Mensch gegen Maschine: Zu wenigen Arbeitnehmern wird notwendige Weiterbildung angeboten

Die Digitalisierung bringt neue Aspekte der Wettbewerbsfähigkeit mit sich, doch zu wenige Unternehmen gehen dem nach. Vor allem Arbeitnehmer leiden dadurch.

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Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt revolutioniert. Technik und Maschinen gehören mittlerweile zum Standard beinahe jeden Berufsfeldes, doch wissen zu viele Arbeitnehmer, speziell aus älteren Generationen, nicht suffizient mit diesem umzugehen. Um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten, müssten diesbezüglich Änderungen erfolgen, doch nur wenige Unternehmen ergreifen hierfür notwendige Maßnahmen. Arbeitnehmern wird kaum bis gar nicht die nötige Weiterbildung gegeben, um in der heuten Arbeitswelt mitzuhalten, obwohl es hierbei um das Erlernen aktueller Basiskompetenzen geht. Genug arbeitsfähige junge Leute gibt es nicht, um diese Lücke zu füllen. Gleichermaßen besteht aber auch keine großartige Lernbereitschaft besagter älterer Generationen, wie auch die Welt berichtet. Weder werden Methoden geboten, die es ermöglichen mit der Zeit zu gehen, noch besteht hieran Interesse. Ein dementsprechendes Problem liegt vor und um dieses zu lösen, braucht es Veränderungen beider Seiten.

Maschinerien, Technik und Co. – Die Arbeitswelt der Digitalisierung

Diverse Aufgabenfelder werden mittlerweile von Maschinen und Künstlichen Intelligenzen belegt. Sie bauen Autos, sortieren Pakete ein, überwachen Büros, organisieren Dateien und übernehmen weitere Aufgaben, die wir Menschen nicht mehr ausfüllen wollen oder schlichtweg nicht so effizient durchführen können. 29 Prozent der Arbeitsstunden werden jetzt bereits von Maschinen verrichtet, bis 2025 könnten es schätzungsweise 50 Prozent sein, wie auch das Weltwirtschaftsforum Auskunft gibt. Kurzum befindet der Arbeitsmarkt sich im konstanten Wandel und Maschinen sind und werden unsere neuen Mitarbeiter. Anpassung steht bisher jedoch noch aus.

Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) fordert mehr Weiterbildung. Diese sei notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu halten. Denn auch die Arbeiter müssen sich fürchten, dass gegebenenfalls eines Tages eine Maschine ihren Job übernehmen könnte, wodurch lediglich der logische Schluss folgen kann, man sei obsolet. Wenn man dann keine Kompetenzen mit sich bringt, die es einem ermöglichen, sich in der heutigen Arbeitsgesellschaft einzubringen, ist dies absolut existenzgefährdend.

Nicht nur mangelnde Fachkräfte, sondern auch -kompetenzen

Studien werfen hierbei teils Statistiken auf, die durchaus schockierend sind, selbst in Arbeitsfeldern, wo eine eigentliche Selbstverständlichkeit zur Befähigung einzelner Kompetenzen vorherrscht. So können beispielsweise unter Bezugnahme der Karriereplattform LinkedIn nicht einmal die Hälfte der dort gelisteten Industriebeschäftigten digitale Kompetenzen aufweisen, obwohl genau deren Berufsgruppe diese mit sich bringen sollten. Wenn diese eigentlichen Grundkenntnisse so flächendeckend in einer Branche fehlen, deren Steckenpferd die Technik sein müsste, dann ist dies nicht nur besorgniserregend für den Arbeitnehmer als Individuum, sondern auch für das Unternehmen als Kollektiv. Das nötige Wissen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit bleibt schlicht und ergreifend aus, obwohl es von so großem Wert ist. Zu wenige Möglichkeiten zur Weiterbildung werden geboten und das obwohl in dieser, in der Anpassung an die Digitalisierung, der Schlüssel zur Zukunft liegt. Arbeitgeber investieren nicht genug, um diese Weiterbildung zu ermöglichen. Dies scheint sich voraussichtlich nicht zu ändern, denn in einer Unternehmensberatung mit Accenture zeigte sich, dass gerade mal mickrige vier Prozent 100 deutscher Unternehmen sich bereit zeigen, ihre Maßnahmen zur Weiterbildung substanziell zu erhöhen. Es scheint häufig per se kein Interesse zu bestehen. Ein Problem hierbei ist ebenfalls, dass zu viele Unternehmen nicht genau wissen, worin ihre Arbeiter geschult werden sollten. Dass Arbeitnehmer älterer Generationen einen Mangel an heutigen Fachkompetenzen aufweisen, kann man ihnen kaum zum Vorwurf machen. Sie sind das Produkt einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der diese heutzutage als Basiskompetenz anerkannten Fähigkeiten noch nicht so unterrichtet wurden wie mittlerweile, da das Feld dafür noch gar nicht wirklich gegeben war. Was man jedoch zum Vorwurf machen kann, ist mangelndes Interesse an dieser Weiterbildung – und hierbei handelt es sich um ein tatsächliches Problem.

