Studie: Niedriges Einkommen und hohe Belastung verkürzen die Lebenserwartung

Zwar werden die Deutschen immer älter, doch unser Arbeitsleben beeinflusst die Zeit, die uns nach Renteneintritt noch bleibt, enorm. Besonders Männer sind betroffen.

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Der demographische Wandel macht sich in Deutschland immer deutlicher bemerkbar. Ein Grund hierfür ist, dass die Lebenserwartung deutlich gestiegen ist. So werden Männer im Durchschnitt ein Alter von 86 Jahren erreichen, Frauen sogar 90 Jahre. Die Mortalität wird jedoch durch sozioökonomische Unterschiede erheblich beeinflusst, wie eine aktuelle Studie der Universität Duisburg Essen zeigt. Besonders Einkommen, Bildungsniveau und Arbeitsbelastung entscheiden darüber, wie viele Jahre wir nach Renteneintritt mit 65 noch zu leben hätten.

Der Einfluss des Einkommens auf die Lebenserwartung

Wer weniger verdient, stirbt früher. Das haben Untersuchungen gezeigt. Besonders betroffen davon seien Männer, auch wenn diese Beobachtung ebenso bei Frauen tendenziell erkennbar ist. In Zahlen äußert sich das ganz wie folgt: Männer mit durchschnittlichem Einkommen haben nach Renteneintritt mit 65 noch eine Lebenserwartung von 12 Jahren. Bei den Frauen hingegen sind es noch fast 16. Auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Einkommensgruppen selbst erzielen bei Frauen ein besseres Ergebnis. Zwischen der untersten und der obersten Gruppe liegt der Unterschied in Sachen Lebenserwartung bei vier Jahren, bei den Männern bei über neun Jahren.

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Der Einfluss der Arbeitsbelastung auf die Lebenserwartung

Des Weiteren konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Arbeit selbst die Dauer unseres Lebens beeinflussen kann. Wer in seinem Arbeitsleben unter hohen Belastungen stand, wird dies auch noch im Rentenalter spüren. Hierbei ist es egal, ob es sich um körperliche oder psychische Strapazen, wie Stress, handelt – beides hat gleichermaßen erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Interessant bei den Ergebnissen der Untersuchung: Frauen scheinen die Belastungen besser zu verkraften. Ihre Lebenserwartung steigt sogar bei hoher Arbeitsbelastung etwas an. Die von Männern hingegen nimmt konstant ab, sobald die Strapazen steigen. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Männer in der Regel eher körperlich schwere Arbeiten ausführen, welche die Gesundheit im Alter stark beeinflussen. Die folgende Grafik gibt noch einmal einen detaillierten Überblick über die Ergebnisse. Die Lebenserwartung wird hier mit einer Referenzgruppe mit niedriger Arbeitsbelastung verglichen:

© Universität Duisburg Essen, IAQ

Im direkten Zusammenhang mit diesen Einflüssen, steht auch das Bildungsniveau. Wer einen höheren akademischen Abschluss aufweist, lebt länger als Personen mit niedrigerem Bildungsstand. Grund hierfür ist vermutlich ebenfalls die Arbeitsbelastung und das Einkommen. Denn: Wer einen höheren Bildungsabschluss hat, verdient häufig mehr und ist in seinem Job weniger Belastungen ausgesetzt, als jemand mit einem niedrigeren Abschluss.

Was bedeutet die Studie für unser Arbeitsleben?

Die Ergebnisse der Studie wirken erschreckend und verdeutlichen, wie sich die Schere zwischen arm und reich nicht nur auf die Lebensbedingungen, sondern auch die Lebenserwartung auswirkt. An dieser Stelle muss die Politik zur Verantwortung gezogen werden und dafür sorgen, diese Spanne zu verkleinern. Personen mit niedrigem Bildungsabschluss und aus einkommensarmen Verhältnissen dürfen nicht auf der Strecke bleiben. Aus Sicht der Unternehmen wird gleichzeitig deutlich, dass neue Arbeitskonzepte wie die der New Work dringend gebraucht werden.

Arbeitnehmer müssen entlastet werden, Arbeitsbedingungen verbessert. Die Gesundheit der Mitarbeiter muss im Fokus stehen und körperliche Strapazen – soweit wie möglich – minimiert werden. Psychische Belastungen müssen ebenso ernst genommen und Hilfsangebote geschaffen werden – damit Burnout und Co. die Lebenserwartung nicht weiter sinken lassen. Die gute Nachricht: Viele Unternehmen gehen bereits mit gutem Beispiel voran und versuchen durch flexible Arbeitszeiten, New Management und andere Konzepte den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Jedoch ist der Trend noch nicht in allen Branchen zu beobachten – dabei ist Arbeit 4.0 nicht nur eine Chance für Büroarbeiter. Doch dafür muss ein generelles Umdenken in den Köpfen der Arbeitgeber stattfinden. Es bleibt also zu hoffen, dass dies geschieht – damit unser Arbeitsleben nicht die Ursache für eine sinkende Lebenserwartung bleibt.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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