Viele Überstunden, doch kein Lohn: So viel Gehalt ist Hamburgern 2018 entgangen

Massen an Überstunden, doch die Bezahlung bleibt aus. Ein Problem, mit dem sich unzählige Bewohner der Hansestadt letztes Jahr konfrontiert sahen.

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Viel zu tun am Arbeitsplatz, doch zu wenig Zeit. Eine Unannehmlichkeit die vielen bekannt ist und meist auf Überstunden hinausläuft. Dies wäre nur halb so wild, würden die Überstunden wenigstens tatsächlich entlohnt werden. 29 Millionen unbezahlte Überstunden trugen Bewohner der Hansestadt 2018 zusammen, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund kürzlich berichtete, doch nicht nur der Kontostand ist betroffen.

Überstunden schaden der Gesundheit

Insgesamt 900 Millionen Euro brutto wurden Hamburgern und Hamburgerinnen letztes Jahr nicht ausgezahlt. Gleichzeitig tragen die Arbeitnehmenden eine ganz andere Form von Kosten, nämlich gesundheitliche. Überstunden sind einer der primären Auslöser für einen Burn-out. Kürzlich wurde dieses erst von der Weltgesundheitsorganisation als Syndrom definiert, welches ernstzunehmende Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Nicht nur der Körper sieht sich in Form von Erschöpfung davon betroffen, auch die Psyche trägt hieraus Schäden. Ein sehr hoher Preis für unbezahlte Arbeitsstunden, die man theoretisch gar nicht auf sich nehmen müsste, sofern nicht anders verordnet. Zwar gibt es Klauseln, bei denen Überstunden festgeschrieben sind, doch sind diese meist auf eine bestimmte Anzahl festgelegt. Und müssen mit dem Bruttolohn abgegolten werden. Alles andere ist nicht rechtskonform. Man ist sich dieses Problems bewusst und eine Gegenmaßnahme wurde bereits ergriffen.

Der EuGH verpflichtet zur Arbeitszeiterfassung

Wie wir vor Kurzem berichteten, verabschiedete der EuGH ein Gesetz, welches Arbeitgeber zur genauen Dokumentation von Arbeitszeiten verpflichtet. Sinn und Zweck ist, dass dadurch nicht mehr so viele Arbeitsstunden unter den Tisch gekehrt werden und unbezahlt bleiben, sodass nicht noch einmal 29 Millionen Überstunden in gerade mal einer Stadt nicht entlohnt werden. Auch auf das gesundheitliche Wohlbefinden soll dieses sich positiv auswirken, da Arbeitgeber, die zuvor Überstunden nicht bezahlten, nun die Wahl haben entweder auch diese zu entlohnen, oder sie gar nicht mehr stattfinden zu lassen. Ergo beläuft es sich auf mehr Geld oder weniger Arbeit, eventuell beides. Genauso, da die Arbeitsstunden wirklich genauestens, auch zuhause, dokumentiert werden müssen, mindert dies die Wahrscheinlichkeit, Arbeit mit in die eigenen vier Wände zu nehmen.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Wenn auch das neueste Gesetz Arbeitnehmern unter die Arme greift, reicht dies leider noch nicht aus. Noch bleibt vor allem abzuwarten, wann die Änderung tatsächlich in Deutschland eingeführt wird. Doch auch wenn, erfolgt weiterhin zu wenig Rücksichtnahme auf das gesundheitliche Wohlbefinden von Arbeitnehmern. Die Dokumentation der Arbeitszeiten hilft dagegen auch nur marginal, mehr müsste getan werden. Nichtsdestotrotz begrüßt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund diese Änderung und gegen die Überstunden hilft die Entscheidung des EuGH allemal. Dennoch ist das Gesetz eine letztendliche Hilfestellung. Die Dokumentation der Arbeitsstunden zeigt sich vereinfacht, für die Entlohnung selbst sind jedoch weiterhin zuallererst die Arbeitgeber zuständig.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

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