Keine Lernbereitschaft

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zum Thema der Digitalisierung und der aktuellen Arbeitswelt, machte Klaus Hansen, Partner der Headhunter-Firma Odgers Berndtson folgende Aussage:

Sie finden im Ausland kaum noch qualifiziertes Personal. Außerdem sind Auslandsaufenthalte für die Weiterbildung wichtig. Und um die geht es den Generationen Y und Z anscheinend nicht mehr. Die Arbeitnehmer, die in den 1980er Jahren und später geboren sind, leben nicht, um zu arbeiten. Sie wollen das Leben genießen.

Was augenscheinlich stimmen mag, da zumal oftmals den jüngeren Generationen Faulheit und Bequemlichkeit vorgeworfen wird, muss an dieser Stelle unter Bezugnahme vorliegender Statistiken dementiert werden, denn mangelnde Lernbereitschaft geht nicht ausschließlich von Millennials und den Generationen Y und Z aus, sondern ist ein flächendeckendes Problem. Spezifischer gesagt liegt hierbei eine Diskrepanz zur Lernbereitschaft zwischen Bildungsständen vor. Folgendes Problem liegt nämlich vor: Diejenigen, welche am dringendsten die Weiterbildung benötigen würden, verweigern sich dieser am ehesten. Beschäftigte ohne abgeschlossene Berufsausbildung, die insbesondere Gefahr laufen, im Beruf durch eine Maschine ersetzt zu werden, betreiben keine Bemühungen sich fortzubilden und selbst bei vorhandenen Maßnahmen, werden diese zu oft nicht ergriffen. Studierte Arbeitnehmer zeigen eine sechsfach so hohe Lernbereitschaft, wie IAB-Forscher herausfanden. Dementsprechend handelt es sich nicht um einen Generations-, sondern um einen Bildungskonflikt. Arbeitnehmer ohne akademische Ausbildungen oder dergleichen scheinen nicht davon auszugehen, die Fortbildung würde sich positiv auf ihre Karrierechancen auswirken. Tatsächlich sehen sie auch kein Mangel an Kompetenz vorliegen, sondern halten sich vollends für qualifiziert, wodurch auch gar kein Bedarf zur Weiterbildung bestehen würde.

Warum Weiterbildung so wichtig ist

Wohlstand ist einer der größten Faktoren zur Steigerung der Lebenserwartung. Was sich hierauf jedoch noch positiver auswirkt, ist Bildung. Die Steigerung des Bildungsniveaus sei der Schlüsselfaktor zum längeren Leben neben einer ökonomisch stabilen Position. Dies greift im Übrigen nicht nur für Länder, in denen ein niedriger Bildungsstand herrscht, sondern auch in Ländern wie Deutschland, wo dieser vergleichsweise hoch ist. Eine höhere Bildung führe meist zu einer komplexeren und kritischen Denkweise, welche positive Effekte auf das eigene Leben haben kann und sich somit positiv auf die eigene Gesundheit wirkt.

Hierin bestünde also ein direkter Reiz, um die Lernbereitschaft zu erhöhen, denn das Fortbilden hat einen positiven Effekt auf unser Leben – ob in der Arbeit, privat oder sonstwo. Es sollte nicht nur im Interesse des Einzelnen sein dem nachzugehen, sondern auch des Unternehmens, seinen Arbeitnehmern dies zu ermöglichen.

Ein Mangel an Initiative

Politische Maßnahmen gibt es bereits genug, um Weiterbildungen zu ermöglichen, damit der Mensch im Kampf gegen die Maschine zu Zeiten der Digitalisierung die Oberhand behalten kann. Erst im Juni wurde die sogenannte „Weiterbildungsstrategie“ vorgestellt, die Angebote auf einer interaktiven Lernplattform bieten soll. Damit diese Bildungslücke in Deutschland jedoch geschlossen werden kann, müssen mehr Maßnahmen folgen, mehr Initiativen. Die Arbeitswelt braucht Fachkräfte, doch müssen diese auch ausreichend gebildet sein und vor allem werden. Bildung ist ein Prozess fürs Leben, dem man sich nicht verweigern sollte. Um das jedoch zu gewährleisten, muss Arbeitnehmern auch eine angemessene Möglichkeit zur Fortbildung gegeben werden.

Über Toni Gau

Toni Gau

Toni Gau ist freischaffender Blogger, wobei sein Augenmerk auf Popkultur, Literatur und Storytelling liegt, mit eigens geschriebenen Geschichten zwischendrin. Nach dazugehörigem Studium setzt er hier nun seine Arbeit fort und schreibt seit März 2019 für OnlineMarketing.de

Ein Gedanke zu „Mensch gegen Maschine: Zu wenigen Arbeitnehmern wird notwendige Weiterbildung angeboten

  1. Christoph Schmitt

    Danke für diesen tollen Artikel! Ich stelle übrigens fest, dass die Bereitschaft zur sinnvollen Weiterbildung, wie sie hier beschrieben und gefordert wird, nicht nur von Menschen mit niedriger oder fehlender beruflicher Qualifikation verweigert wird. Vor allem im Bildungssystem, also bei lehrenden Berufen, ist die Weigerung, sich mit digitaler Kultur und Technologie ernsthaft auseinanderzusetzen uns sich zu befähigen, massiv. Aus welchen Gründen auch immer: Angst, Bequemlichkeit, Borniertheit, keine Ahnung. Jedenfalls geschieht diese Weigerung auf dem Rücken der kommenden Generationen, und das ist verantwortungslos.

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