgeber zusammengefasst:

  • Freiräume schaffen (flexible Arbeitsmodelle)
  • Führung geben (Übersicht über die Vielzahl der Möglichkeiten geben)
  • Aufmerksam sein (Zeichen der Krise erkennen und entgegenwirken)
  • Vertrauen aufbauen (Empathie zeigen und als Ansprechpartner fungieren)
  • Beratung bieten (Interne und externe Beratungsangebote für Betroffene und zur Prävention)
  • Wertschätzung zeigen (Anerkennung, Lob und eine offene Feedback-Kultur)
  • Feedback ermöglichen (Stimmungsbilder, Verbesserungsvorschläge, Umfragen)

Da Quarterlife Crisis und Arbeitsleben in direktem Zusammenhang stehen, ist es nicht nur Aufgabe der Betroffenen, damit fertig zu werden, sondern ebenso der Arbeitgeber. Wer die mentale Gesundheit seiner Mitarbeiter ernst nimmt, kann junge Talents schützen, die Mitarbeiterzufriedenheit sowie -bindung stärken und Prävention betreiben. Dadurch entstehen nicht nur wirtschaftliche Vorteile, wie eine verbesserte Arbeitsleistung, sondern das Arbeitsklima wird auch nachhaltig verbessert.