Schattenseiten des Homeoffice: 9 Gründe nicht von Zuhause aus zu arbeiten

Mit dem Begriff Homeoffice verbinden viele Flexibilität, Selbstbestimmung und Work-Life-Balance. Dabei gibt es zahlreiche Gründe, warum das Arbeiten von Zuhause aus nicht unbedingt für jedermann geeignet ist.

9 Gründe nicht im Homeoffice zu arbeiten

© Unsplash - Oliver Thomas Klein

Du kannst im Homeoffice arbeiten? Ich wünschte, mein Arbeitgeber würde das auch endlich anbieten. Das würde mir so viel Zeit sparen.

Immer mehr Angestellte wünschen sich mehr Flexibilität beim Arbeiten. Nach einer Studie von Bitkom Research, deren Ergebnisse Anfang 2017 veröffentlicht wurden, arbeiten in Deutschland derzeit 30% der Angestellten regelmäßig oder gelegentlich von zu Hause. Noch vor wenigen Jahren waren es nur 20%.

Dank des technologischen Fortschritts ist es quasi möglich von überall aus zu arbeiten, eine stabile und schnelle Internetverbindung vorausgesetzt. In Ländern wie den USA oder China bieten die meisten Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Möglichkeit von Telearbeit an. In den Niederlanden ist die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten seit Mitte 2015 sogar gesetzlich verankert. In 2016 forderte der Deutsche Juristentag ein Recht auf Homeoffice. Bisher ist es hierzulande bei der Forderung geblieben.

Homeoffice – und alles wird gut?

Auf den ersten Blick scheint es nur Vorzüge zu geben, wenn du deine Arbeit von zu Hause erledigen kannst. Angefangen von der zeitraubenden Pendelei zum Arbeitsplatz über unangenehm volle Busse und Züge in den Hauptverkehrszeiten bis hin zu Gesprächen mit nervigen Arbeitskollegen oder Blicken von vermeintlich überwachenden Vorgesetzten. Und ganz abgesehen vom Geld fürs Benzin oder den Nahverkehr, das du sparst.

Die Schattenseiten des Homeoffice

Der Hype um das Homeoffice hat auch seine Schattenseiten. Vielen Arbeitnehmern, die sich die Arbeit im Homeoffice wünschen, wird es von Unternehmensseite sehr schwer gemacht. Da ist mitunter die Rede davon, dass die Heimarbeit nicht für alle Mitarbeiter möglich sei und nicht alle gleich behandelt werden könnten. 46% der Unternehmen befürchten sogar, dass die Produktivität ihre Mitarbeiter im Homeoffice leide, weil u.a. der direkte Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten fehle.

Diese Bedenken sind vielleicht nachvollziehbar, aber wer hätte gedacht, dass Homeoffice sogar krankmachen kann? Die folgenden Gründe sprechen dafür, nicht im Homeoffice zu arbeiten, auch wenn die Vorstellung verführerisch ist, im Pyjama vorm Rechner zu sitzen oder zwischendurch auch mal kleine Einkäufe zu erledigen.

9 Gründe, die dich davon abhalten im Homeoffice arbeiten zu wollen

1. Gefahr der Vereinsamung

Wir Menschen sind soziale Wesen. Die meisten von uns brauchen den sozialen Austausch auch im Berufsleben, um ihre Arbeit effizient und mit Freude zu erledigen. Ein Schnack an der Kaffeemaschine mit der Lieblingskollegin tut einfach gut, wenn du zwischendurch mal eine Pause benötigst. Wer regelmäßig oder ausschließlich von zu Hause arbeitet, dem fehlen die sozialen Kontakte. Das kann bis hin zur sozialen Isolierung führen – insbesondere, wenn es im privaten Umfeld nicht genügend Austausch gibt.

2. Kein Flurfunk

Die Gerüchte im Unternehmen, die sich die Kollegen im Vorbeigehen zurufen oder über die man bei der Zigarettenpause spricht, sind ohnehin Zeitverschwendung? Weit gefehlt! Mitarbeiter, die sich für genau diese “wertvollen” Informationen interessieren, wissen oft schon viel früher über strategische oder personelle Entscheidungen Bescheid. Das kann für die eigene Karriere ganz förderlich sein.

3. Ständiger Arbeitsmodus

Wenn du im Homeoffice arbeitest, vermischt sich Privates und Geschäftliches immer mehr, insbesondere wenn es keinen getrennten Heimarbeitsplatz gibt. Sind dein Notebook und deine Arbeitsunterlagen immer sichtbar, ist es wahrscheinlicher, dass du immer wieder an die Arbeit erinnert wirst, auch wenn du schon im Feierabend bist.

4. Ablenkung pur

Im Büro lässt du dich gerne von Kollegen oder von Telefonanrufen ablenken? Im Homeoffice gibt es da noch viel mehr Dinge, die dich behindern können, konzentriert bei der Arbeit zu bleiben: übervolle Wäschekörbe, der bellende Hund in der Nachbarschaft, das nörgelnde Kleinkind, die Anrufe deiner Mutter oder der Postbote, der immer dann klingelt, wenn du mitten im Flow bist.

