Unzufrieden mit dem Chef? Tausenden Arbeitnehmern geht es wie dir

Studie zeigt: Berliner Chefs sind die Besten. Jedoch bleibt noch viel Luft nach oben. Vorgesetzte müssen endlich lernen, sich den Bedürfnissen ihrer Angestellten anzupassen.

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Über den eigenen Chef oder die Chefin hat jeder von uns sicherlich schon mal geflucht. Oder sogar öfter. Denn der Führungskräftereport der Arbeitgeberbewertungsplattform Kununu hat in den letzten Jahren immer wieder gezeigt, dass deutsche Arbeitnehmer unzufrieden mit ihren Vorgesetzten sind. Die Ergebnisse aus 2018 geben jedoch Hoffnung: Zum ersten mal seit drei Jahren haben sich die Ergebnisse im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Insgesamt wurden die Meinungen von 330.000 Arbeitnehmern ausgewertet. Diese konnten dem Verhalten ihres Chefs in ausgewählten Kategorien einen (sehr unzufrieden) bis fünf Punkte (sehr zufrieden) geben. Unter anderem wurden realistische Zielsetzung, Einbindung in Entscheidungsprozesse, Transparenz und das Verhalten in Konfliktsituationen bewertet.

Wirtschaftswachstum führt zu besseren Bewertungen

In diesem Jahr stieg die Gesamtbewertung für Führungskräfte von 3,15 auf 3,39 Prozent, was einen Anstieg von 8 Prozent macht. Das ist zwar löblich, jedoch bleibt noch viel Luft nach oben. Denn auf Kununu wurden insgesamt 13 Kategorien genutzt, um die Arbeitszufriedenheit der Arbeitnehmer festzustellen. Hier schneiden lediglich die Punkte „Kommunikation“ (3,28) und „Karrierechancen“ (3,31) schlechter ab, als das „Vorgesetztenverhalten“. Natürlich muss bedacht werden, dass die Befragten rein subjektiv bewerten und es vorkommen kann, dass nicht alle Bewertungen von Chefs gerechtfertigt sind. Doch bei einer Gesamtzahl von 300.000 Stimmen, kann die Auswertung durchaus als repräsentativ gesehen werden. Den Anstieg der Gesamtpunktzahl erklären die Autoren der Studie übrigens mit dem anhaltenden Wachstum der deutschen Wirtschaft. In den Unternehmen herrsche eine positivere Grundeinstellung. Zudem würden immer mehr Arbeitgeber auch auf die Bedürfnisse der neuen Generation Arbeitnehmer eingehen:

Mitarbeiter fordern ein hohes Maß an Flexibilität und genügend Freiräume und lehnen starre Prozesse und hierarchische Strukturen zunehmend ab. Der Fachkräftemangel in Teilen der Wirtschaft und die in einigen Regionen erreichte Vollbeschäftigung zwingt Unternehmen zum Umdenken und Handeln.

Die Berliner Chefs führen das Ranking an

Berlin steht mit 3,55 Punkten an der Spitze der Tabelle, doch kurz darauf folgen auch schon die Vorgesetzten aus Hamburg (3,54) und Baden-Württemberg (3,52). Wie so oft in bundesweiten Vergleichen, schneiden die östlichen Bundesländer am schlechtesten ab. Sachsen (Platz 14), Thüringen (Platz 15) und Sachsen-Anhalt (Platz 16) bilden die Schlusslichter des Rankings. Eine Ausnahme stellt jedoch Mecklenburg-Vorpommern dar, welches mit Platz 9 eher mittig platziert ist. Und auch Brandenburg hält sich auf Platz 11 über Rheinland-Pfalz (12) und Schleswig-Holstein (Platz 13).

Was die verschiedenen Branchen angeht, so scheint es die besten Chefs in Internet- und Multimedia-Unternehmen zu geben (Punktzahl 4,03). Es folgen Personalwesen (3,99) und Seminar-/ und Messeanbieter (3,95). Bankwesen (3,66), Automobilbranche (3,44) und Industrie (3,41) hingegen schaffen es nicht einmal unter die Top Ten. Auf dem letzten Platz mit der Nummer 42 landet die Textilbranche.

Arbeitgeber müssen lernen sich Talenten anzupassen

Besonders hoch bewertet wurde die Kategorie „Umgang mit Kollegen 45+“. Der hohe Fachkräftemangel hierzulande macht es Unternehmen immer schwerer, vielversprechende Talente für sich zu gewinnen. Gerade deswegen ist es wichtig, dass Arbeitgeber sich den Bedürfnissen der Arbeitnehmer anpassen. Doch nicht nur die junge Generation steht hier im Fokus. Ältere, erfahrene Mitarbeiter seien äußerst gefragt und Unternehmen wollen diese ebenfalls für sich gewinnen oder bestenfalls halten. So könne die Lücke auf dem Arbeitsmarkt geschlossen werden und von der Erfahrung profitiert werden. Jedoch muss die ältere Generation sich dafür dem technologischen Fortschritt anpassen und sich weiterbilden. Nur so können Unternehmen künftig von jahrelanger Erfahrung gepaart mit aktuell gefragten Fähigkeiten profitieren.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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