Mit 40 hast du ausgedient!? Altersdiskriminierung als soziales Problem am Arbeitsplatz

Stur, altbacken, nur die Rente im Sinn – Vorurteile gegen ältere Mitarbeiter finden sich an immer mehr Arbeitsplätzen. Und nicht nur die Generation Ü50 ist betroffen.

© Alex Boyd - Unsplash

Der demographische Wandel ist deutlich spürbar, besonders am Arbeitsmarkt. Die Menschen werden immer älter, das Rentenalter steigt und ebenso nimmt die Altersarmut zu. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich nicht nur die neue Generation auf Jobsuche begibt, sondern auch die ältere. Doch einen neuen Job finden mit 50 plus ist für viele Arbeitnehmer eine Horrorvorstellung. Und ihre Ängste sind nicht unbegründet, denn Altersdiskriminierung ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Betroffene fühlen sich oft hilflos und verzweifelt. Um dem entgegenzuwirken, möchten wir aufräumen mit den gängigsten Vorurteilen gegen ältere Mitarbeiter und zusätzlich zeigen, wie du dich als Betroffener wehren kannst.

Vorurteil 1: Ältere Mitarbeiter warten nur noch auf die Rente

Die meisten Arbeitnehmer witzeln ab einem bestimmten Punkt darüber, dass es noch so und so viele Tage bis zur Rente sind. Daraus aber zu schließen, dass Mitarbeiter über 50 ausgebrannt wären und kein anderes Ziel mehr haben, ist weit hergeholt. Trotzdem hält sich genau diese Einstellung häufig in den Köpfen von Kollegen und Chefs. Natürlich kommt es vor, dass Mitarbeiter, die jahrelang der gleichen Tätigkeit nachgegangen sind, gelangweilt oder ausgelaugt sind. Doch so kann es bereits jüngeren Arbeitnehmern nach kürzerer Zeit ergehen.

Tatsächlich ist es so, dass viele ältere Angestellte immer noch danach streben, ihre Karriere auszubauen. Sie sehnen sich nicht nach der Rente, wie diverse Untersuchungen ergaben, sondern nach einem gesunden Arbeitsklima, respektvollem Umgang und Sinn in ihrer Tätigkeit. Ein Streben, dass auch junge Mitarbeiter meist verfolgen. Tatsächlich graut es der älteren Generation teilweise vor der Rente. Viele möchten weiterhin arbeiten, um aktiv zu bleiben und den sozialen Anschluss nicht zu verlieren. Den einzigen Wunsch, den man bei älteren Mitarbeitern häufiger findet, ist der nach mehr Flexibilität und Teilzeit. Jedoch ist auch dies nichts, was einzig den „Alten“ vorbehalten ist. Eine ausgewogene Work-Life-Balance wird in allen Altersklassen angestrebt.

Vorurteil 2: Ältere Mitarbeiter hängen der Zeit hinterher

Viele von uns kennen den Opa oder das Tantchen, dass hoffnungslos überfordert ist mit der Bedienung von Computern und Smartphones. Daraus jedoch zu schließen, dass alle älteren Arbeitnehmer komplett überfordert seien im digitalen Bereich, ist schlichtweg falsch. Trotzdem hält sich das Vorurteil hartnäckig. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass wir alle durch die Digitalisierung geprägt worden sind, unabhängig vom Alter. So zeigen Untersuchungen aus den USA, dass viele Mitglieder der Generation 50 plus bereits seit 30 Jahren mit Computern arbeiten und durchaus in der Lage sind, auch mit neueren Programmen umzugehen.

Ältere Mitarbeiter können also nicht nur „lustige“ Schlumpf-Videos per WhatsApp weiterleiten. Sie streben danach sich weiterzubilden – gerade weil sie in ihrem Arbeitsalltag up to date bleiben wollen. Und natürlich gibt es unter ihnen Personen, die weniger technikaffin sind. Doch die finden sich ebenso in der jüngeren Generation. Denn obwohl diese mit Smartphone und Co. aufgewachsen ist, graut es vielen vor Programmierung und anderen Disziplinen des IT-Sektors. Somit stellt sich auch dieses Vorurteil als oftmals unbegründet heraus.

Vorurteil 3: Ältere Mitarbeiter können sich jüngeren nicht unterordnen

Anscheinend fürchten Manager sich davor, Mitarbeiter einzustellen, die älter sind als sie selbst. Grund dafür ist die Annahme, dass diese sich nicht unterordnen werden und sich etwas auf ihr Alter einbilden. Wieder werden mit diesem Vorurteil alle Mitglieder der älteren Generation über einen Kamm geschoren. Dabei kann man den Spieß auch umdrehen. Denn häufig ist es so, dass die jüngeren Manager sich schlichtweg unwohl dabei fühlen, jemandem mit mehr Erfahrung Anweisungen zu erteilen. Dieses Unwohlsein projizieren sie dann auf ihre älteren Angestellten und unterstellen diesen Überheblichkeit gegenüber den jüngeren. Dr. Peter Cappelli, Dozent für Management und Human Resources an der University of Pennsylvania, erklärt:

It is possible that the older subordinate will find it difficult to accept directions from someone much younger. If [managers] respect what employees of any age know, [older workers] aren’t as likely to get resentful. Discrimination has common roots in fear of differences [and] comfort associating with those with whom we are familiar. The less exposure you have to them, the more the bias.