5. Aussicht auf Beförderung sinkt

Du kennst es bestimmt: Dein Kollege, der immer abends sehr lange im Büro bleibt, weil er so viel zu tun hat, ist gerade bei den Vorgesetzten positiv angesehen. Wer freiwillig Überstunden macht und viel Zeit in das Unternehmen investiert, zeigt vollen Einsatz und gibt alles für die Karriere, so die landläufige Meinung. Arbeitest du dagegen oft von zu Hause, bist du im Büro nicht präsent. Dein Vorgesetzter sieht dich nicht und nimmt dich und deine Arbeit womöglich weniger wahr. So hast du schlechtere Chancen auf eine Beförderung.

6. Weniger innovativ

Eine Studie der Stanford University hat zwar herausgefunden, dass Menschen im Homeoffice produktiver arbeiten als solche in (Großraum-)Büros. Innovative Ergebnisse entstehen allerdings eher z. B. beim Brainstormen im Unternehmen. Der IT-Konzern IBM hat nach Yahoo und HP u.a. aus diesem Grund seine Homeoffice-Regelungen rückgängig gemacht.

7. Fehlender Teamgeist

Du arbeitest gerne im Team und magst es, wenn es im Projekt richtig gut läuft und ihr euch im Team gegenseitig unterstützt? Diesen ‚Spirit‘ kannst du im Homeoffice weniger bis gar nicht spüren. Hier erledigst du quasi als Einzelkämpfer deine Aufgabe.

8. Technikprobleme, ja sie gibt es noch immer

Die Digitalisierung ist im vollen Gange. Wir sind alle mobil mit Smartphones unterwegs und können theoretisch von überall aus ins Internet oder auch per Fernzugriff auf den Arbeitscomputer in der Firma zugreifen. Theoretisch! Die Technik funktioniert noch längst nicht so stabil wie wir es uns wünschen. Besonders in ländlichen Regionen lässt die Internet-Performance oft zu wünschen übrig. Das ist ärgerlich und lässt dich oft genug auch länger arbeiten, weil du z. B. deine Dateien per Fernzugriff nicht öffnen und bearbeiten kannst.

Arbeit im Homeoffice kann auch Stress bedeuten

© Pixabay – geralt

9. Homeoffice kann krankmachen

Im Homeoffice schaut dir dein Vorgesetzter zwar nicht ständig über die Schultern. Sofern du aber mit deinem Chef deine Aufgaben für den Tag vereinbart hast, stehst du unter Druck, am Ende des Tages deine Ergebnisse zu liefern. Eine Anfang 2017 veröffentlichte Studie der ILO (International Labor Organization) belegt, dass Telearbeit Stress und Schlafstörungen auslösen kann.

Eine Mischung aus Bürotagen und Homeoffice kann die Lösung sein

Manches von den genannten Punkten hast du nicht in der Hand, wenn du im Homeoffice arbeitest, etwa technische Probleme oder der Small-Talk unter Kollegen, den du nicht mitbekommst. Wenn du dich aber gut organisierst, diszipliniert an die Arbeit gehst und gleichzeitig aber auch Pausen einlegst, um neue Energie zu tanken, kann das Arbeiten von zu Hause für dich sinnvoll sein.

Ausschließlich von zu Hause arbeiten? Was für viele Selbstständige und Freiberufler gang und gäbe ist, können sich die meisten Arbeitnehmer nicht vorstellen. Für viele macht es die Mischung, etwa drei volle Tage in der Firma und zwei von zu Hause arbeiten.

Die Forderung von Angestellten im Homeoffice arbeiten zu können ist ungebrochen. Arbeitgeber müssen sich darauf einstellen und flexible Lösungen anbieten, um gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte rekrutieren zu können. Angestellte, aber auch alle Selbstständigen und Freiberufler, sollten sich im Klaren darüber sein, welche Gefahren im Homeoffice lauern. Nicht jeder wird sofort krank, wenn er regelmäßig von zu Hause aus arbeitet. Diese möglichen, negativen Auswirkungen werden aber oft vergessen.

Weitere Fakten, die für und gegen Homeoffice sprechen, findest du in der Infografik

Über Petra Jahn-Firle

Petra Jahn-Firle

Petra Jahn-Firle hat Medienmanagement in Mainz studiert und konnte bereits während dieser Zeit als Werkstudentin redaktionelle Erfahrungen sammeln. Danach hat sie viele Jahre in Digitalagenturen und zuletzt in der Softwarebranche als Online Marketing Managerin gearbeitet. Prägnante Texte, wohl durchdacht und für den Online-Leser gemacht – das ist ihr Metier. Seit November 2016 schreibt sie als freie Redakteurin für OnlineMarketing.de mit Schwerpunkt Job und Karriere.

Ein Gedanke zu „Schattenseiten des Homeoffice: 9 Gründe nicht von Zuhause aus zu arbeiten

  1. Florian

    Yahoo ist ja auch ein spitzen Beispiel was es bringt Homeoffice abzuschaffen… Sehr einseitige Darstellung und vieles an den Haaren herbeigezogen. Mein Chef sieht auch wenn ich abends lang arbeite ohne dass er oder ich im Büro sind. Und Ablenkung gibt es – wenn man sie zulässt – überall. Wer im Büro faul ist ist das auch im Homeoffice und umgekehrt. Ich genieße die Freiheiten. Aus meiner Sicht ist nur wichtig dass man einen guten Arbeitsplatz daheim hat. Der Rest ist Kopfsache. Abschalten mag erschwert sein geht aber auch.

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