Warum „Nein“ zu sagen die Königsdisziplin der Arbeitswelt ist

„Nein“ zu sagen, ist in der heutigen Zeit zur erstrebenswerten Disziplin geworden. Ob im Berufsalltag oder im Freundeskreis, dauernd werden wir um Gefallen gebeten, die gerade so gar nicht auf unsere Agenda passen. Unsere Ratschläge helfen dir, dein „Nein“ zu üben, um besser „Ja“ zu allem Wichtigen zu sagen.

© Chris Panas - Unsplash

„Nein“ zu sagen, fällt schwer. Sei es im Beruf, zu Einladungen oder zu der Bitte um einen Gefallen. Das geht den meisten Menschen so. Schließlich wollen wir niemanden vor den Kopf stoßen oder als egoistisch gelten. Folglich kommt es schnell dazu, dass wir zu allem „Ja“ sagen, auch wenn wir von Anfang an einen Unwillen gegen die Aufgabe verspüren. Wir wissen, dass wir uns damit zu viel Arbeit aufhalsen. Vor allem Arbeit, die uns von unseren eigentlichen Zielen ablenkt und nicht voran bringt.

Wenn du nicht klar „Ja“ sagen kannst, sag „Nein“

Sobald wir lernen, „Nein“ zu sagen, wird schnell sichtbar, zu welchen Dingen wir deutlich „Ja!“ sagen wollen. Der Entrepreneur Derek Sivers gab frei übersetzt den Ratschlag: „Wenn du nicht ‚Auf jeden Fall!‘ zu etwas sagst, dann sag ‚Nein‘.“ Besonders im digitalen Zeitalter, in dem unsere Aufmerksamkeit überall und ständig verlangt wird, ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen. Ablenkung lauert überall und gerade Leute, die dabei sind, ihr eigenes Unternehmen aufzubauen, werden wissen, wie schnell man beschäftigt sein kann ohne produktiv zu sein.

Damit du dem entgehen und deine Zeit besser nutzen kannst, haben wir einige wertvolle Tipps zusammengestellt, wie du besser „Nein“ sagst.

Sag höflich aber bestimmt „Nein“.

Ein „Nein“ ist unangenehm. Für beide Seiten. Um es so einfach wie möglich zu machen, lass die andere Person nicht zu lange auf deine Antwort warten. Wenn du von Anfang an weißt, dass du nicht zur Verfügung stehst, ist es fairer, der anderen Person direkt Bescheid zu geben, als sie im Ungewissen zu lassen à la „Vielleicht vergisst er oder sie ja, dass sie mich gefragt hat.“ Werden sie nicht.

„Nein“ ist ein vollständiger Satz und braucht keine weiteren Ausführungen. Wenn du dich wohler damit fühlst, kannst du eine Erklärung dran hängen. Vermeiden solltest jede Aussage, die nach Ausrede klingt. Es ist dein gutes Recht, mit „Nein“ auf etwas zu antworten und mit mehr als „Nein, ich kann nicht“ solltest du dich nicht erklären müssen.

Warte mit der Antwort.

Es gibt Situationen, da sagen wir nicht „Auf jeden Fall!“ zu einer Anfrage und ziehen sie trotzdem in Betracht. Im Dienste der Freundschaft hilft jeder mal bei einem Umzug und gießt Urlaube lang Blumen, ohne vorher ein eindeutiges „Ja“ dazu sagen zu können. Wenn dir eine dieser Gefallensanfragen gestellt wird, solltest du dir, auch wenn du die andere Person nicht zu lange ignorieren willst, mit der Antwort einen Moment Zeit lassen. Antworte auf eine Anfrage mit dem Verweis, dass du zuerst in deinen Kalender gucken musst, aber so bald wie möglich Bescheid geben wirst. Nutze diese Zeit – seien es ein paar Minuten oder zwei Tage – um dir darüber klar zu werden, ob es dir der Freundschaftsdienst wert ist, deine Zeit damit zu verbringen.

Setze deine Prioritäten.

Welche Arbeit ist uns unsere Zeit wert? Gerade wenn man ein eigenes Business aufbaut, ist immer Arbeit zu tun. Hierbei ist es wichtig, zu wissen, was an erster Stelle auf der To-do-Liste steht. Klarheit über die eigenen Prioritäten zu haben, lässt ein „Nein“ zu allem anderen leichter über die Zunge kommen. Alles, was gerade nicht zur Priorität gemacht werden kann, muss wegfallen oder ganz unten auf die Liste. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

Biete eine für dich angenehmere Alternative an.

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, der anderen Person eine Alternative anzubieten. Die nächsten zwei Wochen sind bei dir vollkommen ausgebucht, aber danach hättest du Zeit? Schlage einen anderen Termin vor. Dein Feierabend ist dir heilig und du möchtest ihn nicht mit Smalltalk bei einem Drink verbringen? Triff dich mit der Person in deiner Mittagspause auf einen Kaffee. Wenn du nicht die nötigen Ressourcen hast, um bei einem Projekt zu helfen, leite die Person an jemanden weiter, von dem du weißt, dass er oder sie zu helfen bereit wäre. So lehnst du die Anfrage in dem Moment zwar ab, ohne den Fragenden jedoch mit einer Absage zu kränken.

Halte dich strikt an deine Grenzen und bleibe bei deinem Nein.

Wo wir beim Thema Feierabend sind: Wenn du nach Feierabend oder am Wochenende nicht arbeiten möchtest, dann setze dort eine Grenze und halte sie auch ein. Angenommen deine Kollegen haben sich daran gewöhnt, dass du auch nach Feierabend zur Verfügung stehst, weil du nie „Nein“ gesagt hast und immer zur Verfügung standest, dann solltest du ihnen genau das jetzt abtrainieren. Gehe nicht ans Telefon und melde dich nach einem verpassten Anruf morgens im Büro mit einem „Nach Feierabend arbeite ich für gewöhnlich nicht, tut mir leid, dass ich den Anruf nicht entgegennehmen konnte.“ So steigerst du gleichzeitig auch dein Ansehen. Jemand, der zu allem „Ja“ sagt, wird oft nicht ernst genommen und schnell ausgenutzt.

Übung macht den Meister

Diese Ratschläge sind auf den privaten Bereich, aber auch für die Arbeit anwendbar. Neinsagen ohne Schuldgefühle braucht vor allem eines: Übung und Wiederholung. Damit wird es nicht nur leichter „Nein“ zu sagen, sondern auch gleich viel schöner, eindeutig „Ja“ zu sagen.

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