Um diesem Problem, das durchaus vorkommen kann, entgegenzuwirken, bedarf es mehr Engagement vonseiten der Arbeitgeber. Junge sowie ältere Mitarbeiter müssen gleichermaßen gefördert werden. Ein Arbeitsplatz mit mehreren Generationen kann zu großen Erfolgen verhelfen. Jedoch dürfen sich die Jungen dabei nicht taub stellen für die Erfahrung der Älteren und die Älteren müssen umgekehrt offen sein für das Neue und nicht nur an früheren Prinzipien und Arbeitsabläufen festhalten.

Aktiv gegen Altersdiskriminierung vorgehen

Um gegen Diskriminierung im Alter vorzugehen, muss es zunächst ein Umdenken geben. Die Grundlage dafür haben wir oben mit der Entkräftung der gängigsten Vorurteile über ältere Mitarbeiter geschaffen. Jedoch reicht dies noch lange nicht aus. Tatsächlich ist es so, dass die „ältere Generation“ schwammige Grenzen hat. Und so gelten an manchen Arbeitsplätzen bereits Mittvierziger als alt. Die Lücke zwischen Alt und Jung wird immer größer und mit ihr wachsen die falschen Assoziationen und Vorurteile. Doch wie kann aktiv gegen die Diskriminierung vorgegangen werden?

Der rechtliche Weg verläuft sich oft

Natürlich ist es möglich, juristisch gegen Altersdiskriminierung vorzugehen. Hierbei sei jedoch angemerkt, wie bei jeder Form der Diskriminierung, dass diese erst einmal eindeutig bewiesen werden muss. Das ist nicht einfach, teilweise kaum machbar. Statt also direkt vor Gericht zu ziehen und das Risiko hoher Kosten einzugehen, solltest du als Betroffener zunächst das Gespräch mit der Personalabteilung, der Führungsetage oder Kollegen suchen. Je nachdem wie stark die Fronten verhärtet sind, kann ein Dialog wahre Wunder bewirken.

Aktiv gegen Vorurteile argumentieren

In Bewerbungsprozessen kann es helfen, wenn du dir bewusst darüber bist, welche Vorurteile mit dem Alter einhergehen könnten. Bist du dir diesen bewusst, kannst du aktiv versuchen sie in deinem Bewerbungsschreiben oder deinem Vorstellungsgespräch zu entkräften. Beeindrucke deinen potenziellen Arbeitgeber mit deinem Erfahrungsschatz. Zeige, welche Digital Skills du dir über die Jahre angeeignet hast. Erläutere deine Ziele, um so zu zeigen, dass du noch lange nicht auf die Rente wartest. Es ist nicht unmöglich zu beweisen, dass du ein wertvoller Zugewinn für das angestrebte Unternehmen sein kannst. Du musst nur wissen, wie du die Vorurteile, die oft auch unterbewusst herrschen, direkt entkräftest.

Arbeitgeber müssen umdenken

Es ist jedoch nicht nur Sache der älteren Arbeitnehmer, sich den Gegebenheiten anzupassen. Ein Vorgehen gegen Altersdiskriminierung erfordert ebenso das Aktivwerden von Arbeitgebern. Wie schon erwähnt, müssen sie gegen ihre Vorurteile angehen, so schwer es auch erscheinen mag. Sie müssen sich vor Augen führen, dass nicht nur junge Mitarbeiter Innovation mitbringen, sondern auch die ältere Generation kreative Ideen hervorbringt. Tatsächlich kann das Zusammenspiel aus Erfahrung und frischem Wind ein Erfolgs-Boost für das eigene Unternehmen sein – weshalb ein gemischtes Arbeitsumfeld erstrebenswert ist. Dieses muss lediglich gut gemanagt werden. Die Bedürfnisse jüngerer und älterer Mitarbeiter müssen gleichermaßen abgedeckt werden und es muss dafür gesorgt werden, dass es nicht zu Generationskonflikten unter Kollegen kommt.

Das Alter sollte keine tragende Rolle am Arbeitsplatz spielen. Gegenseitiger Respekt und ein offenes Arbeitsklima sind die Grundlage eines guten Miteinanders. Und dazu zählt eben auch, dass der Mittfünfziger in Entscheidungsprozessen für voll genommen wird, gleichzeitig die Jüngeren aber ebenso wenig als unwissende Kinder behandelt werden. Statt gegeneinander zu arbeiten, sollten Arbeitgeber einen regen Austausch zwischen den Generationen fördern – gemischte Teams sind dafür ein idealer Anfang. Denn schließlich beweisen Studien seit Jahren: je diverser ein Team ist, desto schneller, effektiver und innovativer werden Problemstellungen gelöst. Und deshalb gilt nach wie vor: Offenheit im Arbeitsalltag zahlt sich aus.

Über Michelle Winner

Michelle Winner

Nachdem Michelle Winner Erfahrungen in einer Lokalzeitung und im Eventbereich gesammelt hat, unterstützt sie nun seit 2017 die Redaktion und schreibt für das OnlineMarketing.de Karrieremagazin über Themen rund um den Büroalltag.

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